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auf der Seite von Klaus

Die gute Nachricht für Sie
hier beginnt ein neuer Anspruch auf das Leben - Unsterblichkeit!

Themen:     Ein 192-Jähriger berichtet
Die vier Schritte
Doch was sind Intuitionen?
Die innere Stimme ist freundlich
Erste Begegnung
Eines Morgends
Immaterielle Geistenergie
Spontanheilungen
Befriedung des Geises
Bewegung
II. Die Offenbarungen des Reimund Cremer
Die Idee der Unsterblichkeit
Glaube ohne Zweifel
Was bezwecken Sie?
Menschen mit tiefer innerer Bindung
Mit der inneren Stimme reden
Den Kontakt zum tiefen Selbst herstellen
Die Geschichte der Unsterblichkeit
Besiege deinen Hass!
Noch mehr Unsterbliche?
Die Verknüpfung zwischen den beiden Selbsten
Fünfzehn gelang eine Verbindung herzustellen
Es gibt kein Rezept für Unsterblichkeit
die Umpolung: dein Wille
Die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie
Energie und Bewegung
Gedanke ist immateriell
Leben ist Bewegung
Die fünf Lebensphasen
Ausdruck unserer Gedankenmacht
Fragen über Krankheitsursache
»Wie kann die Unsterblichkeitsenergie konkret erzeugt werden?«
»Wie habe ich mir diese Unsterblichkeitsenergie vorzustellen?«
»Unsterblichkeitsenergie um Ihren Körper zu heilen?«
Die Befriedung des Geistes
Verwirrung angesichts der vielen Möglichkeiten
Die Konzentration unseres Willens
Kontrolle loslassen
III. Die Erweckung des tiefen Selbstes
Der eigene Weg
Lebenskraft
Disclaimer

Herausgegeben von Gerhard Riemann
Der Autor Jürgen Briegel wurde am 24.3.1958 in Frankfurt geboren.
Er studierte Pädagogik, promovierte in Erziehungswissenschaften und
erwarb eine therapeutische Zusatzausbildung.
Zu seinen besonderen Interessengebieten gehören Zen, Taoismus und Meditation.
Dr. Jürgen Briegel arbeitet als Psychotherapeut in freier Praxis.

Vorwort
Die Grundlage für dieses Web war ein PDF-Dokument von dieser Seite: Huna
Mit der Wandlung ins HTML-Format gelang mir eine Aufbereitung des Textes mit Stichworten. Gleichzeitig konnte ich das aussagekräftige Bild aus dem Wingmakers-Höhlensystem voranstellen, welches die Reinigung der Gedankenenergie symbolisiert und die Erzeugung der Lemiskate als Symbol für die Unsterblichkeits-Energie. Der Maler dieses Gemäldes hatte das Zentrum menschlicher im Kehlkopf-Chakra wahrgenommen.
Weiter unten im Text wird ein vier-Punkte Plan dargestellt zur Erlangung der Unsterblichkeit. Jedoch steht dem die Aussage von Vater gegenüber, dass es keine Regeln dafür gäbe. Für mich selber sieht das so aus, dass ich wohl die Unsterblichkeits-Energie üben kann, es jedoch dem Vertrauen überlasse, ob tatsächlich ein Resultat erfolgt. Ich merke, dass meine wichtigste Aufgabe ist, Langweile auszuhahlten und mich nicht übermäßig ablenken zu lassen auf meinem Weg.



I. Ein 192-Jähriger berichtet
von der Erweckung der inneren Stimme

Ist die physische Unsterblichkeit möglich? Können wir Krankheit, Altern und Tod überwinden, um für immer jung und gesund zu bleiben? Oder ist diese Vision vom ewigen Leben ein unerfüllbarer Traum, der sich in der Hoffnung auf die körperlose Unsterblichkeit der Seele erschöpft?

Das Leben ist ein Wunder.

Es zu enträtseln, übertrifft bei weitem die Möglichkeiten des menschlichen Verstandes. Doch um leben zu können, müssen wir das Leben nicht begreifen, so wie wir nicht das Atmen begreifen müssen, um es zu tun. Leben ist unendliche Bewegung. Diese Gleichsetzung von Leben und unendlicher Bewegung birgt bereits den Ansatz zur Unsterblichkeit. Das Leben kann nur in der Bewegung erlebt und gelebt werden. Dabei ist das Leben nicht nur eine Funktion des Körpers, sondern ebenso eine des Geistes. Der Körper ist an die Gesetze seiner Materialität gebunden und verändert sich in diesem Rahmen vom stofflichen Leben zum stofflichen Tod. Der Geist ist nur insofern an die Materialität gebunden, als er Teil von ihr ist. Leben und damit Geist sind zugleich immateriell (nichtstofflich).
Auf dieser Ebene ist Leben reine Energie.

Diese Energie ist unendlich.

Sie kann durch die menschlichen Fähigkeiten des Denkens, des Fühlens, der Vorstellungskraft und des Willens prinzipiell ständig erneuert (bewegt) werden. Hierbei wird Energie durch Energie erzeugt, d.h. Energie erzeugt Denken, Denken erzeugt Energie, Energie ist Denken.

Immaterielle Energie wirkt sich dabei auf materielle Energie aus. An dieser Stelle deutet sich die unbegrenzte Macht des Geistes an, wenn Menschen - wenn auch im allgemeinen unbewusst und ohne Möglichkeit der Steuerung - in massivster Weise die Materialität ihres Körpers beeinflussen können. Hier liegt der Schlüssel zur physischen Unsterblichkeit.

Inwieweit muss sich der Mensch geistig entwickeln, bis er ein Stadium erreicht hat, das es ihm ermöglicht, kraft seines Geistes, so bewusst und steuernd auf seinen Körper einzuwirken, dass Krankheit, Altern und Tod endgültig besiegt werden können?

Der enorme Einfluss, den Gedanken und Gefühle auf körperliche Vorgänge haben, wird in der Wissenschaft kaum noch ernsthaft bestritten. Die Intensität der Gedanken und Gefühle, die als Einheit funktionieren und nur durch Worte voneinander getrennt werden, können im extremen Fall zum Tode, zu tödlich verlaufenden Krankheiten oder aber zu ihrer spontanen Heilung führen.

Es gibt zahlreiche sorgfältige Recherchen und wissenschaftlich dokumentierte Fälle, die dies eindeutig belegen. Dem Leser werden hier einige kurz vorgestellt, um ihm eine Ahnung zu vermitteln, welche Fähigkeiten in uns mehr oder weniger verborgen ruhen.

So ist die Macht des Geistes über den Körper keine Frage zukünftiger Entwicklungen. Das Potential ist bereits vorhanden. Es geht nur darum, die Fähigkeiten unseres Geistes zu erkennen, sie zu nutzen und gezielt einzusetzen.

Oder ist dies nur ein weiterer Traum, der unerfüllbar bleiben wird?

Im November 1991 begegnete mir ein Mann, der behauptete, 192 Jahre alt und unsterblich zu sein. Ich lernte ihn auf einer Zugreise kennen. Er war der einzige Reisende in dem Abteil - ein etwa vierzigjähriger Mann, der fast ununterbrochen aus dem Fenster sah. Während ich las, sprach er mich auf den Inhalt des Buches an und stellte sich als Reimund Cremer vor. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch, in dessen Verlauf er mich fragte, ob ich an die Unsterblichkeit glauben würde. Ich gestand ihm, darauf keine Antwort geben zu können, aber hoffe, dass mit dem Tod noch nicht alles zu Ende sei.

Er schüttelte den Kopf und gab mir zu verstehen, dass er bei seiner Frage nicht an die Unsterblichkeit der Seele gedacht habe, sondern vielmehr an die physische Unsterblichkeit. Ob ich daran glauben würde? Ich verneinte. Er nickte. Dann teilte er mir ruhig und überlegt mit, dass er unsterblich und 192 Jahre alt sei. Mein erster Gedanke war, es mit einem Geisteskranken zu tun zu haben. Als Psychotherapeut und jemand, der seit Jahren in der Psychiatrie gearbeitet hat, habe ich es mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun, mag man sie nun als krank, gestört oder einfach nur als nicht der Norm entsprechend bezeichnen. Aber Reimund Cremer war nicht geistesgestört. Um eine wahnhafte Störung und in diesem Fall einen Größenwahn diagnostizieren zu können, müssen eine Reihe von formalen Kriterien erfüllt sein.

Keines davon traf auf diesen Mann zu.

Dabei wirkte er auf mich auch nicht wie ein harmloser Spinner, der seinen eigenen Phantasien und Wünschen allmählich zum Opfer gefallen war oder der sich einfach nur wichtig machen wollte. Seine Gedanken über die physische Unsterblichkeit waren mir fremd. Gleichzeitig besaßen sie eine visionäre Faszinationskraft und waren mir in einigen Punkten durchaus vertraut, wenn auch in anderen Zusammenhängen.

So entdeckte ich in seinen »Offenbarungen« viele Parallelen zu großen Denkern der Geschichte, zu Philosophien und Ideen der Vergangenheit wie der Gegenwart. Nur waren sie auf eine Weise miteinander verknüpft und angeordnet, die mir so nie in den Sinn gekommen wäre.

In den zwei Jahren unserer Begegnungen wurde ich mit einer Haltung konfrontiert, die mein bisheriges Denken stark verunsicherte. In der amerikanischen Rechtsprechung gibt es den Begriff des berechtigten Zweifels. Entsteht in einem Prozess für die Geschworenen der Eindruck, dass der Angeklagte unschuldig sein könnte, dann ist er freizusprechen.

Reimund Cremer gelang es, in mir einen solchen berechtigten Zweifel auszulösen. Der Angeklagte war der Mensch, und der Anklagepunkt war seine Sterblichkeit. Es ist nicht möglich, den Menschen im allgemeinen davon freizusprechen - denn niemand kann bestreiten, dass Menschen altern und schließlich sterben. Die Möglichkeit, physisch unsterblich zu werden, halte ich - nach Abwägung psychischer, philosophischer und biologischer Tatsachen - jedoch nicht mehr für ausgeschlossen. Ein berechtigter Zweifel bedeutet nicht, von der völligen Unschuld eines Angeklagten überzeugt zu sein. Es besteht lediglich die Möglichkeit der Unschuld, die allerdings über ein einfaches Ahnen der Unschuld hinausgeht.

Der berechtigte Zweifel muss sich daher begründen lassen. Der Zweifel an der prinzipiellen Sterblichkeit des Menschen beinhaltet jedoch nicht zwangsläufig den Glauben an die prinzipielle Unsterblichkeit des Menschen. Der Zweifel bedeutet lediglich, dass eine Denkgewohnheit ins Schwanken geraten ist. Und so bleibt die Frage, ob es realisierbar ist, von der theoretischen Möglichkeit, physisch unsterblich werden zu können, zur praktischen Umsetzung zu kommen.

Dass Reimund Cremer mit der Idee von der physischen Unsterblichkeit eine Jahrtausende alte Tradition fortsetzt, verrät ein kurzer Blick in die Geschichte. Die älteste schriftlich dokumentierte Suche nach der Unsterblichkeit datiert von etwa 2000 vor Christus. Im Gilgamesch-Epos wird von König Gilgamesch dem Herrscher von Uruk berichtet, der sich auf die Suche nach der Unsterblichkeit machte. Nach vielen Abenteuern musste König Gilgamesch begreifen, dass das ewige Leben wohl doch nur den Göttern vorbehalten war. Er begnügte sich schließlich mit der Unsterblichkeit seines Namens, der durch die von ihm errichteten gewaltigen Mauern der Stadt Uruk den Menschen für immer im Gedächtnis bleiben sollte.

Neben dieser mehr geographischen Erkundung des Königs Gilgamesch suchten im alten China die Anhänger des Taoismus die Unsterblichkeit in ihrem Inneren zu finden. Diese innere Suche blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück. Mit körperbezogenen Übungen werden Energien im Körper erzeugt, die auf den gesamten Organismus regulierend und anregend wirken.

Das Tao-Yin ist eine dieser Methoden. Hier soll über eine Kombination von Atem- und Gymnastikübungen das Qi (die Lebensenergie des Menschen) zur Zirkulation gebracht werden. Das Qi soll Krankheiten des Körpers und der Seele heilen, die Lebensspanne eines Menschen entscheidend verlängern und helfen, die Unsterblichkeit zu erlangen. Die von Peter Kelder beschriebenen Übungen in dem Buch Die fünf Tibeter können dieser körperbezogenen Form zugerechnet werden.

Ein anderer Schwerpunkt liegt hingegen auf Meditationspraktiken oder mentalen Übungen.

Im Taoismus selbst gibt es verschiedene Meditationsübungen, welche die Erlangung der physischen Unsterblichkeit vorbereiten sollen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der taoistische Schüler ein Erleuchteter wird, der sich von allem Irdischen befreit und sein Ich und damit seine menschlichen Begierden überwunden hat. Hierbei darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass im Taoismus ein Unsterblicher (Hsien) nicht unbedingt ein physisch Unsterblicher sein muss.

Vielmehr, wenn auch nicht ausschließlich, bezieht sich der Begriff auf die transzendentale Unsterblichkeit. Ein »wahrer« Unsterblicher ist demnach der, der die Erleuchtung erlangt und im Zustand der Ichlosigkeit sein wahres (innerstes) Wesen gefunden hat. Als Nebeneffekt stellt sich dabei oft eine außerordentliche Langlebigkeit ein.

In der heutigen Zeit wird eher ein biologischer und damit naturwissenschaftlicher Ansatz bei der Suche nach der Unsterblichkeit praktiziert. So ist es die Wissenschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Rätsel des Alterns und des Todes zu lösen. Wissenschaftler auf der ganzen Welt versuchen, den Code des Alterungsprozesses zu entschlüsseln, um auf diese Weise die ersten Anhaltspunkte zu gewinnen, wie das Altern und damit der Tod besiegt werden könnten.

Der Zellbiologe Leonard Hayflick hält dies jedoch für unmöglich.

Er geht davon aus, dass der Mensch die Lebensspanne von 120 Jahren nicht überschreiten kann. So steht für ihn fest, dass in den Zellen eine Art biologische Uhr tickt, die bestimmt, wann die Lebenszeit abgelaufen ist. Haben sich die Zellen genügend oft geteilt, stirbt der Mensch.

Andere Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass der Vorgang des Alterns in der Schwächung der Organe, des Immunsystems oder des Hormonsystems begründet liegt.

Gabriel Simonoff ist der Ansicht, dass Altern eine Krankheit ist, die wiederum andere Krankheiten erzeugt. Er ist Verfechter der freien Radikale. Diese Theorie besagt, dass Zellen deshalb altem, weil sie atmen. So entstehen bei der Energiegewinnung des Körpers vorübergehend freie Radikale. Dies sind aggressive Sauerstoffverbindungen, die das Erbgut angreifen.

Eine weitere Möglichkeit, dem Rätsel Altern und Tod auf die Spur zu kommen, sind Untersuchungen über das Hutchinson-Gilford-Syndrom oder der Progeria infantilis, wie diese äußerst seltene Krankheit auch noch genannt wird. Bei der Progeria infantilis setzt der Alterungsprozess schon in den ersten Lebensjahren eines Menschen ein. Ted Brown vom North Shore University Hospital im Staat New York hat die Theorie entwickelt, dass die übermäßige Produktion einer biochemischen Substanz, der Hyaluronsäure, Ursache für den vorzeitigen Alterungsprozess sein könnte.

Der Altersforscher Roy Walford aus Los Angeles nähert sich dem Problem des Alterns aus einer ganz anderen Richtung. Er ist davon überzeugt, dass die Lebensspanne eines Menschen auf jeden Fall zu erweitern ist, und vertritt die These, dass dies mit einer kalorienreduzierten Diät möglich ist. Erfolge gibt es jedoch allenfalls bei Versuchen mit Ratten.

Diese Untersuchungen haben immerhin gezeigt, dass mittels einer kalorienreduzierten Diät die Ratten, im Gegensatz zu den ungehemmt fressenden Ratten, bis zu 60 Prozent länger leben, weniger oft krank werden, ein stärkeres Immunsystem und ein besseres Erinnerungsvermögen haben.

Ob durch die bisherige wissenschaftliche Forschung die Klärung von Altern und Tod bevorsteht, darf mehr als bezweifelt werden. Zu viele Fragen sind noch offen. Und so wird die naturwissenschaftliche Suche nach der Unsterblichkeit weitergehen.

Gibt es bereits Menschen, die unsterblich sind?

Der Philosoph Karl R. Popper geht davon aus, dass die Wahrheitsfrage, ob etwas existiert oder nicht, nicht davon abhängt, dass sich ein Ereignis, eine Situation, eine Erfahrung immer wieder bestätigt, also Beweise für etwas gesammelt werden. Statt dessen ist entscheidend, ob sie durch eine gegenteilige Behauptung widerlegt werden kann.

Er erklärt dieses Prinzip der Falsifikation am Beispiel von weißen Schwänen. Wenn Menschen immer nur weiße Schwäne sehen, werden sie irgendwann zu dem Schluss kommen, dass es nur weiße Schwäne gibt. Doch ist damit wirklich ausgeschlossen, dass es nicht irgendwo auf dieser Welt einen schwarzen Schwan oder mehrere geben könnte? Solange wir diese andersfarbigen Schwäne nicht sehen, existieren sie für uns nicht, obwohl sie theoretisch existieren könnten. Somit wäre es ein Fehlschluss, zu behaupten, dass sie unter keinen Umständen existieren.

Beweise dafür, dass es Menschen gibt, die bereits unsterblich sind, lassen sich schwerlich finden. Es gibt Berichte über angeblich Unsterbliche wie den mysteriösen Grafen St. Germain, der im 18.Jahrhundert den Nymbus der Unsterblichkeit um sich verbreitete. Verwickelt in politische Intrigen, sich in höchsten Kreisen bewegend und häufiger Gast bei Bällen und Festlichkeiten, soll er im Laufe von Jahrzehnten immer wieder gesehen worden sein, ohne dabei jemals älter als vierzig Jahre auszusehen.

So wird erwähnt, dass der Graf auf einem Ball der Madame Pompadour im Schloss Versailles die alte Gräfin de Gergy traf. Der Gräfin war aufgefallen, dass der Graf einem Mann glich, den sie in ihrer Jugend gekannt hatte. Der Graf konnte sich im Gespräch mit der Gräfin noch gut an diese Zeit erinnern und berichtete Details, die nur sie beide kannten. Der Graf sah genauso jung aus wie vor Fünfzig Jahren.

Auch gibt es Berichte über den legendären Yogi Swami Saresvarananda, der seit über 650 Jahren in den Höhlen des Himalaja leben soll und gelegentlich gesichtet wird.

Sind das Beweise, die jeden davon überzeugen, dass es bei der Sterblichkeit Ausnahmen gibt?

Oder sind sie nur Ausdruck von Wunschvorstellungen, die in uns die Hoffnung am Leben erhalten, dass der Tod schließlich doch zu besiegen ist? Diese Fragen sind nicht zu beantworten. Denn wie wir über das Altern und das Sterben denken, ist eher eine Frage unserer persönlichen Anschauungen und auch eine unseres Mutes, aus dem vielleicht nur scheinbar Unmöglichen das Mögliche zu machen.

Wie fügt sich nun in diese Suche nach Unsterblichkeit und den Berichten von angeblich Unsterblichen Reimund Cremer ein?

Was ist von einem Mann zu halten, der von sich behauptet, 192 Jahre alt und unsterblich zu sein? Ich habe bis heute keine befriedigende Antwort darauf gefunden. Die Erfahrung eines jeden Menschen sagt, dass der Tod und der Prozess des Alterns nicht aufzuhalten sind. Wie oft habe ich mir gewünscht, die Vorstellungen Reimund Cremers über die Erlangung der Unsterblichkeit einfach als ein wahnhaftes Geschehen oder als Spinnerei abtun zu können. Denn nichts ist leichter, als alte Meinungen und Ansichten beizubehalten. Das alte Bild von Altern und Tod ringt in mir jedoch mit dem neuen Bild von immerwährender Gesundheit und Leben.

Den Vorgang des Alterns und das Faktum des Todes beschreibt Reimund Cremer als die Folge einer zunehmenden Schwächung der materiellen (körperlichen) Lebensenergie.

Seiner Auffassung zufolge ist Leben mit Energie gleichzusetzen.

So besteht der Mensch aus zwei unterschiedlichen, aber doch miteinander verbundenen Energien: aus der Geistenergie und der Körperenergie. Während die Körperenergie eines jeden Menschen begrenzt ist und sich im Laufe der Zeit immer weiter verbraucht, ist die Geistenergie des Menschen prinzipiell unbegrenzt.

Deshalb kann nur über die Geistenergie der Prozess des Alterns und damit auch der Tod überwunden werden. Diese geistige Energie muss gezielt dafür eingesetzt werden, um das zu erzeugen, was Reimund Cremer die Unsterblichkeitsenergie nennt. Zuvor muss der Mensch jedoch die innere Stimme seiner Seele in sich erwecken und mit dieser eine bewusste Bindung eingehen. So gliedert sich für Reimund Cremer der Weg zur Unsterblichkeit in vier Schritte:

1. Die Erweckung der inneren Stimme der Seele in uns.

2. Die Verknüpfung des Ich mit der inneren Stimme.

3. Die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie.

4. Die Befriedung des Geistes.


Die innere Stimme der Seele.

In dieser Bezeichnung spricht Cremer von ihr als ein zweites Wesen in uns, das neben dem Ich im Körper existiert. Das heißt, dass in unserem Körper nicht nur ein Ich existiert, sondern zwei. Diese innere Stimme hat ein eigenes Bewusstsein, eine eigene Art zu denken und zu fühlen. Sie hat einen eigenen von unserem Ich unabhängigen Willen, und wir können mit dieser inneren Stimme in einen bewussten, sprachlichen oder nichtsprachlichen, Dialog treten.

Auf den ersten Blick mag der Gedanke, dass da noch etwas in uns existiert, das vollkommen anders ist als wir, erschreckend erscheinen. Sind wir doch gewohnt, uns als eine geschlossene Einheit und als alleiniger Bewohner in unserem Körper zu betrachten, in dem niemand außer uns etwas zu suchen hat. Hierbei ist die innere Stimme der Seele nicht mit dem zu verwechseln, was wir das Unbewusste, das Intuitive oder das wahre Selbst als Ausdruck mystischen Erlebens nennen.

Die innere Stimme kann sich allerdings dem Ich indirekt mitteilen, ohne dass das Ich die wahre Natur der inneren Stimme erahnt. In psychologischen Theorien wird das Unbewusste immer als ein Teil des im Prinzip unteilbaren Ich angesehen. Es wird im allgemeinen als eine symbolreiche Personifizierung jener Aspekte unserer Persönlichkeit betrachtet, die uns bewusst nicht zugänglich sind. Trotzdem wird dem Unbewussten oft ein vom Ich nicht zu kontrollierendes Eigenleben zugestanden. In der Auffassung von Sigmund Freud entzieht sich das Unbewusste dem bewussten Ich und kann auf dieses durch Zwangshandlungen, wie sich ständig die Hände zu waschen, einwirken.

Die innere Stimme kann sich allerdings dem Ich indirekt mitteilen, ohne dass das Ich die wahre Natur der inneren Stimme erahnt. In psychologischen Theorien wird das Unbewusste immer als ein Teil des prinzipiell unteilbaren Ich angesehen. Es wird im allgemeinen als eine symbolreiche Personifizierung jener Aspekte unserer Persönlichkeit betrachtet, die uns bewusst nicht zugänglich sind. Trotzdem wird dem Unbewussten oft ein vom Ich nicht zu kontrollierendes Eigenleben zugestanden. In der Auffassung von Sigmund Freud entzieht sich das Unbewusste dem bewussten Ich und kann auf dieses durch Zwangshandlungen, wie sich ständig die Hände zu waschen, einwirken.

Der Psychoanalytiker C. G. Jung verstand das Unbewusste darüber hinaus als ein in uns wirkendes Selbst, das dem Ich die Kraft zur Bewältigung gefürchteter Situationen gibt oder zur Entfaltung des Ich beitragen kann.

In der klinischen Hypnotherapie nach Milton Erickson wird dem Unbewussten oft eine schöpferische und gelegentlich auch eine vom Ich unabhängige Intelligenz zugeschrieben.

In der psychologischen Krebstherapie der Simontons wird Krebskranken sogar empfohlen, mit ihrem Unbewussten bewusst über Entspannungsübungen in Kontakt zu treten. Sie werden aufgefordert, sich mittels spezieller Vorstellungsübungen (Visualisierungen) einen inneren Ratgeber vorzustellen, der ihnen bei der Bewältigung ihrer Krankheit helfen soll. Dieser Ratgeber soll die inneren Kraftquellen, über die jeder Mensch verfügt, aktivieren und für die Heilung nutzbar machen.

Auch beim Neurolinguistischen Programmieren (NLP),
einer in den USA entwickelten Therapieform, kann man mit seinem sogenannten Unbewussten bewusst in Kontakt treten und mit ihm kommunizieren. Das ermöglicht, mit dem Unbewussten ein bestehendes Problem zu lösen, wie etwa quälende Eifersucht, oder neue und bessere Verhaltensweisen zu entwickeln, wie die Fähigkeit, vor vielen Menschen eine Rede halten zu können.

Nicht nur in diesen klinischen Bereichen ist das Wirken des Unbewussten zu beobachten.
Es zeigt sich auch im Alltag in vielen unterschiedlichen Facetten, oft drückt es sich über Intuitionen aus. In den modernen westlichen Gesellschaften, die sehr viel Wert auf Logik und Rationalität legen, erfreut sich die Intuition allerdings nicht großer Beliebtheit, zumindest nicht öffentlich. Über Intuitionen schweigt man. Aber man hat sie, denn ihre Bedeutung für unser Denken und Fühlen ist unbestritten.

Der Begriff Intuition kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie Eingebung oder unmittelbare Anschauung. Intuition wird dabei oft mit dem Unbewussten in Beziehung gesetzt.

Doch was sind Intuitionen?

Vielleicht hat der Leser schon einmal eine leise innere Stimme vernommen, die tröstet, lobt, zu etwas ermuntert oder vor einer falschen Entscheidung warnt. Philip Goldberg beschreibt in seinem Buch "Die Kraft der Intuition" sechs Formen der Intuition und erläutert sie an zahlreichen Beispielen. So kann sich Intuition als Lösung einer komplizierten Problemstellung oft blitzartig einstellen, ohne dass der Betreffende darüber nachgedacht hat. Die kreative Intuition hingegen öffnet unvermittelt den Blick für eine Vielzahl von unterschiedlichen Möglichkeiten. Bei der wertenden Intuition wissen wir plötzlich genau, wie wir uns entscheiden müssen.

Und bei der praktischen Intuition führen wir sogar unerklärliche Handlungen aus. Für diese Handlungen, die sich im Nachhinein als äußerst sinnvoll erweisen können, haben wir zunächst keine vernünftige Erklärung.

Als Beispiel für eine praktische Intuition führt Goldberg den englischen Premierminister Churchill an. Es spielt im London des Jahres 1941, als die Stadt fast ununterbrochen von den Deutschen bombardiert wird. Als Churchill von seinem Adjutanten die Tür seines Wagens aufgehalten bekommt, geht der Premierminister unvermittelt um das Auto herum und steigt auf der anderen Seite ein. Kurz darauf schlägt in der Nähe des Wagens eine Bombe ein, deren Luftdruck das Auto beinah umstürzen läßt. Churchill bemerkte dazu später, dass etwas in ihm ihn aufgefordert habe, sich lieber auf die andere Seite zu setzen.

Eine prognostische Intuition warnt nach Goldberg konkret vor Gefahren, wie heute nicht mit dem Auto zur Arbeit zu fahren oder auf jeden Fall eine bestimmte Tätigkeit aufzuschieben. Natürlich gibt es auch nicht zutreffende Intuitionen, die Goldberg allerdings nicht als Intuitionen versteht. Sie basieren mehr auf unseren Wunschvorstellungen, Ängsten oder Hoffnungen als auf dem Wirken des Unbewussten. Dabei müssen Intuitionen nicht immer sprachlicher Natur sein. Sie können,sich auch über innere Bilder oder Körperempfindungen bemerkbar machen, wenn uns z. B. ein mulmiges Gefühl im Bauch vor einer Fehlentscheidung warnt.

Die spirituelle Erleuchtung bezeichnet Goldberg ebenfalls als eine Form der Intuition.
Sie stellt für ihn den Gipfel dar und ist in der Regel das Ergebnis eines langen meditativen Prozesses. Die spirituelle Erleuchtung ist die Transformation des alten egoistischen und an den Kreislauf des Leidens gebundenen Ich zum wahren Selbst. Dabei ist der Begriff des Unbewussten im westlichen Verständnis mit dem Verständnis des Unbewussten innerhalb der ostasiatischen Philosophien nicht vergleichbar. Er bezeichnet die intuitiv-spirituelle Fähigkeit der unmittelbaren Erkenntnis, des Einsseins mit dem Kosmos. Bei dieser Intuition wird die Wirklichkeit ohne die Zuhilfenahme unseres Verstandes oder unserer Gefühle unmittelbar erkannt und erfahren.

Unerklärliches spielt sich im Inneren eines Menschen ab. Rationalität und Logik versagen angesichts der vielfältigen und vielschichtigen Ausdrucksweisen unserer Intuitionen und unseres Unbewussten. Das Unbewusste, die Intuition ist das Mysteriöse, das Geheimnisvolle in uns.

Obwohl auch Goldberg die Intuition als ein Teil des Ich beschreibt, räumt er ein, dass eine typische intuitive Erfahrung oft von dem Gefühl begleitet wird, Empfangender statt Initiator der Intuition zu sein. Und er führt weiter aus, dass kreative Menschen sich oft als Mittler oder Kanäle für irgendeine unbekannte Quelle betrachten.

Doch scheint es, dass dieser Aspekt eher an den Rand unseres Ich-Bewusstseins gedrängt wird. Vielleicht aus der Befürchtung heraus, sonst mehr über das zu erfahren, was sich in unsrem Inneren abspielt?

Nicht so für Reimund Cremer.

Für ihn ist das, was wir das Unbewusste, das Intuitive nennen, nichts anderes als die indirekte Ausdrucksweise des zweiten Wesens in uns, welches er als innere Stimme der bezeichnet.

Er beschreibt die innere Stimme der Seele als zurückhaltend und selbstgenügsam. Sie gibt sich damit zufrieden, verborgen in uns zu ruhen und das Ich über indirekte Äußerungen lebenslang zu unterstützen.

Dabei ist die innere Stimme nichts Fremdes. Das Ich und die innere Stimme, oder das hohe und das tiefe Selbst, wie Reimund Cremer sie auch noch nennt, sind eher zwei Geschwistern vergleichbar, von denen das eine in den höheren Bewusstseinsebenen existiert und das andere in den tieferen. Sie gehören zusammen, auch wenn sie bewusstseinsmäßig voneinander vollständig getrennt sind.

Reimund Cremer ist mir gegenüber nie müde geworden, die »innere Stimme der Seele« als ein sanftmütiges und über alle Maßen gütiges Wesen zu beschreiben. Sie ist für ihn der 'gute Geist' oder der 'gute Freund', der uns niemals verletzt, niemals hintergeht und niemals belügt.

Die innere Stimme ist freundlich und weise, leise und zärtlich.

Um das tiefe Selbst in uns zu erwecken, muss es in der Stille unseres Innen aufgesucht werden, und es muss sich eine enge Beziehung zwischen den beiden Selbst entwickeln. Erst wenn dies geschehen ist, steht das gesamte Potential des menschlichen Geistes zur Verfügung, um den Weg in die Unsterblichkeit beschreiten zu können.

Solange sich ein Mensch nur mit den indirekten Äußerungen des tiefen Selbst zufrieden gibt, wird er sein geistiges Leben stark bereichern können. Aber die physische Unsterblichkeit wird ihm versperrt bleiben, so dass er sich nicht aus der "Umklammerung des Alterns und des Todes", wie Reimund Cremer es ausdrückt, befreien kann. Ist die innere Stimme der Seele in uns erweckt, kann mit ihr bewusst ein Dialog geführt werden. Hohes und tiefes Selbst können wie zwei Menschen kommunizieren, was nicht unbedingt auf der sprachlichen Ebene erfolgen muss. Das tiefe Selbst kann sich neben Körperempfindungen und inneren Bildern auch über geistige Impulse, welche die kompliziertesten Botschaften und Zusammenhänge innerhalb von Sekundenbruchteilen übermitteln, mitteilen.

Bei der sprachlichen Kommunikation besteht insbesondere zu Beginn der Kontaktaufnahme mit dem tiefen Selbst die Gefahr, den inneren Dialog mit Selbstgesprächen zu verwechseln. Denn die innere Stimme spricht in unserem Kopf über und mit unserer eigenen Stimme. Reimund Cremer berichtete mir, dass er sehr lange gebraucht habe, um seine innere Stimme von seinen Selbstgesprächen problemlos unterscheiden zu können.

Ist der Kontakt zum tiefen Selbst erst einmal hergestellt, verknüpfen sich beim nächsten Schritt zur Unsterblichkeit beide Selbste. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das hohe Selbst sich mit dem tiefen Selbst so vereinigen muss, dass aus den beiden wesensmäßig getrennten Einheiten, dem Ich und der inneren Stimme, ein einziges Wesen werden soll. Bei der Verknüpfung beider Selbste darf keines seine Identität aufgeben oder verlieren.

Die Unterschiedlichkeit muss unter allen Umständen gewahrt bleiben.

Nur wenn beide Selbst ihre Selbständigkeit wahren, kann sich aus der gegenseitigen Ergänzung die notwendige Wirkung zur Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie ergeben. Es muss eine Bindung und eine Annäherung an die innere Stimme der Seele stattfinden.

Unter Bindung versteht Reimund Cremer, dass sich zwischen hohem und tiefem Selbst ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Dieses Vertrauensverhältnis soll schließlich in ein starkes Wir-Gefühl übergehen. Annäherung bedeutet, dass das hohe Selbst lernen muss, seine Gedanken und Gefühle weitgehend, auf die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie bezogen jedoch vollständig, von den destruktiven Anteilen, wie z.B. Zorn, Ungeduld, Angst, zu befreien. Nur unter dieser Voraussetzung kann die Unsterblichkeitsenergie wirkungsvoll durch den Körper fließen und sich an den Körper binden.
Bei jener ersten Begegnung im November 1991 hatte ich Reimund Cremer meine Adresse gegeben.

Erste Begegnung November 1991.


Bei jener ersten Begegnung im November 1991 hatte ich Reimund Cremer meine Adresse gegeben. Er versprach, sich bei mir zu melden. Schon wenige Tage später erhielt ich einen Anruf von ihm. Eine Woche danach saß er m meinem Wohnzimmer, und wir diskutierten über die Existenz der inneren Stimme der Seele und die physische Unsterblichkeit. Ich war entschlossen, ihm die Unsinnigkeit seiner Behauptungen vor Augen zu führen, und ignorierte zunächst den Teil seiner Behauptungen, die von seiner eigenen Unsterblichkeit handelten. Unabhängig davon faszinierte mich seine außergewöhnliche Ruhe und Gelassenheit. Die große Liebe und Güte, die er ausstrahlte, beeindruckte mich bei jedem unserer Treffen aufs Neue.

Er suchte mich in der Woche ein- bis zweimal auf. Nie erfuhr ich, wo er wohnte oder woher er gerade kam. Er rief mich zu Beginn einer Woche an und wir verabredeten uns für die nächsten Tage. Ein einziges Mal war ich ihm nachgegangen. Ich verfolgte ihn mehrere Straßen weit. Dann stieg er in einen auf ihn wartenden Mercedes und fuhr davon. Bei unserem nächsten Treffen fragte er mich schmunzelnd, ob ich denn bei meinem nächtlichen Ausflug etwas von Bedeutung gesehen hätte.

Wir kannten uns bereits etwas länger als ein halbes Jahr, als mich Reimund Cremer aufforderte, mit meiner inneren Stimme der Seele in Kontakt zu treten. Er lachte über mein überraschtes und erschrockenes Gesicht und meinte, dass er mich schließlich nicht zum Selbstmord animiert hätte. Er erklärte mir, dass er davon überzeugt sei, dass ich zu jenen Menschen gehören würde, die ihr tiefes Selbst erwecken könnten und die, ohne es zu wissen, schon aus der Tiefe ihres Innen lebten. Dies sei ihm bereits im Zug aufgefallen.

Die Zumutung, mich auf derartig Abstruses und Unsinniges einzulassen, ließ mich entschieden ablehnen.

Es vergingen mehrere Wochen, ohne dass mich Reimund Cremer noch einmal auf seinen Vorschlag ansprach. Ich selbst ergriff schließlich die Initiative und sah darin eine Möglichkeit, ihm zu beweisen, wie unsinnig die Annahme eines zweiten Ich war, das auf einer sogenannten tieferen Ebene unterhalb des ersten Ich existieren sollte. Reimund Cremer nahm mir jedoch das Versprechen ab, mich so vorurteilslos wie möglich um die Erweckung meiner inneren Stimme zu bemühen. Wir verabredeten einen Zeitraum von zehn Monaten.

Unter der Anleitung Cremers begann ich in den folgenden Monaten, mehr und mehr in mein Inneres einzutauchen und jene innere Stimme zu suchen, von der Cremer überzeugt war, dass sie existierte.

Die nächsten Monate vergingen ereignislos.
Reimund Cremer schien darüber in keiner Weise beunruhigt zu sein.

Eines Morgens
wachte ich mit einem tiefen Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit auf. Ich war ausgeruht wie schon lange nicht mehr. Der Tag verlief in der gewohnten anstrengenden Routine. Aber ich fühlte mich gegen Abend noch immer so ausgeruht und entspannt wie am frühen Morgen. Ich setzte mich auf mein Sofa und begann, so wie ich es seit Monaten tat, in mein Inneres zu lauschen. Dann geschah etwas, was ich weder geglaubt noch für möglich gehalten hatte. Ich spürte zunächst, wie sich etwas in mir regte. Es war wie eine Bewegung. Sie war nicht materiell, aber so, als würde sich ein bisher verstopfter geistiger Kanal in mir öffnen. Eine Weile geschah dann überhaupt nichts. Als nächstes hörte ich eine Stimme in meinem Inneren. Es war meine eigene Stimme. Aber nicht ich war es, der sie benutzte. Sie war leise und zärtlich, wie von Reimund Cremer beschrieben.

Etwas Derartiges hatte ich in mir und von mir bisher noch nie wahrgenommen.
Ich war erschrocken, verängstigt und fasziniert zugleich. Ich konnte es kaum erwarten, dass Reimund Cremer mich anrief. Als ich ihm schließlich am Telefon von meinem Erlebnis erzählte, wurde er zunächst ganz still und bat mich dann, ihm alles genau zu erzählen.

Als wir uns am nächsten Tag gegenübersaßen, gingen wir das außerordentliche Ereignis Punkt für Punkt durch. Doch ich hatte bereits damit begonnen, meine neue Erfahrung als Einbildung abzutun. Ich benötigte noch vier weitere dieser Erlebnisse, bis ich mir sicher, subjektiv sicher, war, dass ich nicht mit mir selbst, wie in einem Selbstgespräch, gesprochen hatte, sondern mit etwas anderem und doch sehr Vertrautem in mir in Verbindung getreten war.

Mittlerweile gehören die inneren Dialoge mit meinem tiefen Selbst zu den angenehmsten und schönsten Erfahrungen.

Ob allerdings die Kontaktaufnahme mit meiner inneren Stimme der erste Schritt auf dem Weg zur Unsterblichkeit ist, kann ich nicht beurteilen. Für Reimund Cremer jedoch ist die Erweckung der inneren Stimme und die daraus sich entwickelnde Verknüpfung beider Selbst nur der Beginn einer langen Reise in das Innere des Menschen. Für ihn ist es der Moment, wo das hohe Selbst beginnen kann, die Energie der Unsterblichkeit in sich zu erzeugen.

Er fasst dabei den Menschen als ein energetisches Wesen auf, das aus zwei Energiearten besteht. Die geformte materielle Körperenergie erhält den Körper für eine begrenzte Zeit am Leben. Während der allmähliche Verbrauch der Körperenergie zum Alterungsprozess und schließlich zum Tod führt, kann sich die ungeformte immaterielle Geistenergie ständig erneuern.

Beide Energiearten sind aus der Urenergie hervorgegangen, die ausschließlich aus ungeformter immaterieller Energie besteht. Diese »kosmische Urenergie« hat im Gegensatz zur materiellen und immateriellen Struktur des Menschen kein Bewusstsein. Sie ist lediglich ein Strom unendlich sich bewegender Lebensenergie, wie Reimund Cremer es formuliert. Obwohl durch die Materialität des Körpers dieser der Vergänglichkeit unterworfen ist, kann über die immaterielle, und damit unendliche, Geistenergie so auf den Körper eingewirkt werden, dass sich dieser nicht nur regeneriert, sondern ewig am Leben erhalten werden kann.

Immaterielle Geistenergie wird über unsere Gedanken und Gefühle ständig erzeugt und erneuert.

Doch ist der Mensch in der Regel nicht dazu fähig, die Geistenergie im vollen Umfang zu nutzen und zu steuern. Erst in der Verknüpfung beider Selbste sind die Voraussetzungen dafür geschaffen.

So beginnt für Reimund Cremer, so einfach dies auch klingen mag, die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie zunächst durch den Gedanken an die Unsterblichkeit. Je stärker sich der Gedanke der Unsterblichkeit in unserem Kopf formiert, an Konstanz und Bedeutung gewinnt, indem er Teil unserer Lebenseinstellung und unseres Lebenssinns wird, umso mehr wird sich seine Macht auf den Körper erstrecken.

In jedem unserer Gedanken, in jedem unserer Gefühle ist das gesamte Universum, die Summe unserer Lebenserfahrungen und Lebensprinzipien enthalten. Dabei besteht jeder Gedanke und jedes Gefühl immer aus konstruktiven und aus destruktiven Anteilen. Konstruktive Anteile und damit positive Energie sind Lebensfreude, Hoffnung, Stärke, Liebe. Destruktive Anteile als negative Energie hingegen beinhalten Niedergeschlagenheit, Zorn und Ärger. So muss der Gedanke der Unsterblichkeit zuallererst von den in ihm enthaltenen destruktiven Anteilen gereinigt werden.

So phantastisch die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie auf den ersten Blick auch erscheinen mag, so stößt das Prinzip, nämlich der enorme Einfluss der Gedanken auf Körperfunktionen, in der modernen Wissenschaft auf zunehmend größeres Interesse.

In der noch relativjungen Psychoneuroimmunologie (PNI) werden die Einflüsse psychischer Faktoren auf Körperprozesse systematisch untersucht. Ziel der PNI ist es, die künstliche Trennung zwischen Körper und Geist aufzuheben und die Zusammenhänge zwischen ihnen zu erforschen.

Der Begriff »Psycho« steht hierbei für das seelische Erleben des Menschen.
Der Begriff »Neuro« ist die Abkürzung für Neurowissenschaften, die sich mit dem Nervensystem des Menschen befassen. Der Begriff »Immunologie« bezieht sich auf das Abwehrsystem des menschlichen Körpers. David Felten, Professor für Neurobiologie an der School of Medicine der Universität Rochester, fand heraus, dass Nervenfasern das Nervensystem mit dem Immunsystem unseres Körpers verbinden. Eine revolutionäre Erkenntnis. Stand bisher doch fest, dass das Nervensystem, das Immunsystem und auch das Hormonsystem voneinander getrennt funktionierten. Die entdeckte Verbindung zwischen Immunsystem und Nervensystem machte deutlich, dass beide Systeme in einem engen Informationsaustausch stehen. Die Übertragung von Informationen geschieht dabei über chemische Botenstoffe, über Neurotransmitter und Neuropeptide.

Mittlerweile sind der Wissenschaft etwa siebzig dieser Neuropeptide bekannt. Man geht davon aus, dass es möglicherweise Tausende davon gibt. Diese körpereigenen Chemikalien ermöglichen den Informationsaustausch zwischen dem Immunsystem und dem Nervensystem. Das Hormonsystem kommuniziert über die Ausschüttung von Hormonen ebenfalls mit dem Immunsystem, so dass alle Systeme miteinander verknüpft und stets auf dem aktuellen Stand der körpereigenen Prozesse sind. Neuropeptide, Peptide, Neurotransmitter, Hormone beeinflussen Körper und Geist.

Das Gehirn kann dabei über Gedanken und Gefühle das Immunsystem regulieren. Wie dabei ein immaterieller Gedanke auf die materiellen Körperfunktionen einwirken kann, indem das Gehirn unsere Gedanken in Neurotransmitter und Neuropeptide transformiert, ist für die Wissenschaft bis heute nicht erklärbar.

Mittels der Positronen-Emmissions-Tomographie (PET) können die Spuren, die ein Gedanke und ein Gefühl im Gehirn hinterlässt, bildlich dargestellt werden. Somit steht zweifelsfrei fest, dass sich mit jedem neuen Gedanken das chemische Muster unseres Gehirns und die Zusammensetzung und Lokalisation seiner Botenstoffe verändert Der Vorgang des Denkens wirkt sich hiermit auf den gesamten Organismus aus.

Die Fähigkeit des menschlichen Geistes, auf die Körperprozesse mittels Vorstellungen einzuwirken, zeigt sich bei Menschen, denen es durch Meditation oder einfache Entspannungstechniken gelingt, Blutdruck, Körpertemperatur und Schmerzempfinden willentlich zu beeinflussen. Bill Moyers beschreibt in seinem Buch »Die Kunst des Heilens« eine Frau, der es durch autosuggestive Techniken gelang, sich ohne Betäubungsmittel operieren zu lassen. Ebenso lernte ein Mädchen, auf den Geruch von Rosenöl und den Geschmack von Lebertran reflexartig wie auf ein starkes Schmerzmittel zu reagieren.

Wesentlich dramatischer zeigt sich der Einfluss unserer Gedanken und Gefühle auf unsere Körperfunktionen bei den wissenschaftlich nachgewiesenen Placebo und Nocebo-Effekten und den Spontanremisionen (Spontanheilungen).

Durch die Verabreichung von vollkommen harmlosen und unwirksamen Scheinmedikamenten, den Placebos, kann, oft allein durch den Glauben des Patienten an die Wirksamkeit des Scheinmedikamentes, ein dramatischer Rückgang der Beschwerden bei dem Patienten eintreten. Einer der spektakulärsten Placeboeffekte, der die Macht der Gedanken über den Körper beweist, wird von Dr. Bruno Klopfer berichtet.

Dieser Arzt war 1950 an der Durchführung eines Tests mit Krebiozen beteiligt. Dieses Medikament wurde zunächst als das Heilmittel gegen den Krebs angepriesen. Ein Patient von Dr. Klopfer, der an einem weit fortgeschrittenen Lymphosarkom litt, welches schon die Lymphknoten erfaßt hatte, bat den Arzt um die Verabreichung dieses Medikamentes. Die Wirkung, die sich einstellte, war überraschend. Innerhalb kürzester Zeit verschwanden die Tumoren. Auch musste dem Patienten nicht mehr alle zwei Tage Flüssigkeit aus der Brust entfernt werden, die sich dort regelmäßig angesammelt hatte. Der Patient genas und konnte wieder ein normales Leben führen. Er erlitt jedoch einen schweren Rückfall, als er aus der Presse erfuhr, dass Krebiozen angeblich wirkungslos sei. Dr. Klopfer versicherte seinem Patienten jedoch, dass er mittlerweile ein viel wirkungsvolleres Krebiozen zur Verfügung habe. Er injizierte ihm dieses neue Krebiozen, das nur aus sterilem Wasser bestand. Die Gesundung des Patienten verlief diesmal noch viel dramatischer. Die Geschwülste schrumpften in kürzester Zeit und die Flüssigkeit in der Brust verschwand.

Mehr als zwei Monate blieb der Patient ohne Symptome. Nach einiger Zeit wurde das Medikament in der Presse erneut kritisiert und als ein völlig wertloses Mittel bei der Krebsbehandlung dargestellt. Innerhalb von wenigen Tagen war der Patient tot.

Bei den Nocebo-Effekten können negative Vorstellungen und Erwartungen zu dramatischen körperlichen Störungen und Krankheiten führen. Der bloße Glaube daran kann unter Umständen völlig ausreichen. Bei Verliebten ist das Risiko, an einem Infekt zu erkranken, minimal. Sie stoßen so viele Glückhormone aus, dass ein Infekt keine Chance hat, den Körper zu schwächen. Ganz anders jene, die bereits bei leichtem Durchzug fest davon überzeugt sind, eine Erkältung zu bekommen. In der Regel werden sie auch erkranken.

Eine Klientin schilderte mir einmal ihre Fähigkeit, wann immer sie wolle, Herpes zu bekommen. Sie brauche lediglich intensiv daran zu denken, wobei sich ein Ekelgefühl bei ihr einstellte, und wenige Minuten später würde sie die Bläschen an ihren Lippen spüren. Leider war es ihr nie möglich, sie genauso schnell wieder verschwinden zu lassen.

Fälle dramatischer Art sind die "Voodo-Tode", wo allein der Glaube zu sterben ausreicht, um zu sterben.
Hier wird durch einen Voodo-Priester der Betreffende zum Tode verurteilt. Der Glaube an die Macht des Priesters löst bei dem Betreffenden die Überzeugung aus, sterben zu müssen, was dann auch geschieht.
Der Körper stellt seine Funktionen ein. Dieses Phänomen ist jedoch nicht nur auf sogenannte primitive Kulturen begrenzt. Es gibt Fälle, wo Patienten vor Operationen derartige Todesängste entwickelten, dass sie während des Eingriffs an ihrer Angst starben.

Nicht weniger sensationell sind die Berichte über Spontanheilungen

Sie geraten zunehmend in das Blickfeld wissenschaftlichen Interesses. Denn hier zeigt sich, dass Patienten, die an in der Regel tödlich verlaufenden Krankheiten litten, derart gewaltige Selbstheilungskräfte in sich mobilisieren konnten, dass sie die Wirksamkeit der Apparate- und Medikamentenmedizin weit übertrafen. So gelang es ihnen allen ärztlichen Prognosen zum Trotz, die Beschwerden entweder entscheidend zu mildern oder sogar vollkommen gesund zu werden. Inoperable Gehirntumoren, Metastasen, Lungenkrebs, um nur einige Krankheiten zu nennen, bildeten sich bei den Patienten spontan zurück. Diese spektakulären Krankheitsverläufe vollzogen sich nicht nur im Anfangsstadium, sondern auch im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit.

Oft ging diesen Spontanheilungen eine drastische Veränderung von Lebensgewohnheiten und Lebenseinstellungen bei den Patienten voraus. Paul C. Roud, ein amerikanischer Psychologe, zeichnet in seinem Buch "Diagnose: Unheilbar, Therapie: Weiterleben" die Lebensgeschichte von elf solcher Menschen nach, die eine ansonsten Krankheit überlebten. Der gemeinsame Nenner bei diesen elf Menschen war, dass sie alle den Kampf gegen die Krankheit aufnahmen, sich nicht passiv in ihr Schicksal ergaben, ihr Leben radikal neu ordneten und letztlich auf sich selbst vertrauten. Roud beschreibt den Fall von Norman Cousins, der sich dadurch von der Bechterewschen Krankheit (einer chronischen Entzündung der Rückenwirbel, die zu einer fortschreitenden Versteifung der Wirbelsäule führt) heilte, indem er, entgegen ärztlichem Rat, seine eigene Therapie entwickelte. Diese bestand neben der Einnahme von hohen Dosen Vitamin C in Lachen. Er sah sich lustige Filme an und ließ sich aus humoristischen Büchern vorlesen. Obwohl die Chancen für eine Heilung 1:500 standen, war seine Gesundung praktisch vollkommen.

Doch dieses Mittel der Selbstheilung funktionierte nur bei diesem einen Patienten. Ein anderer, der seine Frau verloren und intensiv ihren Tod betrauert hatte, versuchte, durch die "Lachtherapie" des Norman Cousins seine Trauer zu überwinden. Er scheiterte. Er entwickelte statt dessen ein Magengeschwür, schwere Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Dies zeigt deutlich, dass es auf dem Weg zur Heilung nicht darauf ankommt, den Lösungsweg eines anderen zu kopieren, sondern eigene Lösungen zu entwickeln, die zu dem individuellen Hintergrund einer Person passen.

Für Reimund Cremer sind die unbewusst ausgelösten Placebo- und Nocebo-Effekte, die Spontanheilungen und auch die bewusste Einflussnahme auf unterschiedliche Körperfunktionen ein klarer Beleg für die prinzipielle Fähigkeit des Menschen, kraft seines Geistes, Außergewöhnliches zu vollbringen. Aber weder die Patienten, die spontan wieder gesundeten, noch die, bei denen die Placebo- und Nocebo-Effekte auftraten, hatten in irgendeiner Weise eine Kontrolle über ihre bislang nicht in Erscheinung getretenen Fähigkeiten. Weder konnten sie sie bewusst erzeugen noch steuern oder verstärken. Sie waren ihnen ausgeliefert. Zwar hatte dies im Hinblick auf die Heilung von Krankheiten und die Linderung von Beschwerden keine negativen, sondern durchweg positive Konsequenzen. Aber die Macht der Gedanken über den Körper kann auch genauso gut zu negativen Konsequenzen führen. Denn was sich für den Patienten Dr. Klopfers auf der einen Seite durch dessen positive Erwartungen als positiv erwies, führte durch dessen negative Erwartungen auf der anderen Seite auch zu einem negativen Resultat. Der Patient starb.

Unsere Gedanken und Gefühle derart umfassend zu lenken, dass sie nur so auf unseren Körper einwirken, wie wir es wollen und für richtig halten, ist für Reimund Cremer keine Phantasterei. Er ist davon überzeugt, dass das nötige geistige Potential in jedem Menschen ruht. Es muss nur geweckt werden.

Dies geschieht aus seiner Sicht über die Erweckung der inneren Stimme und über die Verknüpfung beider Selbste. Hier liegt der Schlüssel zur Nutzbarmachung und Steuerung der gewaltigen Energien, die in unserem Körper und in unseren Gedanken liegen.

Dabei ist auch das Prinzip der Erzeugung, Weiterleitung und gezielten Platzierung von Energie in der Menschheitsgeschichte kein unbekanntes Phänomen. Es wird in China seit über 3000 Jahren mit überwältigendem Erfolg praktiziert. Im Qi-Gong, einer chinesischen Heilmethode, die den Menschen als ein energetisches System betrachtet, wird dies ausführlich beschrieben. Ziel ist es hier, über die Aktivierung, Verteilung und Plazierung der Lebensenergie (Qi) Krankheiten zu heilen, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern, den Alterungsprozess zu verlangsamen und sich spirituell weiterzuentwickeln. Qi-Gong wird noch heute in chinesischen Krankenhäusern neben der europäisch-traditionellen Medizin mit großem Erfolg betrieben.

Im Qi-Gong wird durch regelmäßiges jahrelanges Üben die Kontrolle über den inneren Fluss der Lebensenergie erlangt. Um dies zu erreichen, soll über die geistige bzw. mentale Kraft des Menschen die Lebensenergie bewegt werden. Hierbei lenkt der Geist das Qi, welches über Meridiane durch den gesamten Körper fließt.

Ähnlich ist es mit der Unsterblichkeitslehre des Reimund Cremer.
Doch gibt es wichtige Unterschiede. Einer liegt in der Existenz und der Erweckung der inneren Stimme der Seele und in der daraus folgenden Verknüpfung beider Selbste. Zum anderen ist die Lebensenergie nicht mit der Unsterblichkeitsenergie gleichzusetzen. Die Lebensenergie im QiGong existiert bereits. Sie ist ein Bestandteil des Körpers und des Geistes. Hingegen muss die Unsterblichkeitsenergie durch die Gedanken erschaffen werden und erhält erst dadurch ihre Qualität.

Doch erst im vierten Schritt zur Unsterblichkeit, obgleich er bereits Bestandteil der Verknüpfungsphase zwischen den Selbsten ist, vollendet sich der Weg zum ewigen Leben.

Die Befriedung des Geistes


bezeichnet die Vorbereitung des hohen Selbst auf ein Leben in der Unsterblichkeit. Erst wenn das tiefe Selbst die Überzeugung hat, dass das hohe Selbst die Unsterblichkeit in allen ihren psychischen Auswirkungen ertragen kann, wird es zusammen mit dem hohen Selbst diesen Weg einschlagen. Denn wer ewig leben will, muss mit der Ewigkeit leben können, sagt Reimund Cremer.

Dies setzt voraus, dass der Geist des Menschen ein offener Geist wird. Um dies zu erreichen, wird die innere Stimme der Seele das Ich im Laufe der Zeit mit allen seinen Lebenslügen, seinen Illusionen, seinen verdrängten Wünschen und Ängsten konfrontieren. Diese psychischen Blockierungen und Ablagerungen der äußeren Seele, im Gegensatz zur inneren Seele des tiefen Selbstes, sind dem Ich in der Regel nicht mehr leicht erinnerbar, so dass sie in Vergessenheit geraten. Sie ruhen in den verschütteten Kammern der äußeren Seele, die nicht mit dem westlichen Verständnis des Unbewussten gleichgesetzt werden dürfen. Sie sind dem Menschen nur nicht so leicht erinnerbar, obwohl sie das Leben eines Menschen mehr oder weniger stark beeinflussen können. Ein trauriger Mensch muss sich z. B. nicht immer seiner Traurigkeit bewusst sein, um traurig zu sein.

Die Konfrontation mit den Blockierungen und Ablagerungen der äußeren Seele und deren Überwindung reinigt das Bewusstsein des hohen Selbst von seinen selbstgeschaffenen Abhängigkeiten und psychischen Begrenzungen. Manche davon lösen sich ohne große Bemühungen, andere wiederum kosten Anstrengung und innere Überwindung.
Nur so kann die Verfestigung der Blockierungen und Ablagerungen aufgehoben werden.

Denn im Hinblick auf die Ewigkeit des physischen Lebens würde ihre Nichtbeachtung langfristig zu einer Potenzierung der Destruktivität und damit zur Unterbrechung oder Störung des gereinigten Stroms der Unsterblichkeitsenergie führen. Doch gibt es hierbei eine Einschränkung, die den Unterschied zu den Zielen ostasiatischer Philosophien deutlich macht. Bei der Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie muss der Gedanke daran frei von destruktiven Anteilen sein, doch geht es letztendlich nicht darum, den Geist von allem Irdischen zu befreien. Gedanken und Gefühle wie Zorn, Angst, Neid, Traurigkeit oder Einsamkeit dürfen nicht vollständig überwunden werden. Die Fähigkeit, sie zu empfinden, muss unter allen Umständen erhalten bleiben. Denn nur sie halten den menschlichen Geist ständig in Bewegung und in der Bereitschaft zur Veränderung. Dies ist nicht leicht zu verstehen.

Für Reimund Cremer ist die Bewegung das Synonym für die Unsterblichkeit und steht damit für den unendlichen Fluss der kosmischen Urenergie, eine Bewegung ohne Bewusstsein.

Das menschliche Bewusstsein hingegen besitzt die Tendenz zur Stagnation. Zwar macht es bis zu seinem Tod die unterschiedlichsten (Lebens) Erfahrungen, doch in den seltensten Fällen verlässt es, und dann nur ansatzweise, die durch Kultur und Erziehung vorgezeichneten Bahnen. Will der Geist jedoch in ständiger Bewegung sein, muss er sich auf andere Bewusstseinsebenen begeben. Die »Befriedung des Geistes« beinhaltet die absolute Öffnung des Geistes. Wer in der Ewigkeit leben will, muss sich ständig für die Vielfältigkeit der äußeren (der Umwelt) und der inneren (geistigen) Welt öffnen und offenhalten. Dabei muss er ohne Sicherheiten und langfristige geistige Orientierungen auskommen. Nur so kann der Mensch den wechselnden Geschehnissen der äußeren und inneren Welten gerecht werden.

Er darf das »Irdische« nie ganz verlieren, das sowohl aus konstruktiven wie destruktiven Anteilen (Zorn, Haß, Wut, Neid) besteht. Nur aus den destruktiven Anteilen seiner Gedanken und Gefühle kann er die Kraft ziehen, um sich seelisch ständig weiterzuentwickeln. Ein Mensch, der das Irdische transzendiert und damit überwunden hat, ist für Cremer ein Wesen, das zwar die Erleuchtung gewonnen, aber die Bewegung verloren hat und sich damit von der Erlangung der physischen Unsterblichkeit entfernt.

Die Befriedung des Geistes bezieht sich auf die Herstellung einer Balance zwischen beiden Selbsten.

Um diese auszubilden, muss das Ich erkennen, dass der Weg zum ewigen Leben außerhalb der Kontrolle seines Willens liegt und nur in der Ergänzung der Fähigkeiten beider Selbst möglich ist. Das hohe Selbst erzeugt bewusst die Unsterblichkeitsenergie kraft seines Willens und seiner Imaginationsfähigkeit. Das tiefe Selbst hingegen reguliert diese Energie mittels seiner intuitiven Fähigkeiten und bindet sie in natürlicher Weise an den Körper.

Als Reimund Cremer mich aufforderte, meine innere Stimme zu erwecken, trafen wir eine Vereinbarung. Gelänge es mir nicht, mein tiefes Selbst zu erwecken, würde er zugeben, dass er sich alles nur ausgedacht hatte. Im Rückblick war es dumm von mir gewesen, diese Bedingung zu stellen. Denn ich hätte gewusst, dass er mir nicht die Wahrheit sagen würde. Aber darum ging es mir damals nicht. Ich wollte aus seinem Mund hören, dass alles reine Phantasie war. Dies hätte mir gereicht, um mich nicht mehr mit dem Gedanken an die Unsterblichkeit auseinandersetzen zu müssen.

Es gelang mir, mein tiefes Selbst zu erwecken.

Und Reimund Cremer bat mich, seine Gedanken über die Unsterblichkeit niederzuschreiben. Wir beschlossen, unsere Gespräche über die Unsterblichkeit noch einmal zu führen und sie dabei auf Band aufzuzeichnen. - Reimund Cremer hat sich mit der vorliegenden Version einverstanden erklärt.

Allerdings knüpfte ich meine Zusage an die Bedingung, dass die Skepsis erhalten bleibt, die ich zu Beginn unserer ersten Gespräche gehabt hatte und die sich in Bezug auf die praktische Erlangung der Unsterblichkeit auch nicht geändert hat. Ich wollte davor warnen, über die Faszination der Unsterblichkeit den eigenen Menschenverstand zu verleugnen. Reimund Cremer gab mir schmunzelnd zu verstehen, dass er nichts anderes von mir erwartet hätte.

So ist der Leser in die Verantwortung genommen, zu prüfen und abzuwägen, worauf er sich einlassen will:

Ob ihm die Offenbarungen neue Horizonte des Denkens eröffnen oder ob er sie mit einem Schulterzucken abtut. Ich wünsche dem Leser, sich nicht von einer Vision, aber auch nicht von seinem Verstand blenden zu lassen.

Für Reimund Cremer ist der Zweifel der Motor der Veränderungen. Sei es nun der Zweifel an der Sterblichkeit des Menschen oder an seiner Unsterblichkeit. Doch allein das Denken an das Mögliche des scheinbar Unmöglichen schafft, so meint er, die Voraussetzungen, dass es zum Wirklichen werden könne.

Zum Abschied nahm er mich in die Arme, drückte mich und sagte augenzwinkernd: "Wer weiß, vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder!"


II. DIE OFFENBARUNGEN DES REIMUND CREMER

Nicht die zukünftigen Generationen können die Welt retten. Denn sie sind dazu verdammt, die Fehler der vergangenen und gegenwärtigen Generationen zu wiederholen und dort fortzufahren, wo andere aufgehört haben. Sie würden nichts besser machen, sondern nur auf andere Art schlechter.

Die Zukunft des Menschen liegt bei der gegenwärtigen Generation, wenn es ihr gelingt, sich geistig weiterzuentwickeln und ein neues Stadium der Evolution zu erreichen. Das ewige Wechselspiel von Leben und Tod hat sich in der Geschichte der Menschheit als unbrauchbar erwiesen.

Die Unsterblichkeit des Körpers ist ein Versuch der Natur, einen veränderten Kreislauf des Lebens zu schaffen: des ewigen Werdens im ständigen Sein! (Reimund Cremer)

Die Idee der Unsterblichkeit

»Sie behaupten, einhundertzweiundneunzig Jahre alt und unsterblich zu sein?«

»Es mag Ihrem gesunden Menschenverstand und Ihrer Lebenserfahrung widersprechen, dass es möglich ist, physisch unsterblich zu sein. Aber für mich ist das, was Sie eine Behauptung nennen, eine Tatsache!«

»Eine Tatsache, für die es schwer sein wird, Beweise zu finden. Es mag uns Menschen nicht gefallen, aber es lässt sich nicht leugnen, dass alle Menschen früher oder später sterben. Ob sie es nun wollen oder nicht! Gegenteilige Behauptungen halte ich eher für unglaubwürdig!«

»Ich kann Ihre Skepsis verstehen. Aber nur, weil Sie etwas für unglaubwürdig halten, bedeutet es noch lange nicht, dass es auch unglaubwürdig ist. Alle Ideen und Veränderungen waren im Laufe der Menschheitsgeschichte zunächst eine Phantasie, eine Imagination des bisher nicht Vorstellbaren. Die Idee der Unsterblichkeit, der physischen Unsterblichkeit, ist sehr alt. Und sie passt in die heutige Zeit, weil die Möglichkeiten zur Umsetzung noch nie so groß waren wie gegen Ende dieses Jahrtausends.

Damit meine ich nicht die technischen, sondern die geistigen Möglichkeiten des Menschen. Der Mensch verfügt prinzipiell über die Fähigkeit, den Tod in sich zu überwinden und ewig leben zu können. Diese Fähigkeit muss ihm bewusstgemacht werden, damit er den Weg der Unsterblichkeit gehen kann.

Sie müssen mir nicht glauben, dass ich unsterblich bin. Sie dürfen es auch nicht! Alles andere würde ich meinerseits für unglaubwürdig halten. Denn es entspricht eben nicht dem natürlichen Menschenverstand. Es entspräche vielmehr einer beim Menschen bis zum Äußersten getriebenen Todesangst, die ihn nach jedem Strohhalm würde greifen lassen!«

»Keine Sorge, ich werde Ihnen auch nicht glauben. Einen Beweis, dass Sie hundertzweiundneunzig Jahre alt sind, obwohl ich Sie auf nicht älter als vierzig Jahre schätzen würde, können Sie nicht liefern - oder?«

»Nein! Ich kann es Ihnen nicht beweisen, nicht in einem wissenschaftlichen, sogenannten objektiven Sinne. Der Reiz unserer Gespräche wird darin liegen, dass Sie nie wissen, ob ich die Wahrheit spreche oder nicht. Es steht Ihnen somit frei, ob Sie das Folgende als eine amüsante, möglicherweise recht interessante Geschichte abtun und als einen ausgemachten Schwindel betrachten wollen. Es würde Ihnen viel Nachdenken ersparen. Wenn Sie es jedoch für möglich halten, dass der Mensch in der Lage sein kann, kraft seines Geistes derart auf seine Körperfunktionen einzuwirken, dass er nicht mehr altert und nicht stirbt, dann wird Ihr Leben nie mehr so sein können, wie es vor diesen Gesprächen war.

Einen Vorteil oder einen Nachteil - es kommt ganz darauf an, wie Sie es sehen wollen - haben Sie bereits vor den Lesern. Immerhin halten Sie mich nicht mehr für verrückt, dank Ihrer Kenntnisse auf dem Gebiet angeblicher Verrücktheit. Ihre Leser müssen diesen Eindruck erst einmal gewinnen. Sie haben Ihnen also einiges voraus. Sie stellen schon die Wahrheitsfrage oder die Frage nach der Möglichkeit, auch wenn Sie es für unglaubwürdig halten.

Ich kann niemandem beweisen, dass ich physisch unsterblich bin und seit hundertzweiundneunzig Jahren lebe. Das ist richtig. Dieses Geheimnis kann ich nicht lüften. Es liegt auch nicht in meiner Absicht. Lassen Sie uns über die Unsterblichkeit reden, so vorurteilslos wie es Ihnen möglich sein kann. Lassen Sie uns einen Weg beschreiten, bei dem es nicht darum geht, etwas zu behaupten, das mit aller Gewalt von Ihnen ad absurdum geführt werden muss, weil Sie den Gedanken an eine physische Unsterblichkeit nicht ertragen können oder weil Sie einfach nicht daran glauben. Hören Sie zu, zweifeln Sie meinetwegen! Ja, ich fordere Sie gerade auf zu zweifeln. Zweifeln ist etwas sehr Positives und Nützliches. Es ist die andere, produktive, Seite des Glaubens.

Denn ein Glaube ohne Zweifel ist ein toter Glaube; er hätte seinen Zweck verfehlt. Nur der Zweifel hält uns in ständiger geistiger Bewegung. Er löst Veränderungen aus und bewirkt damit die Weiterentwicklung der Seele. Damit ist der Zweifel dem Prinzip des Lebendigen näher als das Beharren auf Dogmen und Ideologien. Also zweifeln Sie! Doch ich bitte Sie, meinen Lebenserfahrungen Raum zu geben. Sie sind keine Phantastereien, auch wenn sie auf der kreativen Macht der Phantasie beruhen.«

»Ich bin einverstanden. Aber ich kann Ihnen nicht versprechen, dass mir dies die ganze Zeit möglich sein wird. Ich werde mich bemühen, so sachlich wie möglich zu sein.« - »Das kann ich akzeptieren! Fangen wir an!«

»Wann und wo sind geboren ?« »Ich bin am 17. Juli 1799 geboren und verzeihen Sie mir, wenn ich den Ort meiner Geburt nicht nenne. Ich habe kein Interesse daran, mehr von meiner Person preiszugeben, als unbedingt nötig ist!« » Weshalb? Was befürchten Sie?«

»Lassen Sie es mich so ausdrücken: Es liegt mir nichts daran, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stehen. Ich möchte nicht Fragen über Fragen beantworten, die schließlich ein Niveau erreichen würden, auf dem ich Fragen über meine Lieblingsfarbe oder Deodorantmarke gestellt bekäme. Ich ziehe es vor, in der Anonymität zu leben. Unbeachtet von den Menschen. Deshalb werde ich alles vermeiden, was meiner Identifizierung dienlich sein könnte. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis!«

»Ist das nicht paranoid?«
»Sie können es so sehen, wenn Sie wollen. Ich habe nichts dagegen. Doch ziehe ich es vor, Paranoia, wie Sie es nennen, als Vorsicht zu begreifen. In diesem Zeitalter der Medien, wo alles an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, was sowohl bedeutungsvoll wie auch bedeutungslos ist, hat das Private keinen Stellenwert mehr. Es gibt kaum noch Räume für Geheimnisse, für Ruhe, Zeit für Besinnlichkeit. Genau das ist es, was ich liebe. Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich mir diese Annehmlichkeiten nicht nehmen lassen möchte. Ich glaube, dass dies erst die Lebensqualität eines Menschen und auch die Qualität eines Zeitalters ausmacht!«

»Trauern Sie den alten Zeiten nach, die Sie erlebt haben?«
»In gewissem Sinne ja. Damals gab es noch viele Geheimnisse. Die Menschen lebten recht gut damit. Sie um jeden Preis lüften zu wollen, erwies sich nicht als unbedingt notwendig. Diese Unart trat erst mit einer recht aufdringlichen Variante der menschlichen Spezies auf: mit der Geburt des Wissenschaftlers, der die Welt seziert, als wäre sie ein Leichnam. Erst die Wissenschaftler wollten Geheimnisse nicht mehr akzeptieren und den Dingen auf den sogenannten Grund oder vielleicht nur auf den Leim gehen. Das einzige, was sie erreichten, war, dass sie den Menschen seiner wertvollsten Fähigkeiten beraubten: seiner Phantasie und seiner Kreativität. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich sehe mich nicht als einen Maschinenstürmer. Das technische Verständnis des Menschen ist enorm. Aber seine geistigen Fähigkeiten haben sich nicht im gleichen Zuge entwickelt. Sie liegen brach. Der Mensch begnügt sich statt dessen mit den unendlichen Variationen des bereits Gedachten. Für das Neue, das Überraschende ist er nicht wirklich offen und auch nicht für das sogenannte Unglaubwürdige.

Aber um Ihre Frage zu beantworten: Jedes Zeitalter hat seinen Reiz, wenn er auch nicht immer positiv ist. Ich trauere dem 19. Jahrhundert und den Anfängen des 20. Jahrhunderts nicht nach. Doch ich vermisse bisweilen die Menschen, die in diesen Zeiten gelebt haben: ihre unbekümmerte Naivität dem Leben gegenüber, ihre Vitalität, ihre Träume, ihre Glaubensinhalte und Ideologien, so ausgefallen sie oft auch waren. Sie gaben ihnen zumindest einen inneren Halt und ihrem Handeln jene Verbindlichkeit, die ich bei den Menschen des ausgehenden 20. Jahrhunderts so schmerzlich vermisse. Aber wir sind nicht hier, um über die Vergangenheit zu sprechen!«

»Gut! Kehren wir zur Gegenwart zurück. Erklären Sie mir doch bitte, warum Sie das, was Sie den Weg der Unsterblichkeit nennen, einem breiten Publikum nahebringen wollen! Was für Motive haben Sie?«

Was bezwecken Sie?

»Mein Motiv ist simpel. Es ist pure Neugier! Kein Sendungsbewusstsein, keine Selbstlosigkeit. Nur Neugier und zugegebenermaßen ein wenig Hoffnung, dass sich der menschliche Geist aus seiner Abgestumpftheit und Trägheit erhebt und weiterentwickelt. Und dies ohne die Künstlichkeit von Technik und Wissenschaft.

Die Zeit, in der wir leben, ist reif für geistige Veränderungen. Sie vibriert geradezu vor Lust, diese Veränderungen in Angriff zu nehmen. Aber noch zögert der Mensch. Er sehnt sich nach der Geborgenheit absoluter Gewißheiten zurück. Doch dieser Weg ist ihm versperrt. Wenn er jemals wieder begehbar sein sollte, dann nur über Terror und Tod, indem alles Individuelle und Andersartige gnadenlos vernichtet wird. Der Mensch steht an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter.

Jetzt, wo er alles verloren hat, den Glauben an die Religion, an die Wissenschaft, an die Politik und an die Familie, bleibt nur noch ein einziger Glaube, an den es sich zu glauben lohnt: der Glaube an sich selbst. Und dieser Glaube ist nötig, um das gewaltige geistige Potential, das im Menschen ruht, zu nutzen und damit Krankheit, Altern und Tod zu besiegen!«

»Und wie soll das Ihrer Meinung nach funktionieren?«

»Die wahre Welt des Menschen offenbart sich in seinem Innern. Nicht so sehr in seinen Beziehungen zur Welt und zu anderen Menschen, so wichtig und unverzichtbar diese auch sind. Vielmehr muss der Mensch lernen, seine inneren Welten zu entdecken und zu erforschen. Denn in diesem Bereich existieren Möglichkeiten, die jenseits des logisch Faßbaren liegen, die aber nicht weniger real sind als unsere Hände und Füße.

Im Innern eines jeden Menschen ruhen verborgen Energien, die ihn dazu befähigen, Außergewöhnliches zu vollbringen!

»Die Unsterblichkeit?«

»Die Unsterblichkeit des Körpers, ja! Menschen sind nicht so schwach, wie sie oft erscheinen. Ihre größten Leistungen vollbringen sie in der Not. Wenn alles aussichtslos zu sein scheint, mobilisieren sie Kräfte, von denen niemand - am wenigsten die Betroffenen selbst - glaubte, dass sie sie haben. Sie zeigen sich in den Augenblicken größter Verzweiflung, der schlimmsten Demütigungen, der hoffnungslosesten Situationen und angesichts tödlich verlaufender Krankheiten.

Diese innere Erzeugung von ungeahnten Energien befähigt sie, um ihr Leben zu kämpfen, ausweglose Situationen zu meistern, den Tod zu besiegen, wenn er durch Krankheit den Körper und die Seele zu zerstören droht. Die Erzeugung dieser Energien muss jedoch nicht auf diese eher seltenen Augen-blicke des Lebens beschränkt bleiben. Diese Energien ruhen unabhängig davon in uns und warten darauf, dass wir den Weg zu ihnen finden, um sie für unser Leben zu nutzen und Krankheit, Altern und Tod endgültig zu überwinden. Das einzig lohnenswerte Ziel im Leben eines Menschen ist das Leben selbst: das ewige Leben!«

»Und wie erlangt man nun die sogenannte Unsterblichkeit?«

»Indem es Ihnen gelingt, solche Energien in sich zu erzeugen, welche den Alterungs-Prozess stoppen und die allgegenwärtige Präsenz des Todes aufheben können. Dies vollzieht sich in einem jahrelang währenden geistigen und körperlichen Transformations- Prozess. Doch bevor überhaupt an die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie gedacht werden kann, muss zuerst die innere Stimme der Seele oder das tiefe Selbst - wie ich es auch nenne - in uns erweckt werden!«

»Ah ja! Wer oder was ist denn diese innere Stimme der Seele oder das tiefe Selbst?«


Das hohe und das tiefe Selbst

»Kennen Sie die Erzählung aus Platons Symposion, in der er berichtet, dass der Mensch ursprünglich aus einer Kugelform bestand, bevor er in zwei Hälften getrennt wurde, in eine männliche und in eine weibliche?

»Nein!«

»Ähnlich ist es mit dem tiefen und dem hohen Selbst. Seit seiner Geburt besteht der Mensch aus zwei voneinander unabhängig existierenden Bewusstseinen, die in einem Körper leben. Das eine Bewusstsein ist das Ich oder das hohe Selbst. Es besteht aus dem, was wir die unverkennbare Persönlichkeit eines Menschen nennen: Seinen individuellen Verstand, seine nicht weniger individuellen Gefühle und die daraus sich ergebenden Eigenheiten, Gewohnheiten, Prägungen.

Das andere Bewusstsein in unserem Körper ist die innere Stimme der Seele oder das tiefe Selbst. Es ist mit dem Ich nicht identisch. Es ist auch kein Teil des Ich in dem Sinne, dass es sein sogenanntes Unbewusstes verkörpert. Es denkt weder rational noch emotional. Es ist ein intuitives, ganzheitliches Bewusstsein. Es hat einen eigenen Willen, eigene Gedanken, eigene Ziele. Es kennt keine Eitelkeiten, keine destruktiven Gefühle, keine Überheblichkeiten und Begierden, keine Geltungssucht und damit keine egoistischen Bestrebungen. Die innere Stimme ruht harmonisch in sich. Sie ist selbstgenügsam und selbst-vergessen. Ostasiatische Philosophien würden dies vielleicht als das wahre Selbst, die Buddha-Natur, die Selbstnatur bezeichnen. Doch die innere Stimme der Seele ist viel mehr als das: Sie hat Bewusstsein!«

»Ihrer Meinung nach sind wir also nicht allein in unseren Körpern?«

»Wir sind es nie gewesen. Beide Selbst sind an den gleichen Körper gebunden und durch ihn miteinander verbunden. Sie existieren auf zwei unterschiedlichen Bewusstseinsebenen innerhalb eines Körpers. Auf einer äußeren (höheren) und einer inneren (tieferen) Ebene. Sie sind wie Geschwister. Benötigt das hohe Selbst die Zeit zur Entwicklung seiner selbst, indem es lernt und dabei Erfahrungen über das Leben sammelt, existiert das tiefe Selbst außerhalb der Zeit, obwohl es Teil des in der Zeit verhafteten Körpers ist.

Es beobachtet das hohe Selbst bei seiner körperlichen und geistigen Entwicklung. Es nimmt Anteil, ohne Teil davon zu sein. Es kennt jeden Gedanken und jedes Gefühl, das das Ich je erschuf, gegenwärtig hat und unter bestimmten gleichbleibenden Bedingungen auch in Zukunft haben wird. Nichts bleibt der inneren Stimme verborgen. Dabei verliert sie nie ihre Liebe zum hohen Selbst und hält - auch wenn sie in vielen Dingen anderer Ansicht als das Ich sein mag - treu zu ihm bis in den Tod!

»Und das Ich, das hohe Selbst, wie Sie es nennen, bemerkt dieses zweite Ich in uns nicht?«

»Menschen wachsen seit Jahrtausenden in dem Bewusstsein auf, dass sie eine unteilbare Einheit sind, dass sie aus einem Guss bestehen. Und da sie im Laufe ihres Lebens nichts anderes erfahren, bestätigen sie sich natürlich immerfort, dass es nicht anders sein kann. Damit Sie verstehen, warum das Ich im allgemeinen nichts von der Existenz eines zweiten Bewusstseins (in seinem Körper) spürt, müssen Sie begreifen, dass die innere Stimme der Seele nicht in den Kategorien des hohen Selbst denkt. Sie ist selbstgenügsam. Sie ruht in sich und hat kein Interesse daran, das Ich auf ihre Existenz aufmerksam zu machen.

Die Welt außerhalb des Innern hat für das tiefe Selbst keine Bedeutung. Sie mag existieren. Sie mag den Körper und das Bewusstsein des Ich schädigen, aber diese Welt berührt es nicht. Dem Tod steht es gleichmütig und gleichgültig gegenüber. Aus diesem Grund hat die innere Stimme der Seele keine Veranlassung, sich zu entäußern, sich dem Ich und der äußeren Welt mitzuteilen oder sich in ihr mit dem Ich zu bewegen.

Deshalb strebt sie auch nicht danach, die Funktionen des Körpers kontrollieren zu wollen. Doch das Schicksal und die seelische Entwicklung des Ich ist der inneren Stimme wiederum nicht vollkommen gleichgültig. Sie fühlt sich dem Ich geschwisterlich verbunden. Und als ein Teil dieses Ich bietet sie dem Ich auf indirekte Weise ihre Hilfe und Unterstützung an!«

»Wie ist das zu verstehen?«

»Die innere Stimme der Seele vermittelt dem hohen Selbst Einsichten, die jenseits von Rationalität und Emotionalität liegen. Sie äußert sich über Ahnungen und Intuitionen, die sie dem Ich zukommen lässt, ohne dass dieses an der Einheit seiner Person zweifeln muss. Das tiefe Selbst will das hohe Selbst durch seine Existenz nicht erschrecken. Diese Intuitionen sind Erfahrungen des Unmittelbaren, wo sich das unendliche Ganze für einen Moment zu einem Punkt verdichtet und uns sehen lässt, was wir mit unserem Verstand und unserem Gefühl sonst niemals sehen würden.

Menschen mit tiefer innerer Bindung

Menschen, die, ohne es zu wissen, eine tiefe Bindung zu ihrer inneren Stimme haben, vollbringen mit ihr und durch sie Meisterwerke des Denkens, des Fühlens und des Handelns. Solche Menschen ruhen so sehr in sich, dass sich die Fähigkeiten beider Selbst verbinden und ergänzen. Sie schaffen Kunstwerke von überragender Schönheit und Eleganz, die eine Ahnung von dem vermitteln, was überhalb und außerhalb des gewöhnlichen Menschseins liegt. Sie vollziehen Handlungen und zelebrieren Ideen, die nur in der vollendeten Harmonie von Geist und Körper vollbracht werden können. Doch nie ist es das hohe Selbst allein, das dies alles bewirkt. Immer ist auch das tiefe Selbst in uns daran beteiligt!«

»Sie wollen doch nicht ernstlich behaupten, dass intuitive Erkenntnisse und intuitive Handlungen, von denen ich durchaus glaube, dass sie eine wertvolle Bereicherung des Denkens darstellen - ein Zeichen für die Existenz eines sogenannten zweiten Ich in uns sind. Meiner Meinung nach beschränken Sie damit nur die Fähigkeit des Ich, welches durchaus dazu in der Lage ist, intuitiv zu sein. Dafür benötigt es kein unabhängiges Bewusstseinsträchtiges tiefes Selbst!«

»Ich habe eine andere Erfahrung gemacht!«

»Schön. Damit steht also Erfahrung gegen Erfahrung. Nur Sie stehen mit Ihrer allein da, finden Sie nicht?«

»Jeder Mensch steht im Laufe seines Lebens einmal mit seinen Erfahrungen allein da. Sie werden mir in diesem Punkt sicherlich nicht widersprechen!«

»Der Gedanke, dass da noch etwas in uns sein könnte, was Sie als zweites Bewusstsein bezeichnen, macht mir Angst. Und ich frage mich, inwieweit die Annahme und das Erleben eines solchen zweiten Bewusstseins nicht eher ein Zeichen für den Ausbruch oder das Anhalten einer psychischen Störung ist!«

»Es ist ein Manko der Geschichte, dass alles, was nicht in den Bereich des sogenannten Normalen und des sofort Erklärbaren fällt, krank oder auch böse sein muss. Ich bin der Meinung, dass es eher darum gehen sollte, auch Erfahrungen mit dem zu machen, was dem normalen Alltagsgeist widerspricht. Wir sollten dies nicht einfach ignorieren oder blindwütig bekämpfen!«

»Es gibt eine psychische Krankheit, die sich multiple Persönlichkeitsstörung nennt. Es ist eine Störung, deren Wurzeln in der Kindheit liegen und die durch gewaltige traumatische Ereignisse, wie z. B. sexuellen Missbrauch oder Missbrauch allgemein, ausgelöst werden soll. Von der kindlichen Person spalten sich Persönlichkeitsanteile ab, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln und andere Charaktereigenschaften haben als die bis dahin einheitliche Person, um mit dem Trauma psychisch fertigzuwerden. Viele unterschiedliche Persönlichkeiten können dabei entstehen, die oft um die Vorherrschaft im Körper kämpfen.

Oft wissen diese Persönlichkeiten nichts voneinander. Sie haben andere Namen, bewegen sich anders, haben sogar andere körperliche Beschwerden oder Krankheiten, ein anderes FEG, andere Handschriften, andere Stimmen als die jeweilige Vorperson oder Nachperson. Manchmal sind sie sich feindlich gesinnt. Sie teilen jedoch den gleichen Körper. Sehen Sie da eine Verbindung zu Ihrem tiefen Selbst?«

»Nein! Im Grunde haben Sie die Antwort schon selbst gegeben. Sie beschreiben diese multiplen Persönlichkeiten als solche, die den Körper übernehmen wollen und deren Entstehung traumatische Ursachen hat. Es bilden sich verschiedene hohe Selbst, mit jeweils eigenen egoistischen Bestrebungen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten, bei denen letztlich keiner genau zu wissen scheint, wer das wahre hohe Selbst verkörpert. Und alle diese Selbst wollen beachtet werden und spielen sich mehr oder weniger in den Vordergrund.

Das tiefe Selbst hingegen rebelliert nie gegen die Entscheidungen des Ich. Es ist vielmehr ein stiller und aufmerksamer Freund, der dem hohen Selbst immer treu ist und diesem bei allem beisteht, was es bedrückt. Kein hohes Selbst wird dazu gezwungen, seinen Intuitionen zu folgen. Es hat immer die Entscheidungsfreiheit, sie abzulehnen. Mir ist dies selbst sehr oft passiert. Manchmal führte das Ignorieren der Intuitionen zu keinen nennenswerten Folgen. Aber oft bereute ich im Nachhinein, nicht auf sie gehört zu haben.

Was Sie mit der psychischen Störung schildern, bezieht sich nicht auf die Existenz des tiefen Selbst. Versuchen Sie, das hohe und das tiefe Selbst als zwei Seiten einer Medaille zu betrachten. Sie sind zwei und doch wiederum eins. Beide Selbst stehen nicht im Kampf um die Vorherrschaft innerhalb des Körpers. Selbst wenn das Ich gelernt hat, eine bewusste Verbindung mit der inneren Stimme herzustellen, und sich daraus eine tiefe Bindung zwischen beiden Selbst entwickelt, wird es niemals zu Übergriffen kommen, wie Sie sie gerade für die multiple Persönlichkeitsstörung geschildert haben.

Das tiefe Selbst zieht sich augenblicklich in das Innere zurück, sobald das hohe Selbst dies signalisiert. Es tritt nur dann mit dem Ich in einen inneren Dialog, wenn dieses es ausdrücklich wünscht. Je intensiver jedoch die Bindung zur inneren Stimme wird, umso eher wird sie sich von selbst in Erinnerung rufen; so, wie ein Freund nicht ständig darauf wartet, dass er nur vom anderen angesprochen wird. Und haben sich beide Selbst erst einmal für den Weg der Unsterblichkeit entschieden, entsteht eine noch engere Bindung und ein intensiverer geistiger Austausch. Aber auch hier kann das hohe Selbst jederzeit den Kontakt zum tiefen Selbst zeitweise oder für immer aufheben.

Obwohl die multiple Persönlichkeitsstörung eine psychische Krankheit ist und bei den Betroffenen sehr viel Leid auslöst, zeigt sie auch die Vielfältigkeit und die Macht des menschlichen Geistes, die in ihr ruht. Sie deutet daraufhin, welche Kräfte in uns sind, wenn es schon in dieser Krankheit möglich ist, in einem Körper mehrere unterschiedliche Personen zu erzeugen, die verschiedene Gehirnströme haben und mit jedem Bewusstsein andere körperliche Krankheiten aufweisen können!«

»Im Rahmen von akustischen Halluzinationen als Ausdruck eines psychotischen - geisteskranken - Erlebens können wir Stimmen hören, die uns befehlen, bestimmte Dinge auszuführen. Sie können dann beispielsweise aus unserem Kopf oder aus Steckdosen kommen. Auch als Zwangsneurose können uns Stimmen befehlen oder auffordern, Gedanken auszuführen oder bestimmte Handlungen ständig zu wiederholen. Diese Stimmen können lästig sein und nicht abgeschaltet werden.

Und dann gibt es ja noch diese mehr oder weniger harmlosen Stimmen in uns, wie die Stimme der Mutter, die uns ermahnt, etwas zu tun oder zu lassen, oder eine freundliche Stimme, die uns tröstet und Mut zuspricht Wie verhält es sich hier im Gegensatz zum tiefen Selbst?«

»Auch hier kann ich nur mit den gleichen Argumenten antworten. Das, was Sie gerade aufgezählt haben, trifft genauso wenig wie die multiple Persönlichkeitsstörung auf das tiefe Selbst zu. Die innere Stimme der Seele fügt dem Ich kein Leid zu. Und was die von Ihnen angesprochenen harmlosen Stimmen betrifft, so sind sie dort, wo sie Leid auslösen oder als lästig empfunden werden, ebenfalls nicht Ausdruck des tiefen Selbst. Wo sie als freundlich und gut beschrieben werden, können sie durchaus einer indirekten Äußerung des tiefen Selbst entsprechen. Es kann sich aber auch um besonders geschickt getarnte Selbstgespräche handeln!«

»Sie sprechen es an. - Kann es denn nicht möglich sein, dass das tiefe Selbst eben nichts anderes ist als ein Selbstgespräch, geschaffen, um der Langeweile des Alltags zu entgehen, das sich mit der Zeit so perfektioniert hat, dass man schon selbst daran glaubt, mit etwas anderem in sich zu sprechen als mit sich selbst?«

»Ja! Das kann durchaus möglich sein. Der menschliche Geist ist sehr kreativ, wenn es darum geht, Langeweile zu vertreiben. Wenn es Ihnen gelingt, eine Verbindung zum tiefen Selbst herzustellen, dann ist es eine der schwierigsten Aufgaben des hohen Selbst, seine Selbstgespräche von den Gesprächen mit der inneren Stimme der Seele unterscheiden zu können. In einem Selbstgespräch spricht das hohe Selbst mit dem hohen Selbst. Es teilt sich nichts mit, was es nicht schon vorher wusste. Ein Selbstgespräch vollzieht sich bewusst. Es wird vom Ich vollständig kontrolliert. Das Ich kontrolliert den Inhalt, bestimmt das Gesprächstempo und ob die Stimme traurig, selbstbewusst, laut oder leise klingen soll.

Die innere Stimme der Seele hingegen spric/ht mit einer gleichbleibenden Ruhe und Sanftheit, mit einer Klarheit und Überzeugung, mit einer Liebe, Bedächtigkeit und Zärtlichkeit zu uns, die durch den Willen des hohen Selbst nicht beeinflusst werden kann. Ist dies dennoch möglich, so ist es nichts anderes als ein Selbstgespräch gewesen.

Die innere Stimme äußert sich über und mit der Stimme des hohen Selbst. Es gehört viel Zeit und Geduld dazu, die Unterschiede wahrzunehmen und Anhaltspunkte zu entwickeln, wann das Ich mit sich selbst und wann es mit dem tiefen Selbst spricht. Es wird dem Ich dort erleichtert, wo die innere Stimme bewusst Zusammenhänge und Dinge mitteilt, die Sie entweder nicht gewusst, nicht wahrhaben wollten oder einfach nicht bedacht haben. Das tiefe Selbst widerspricht offen dem hohen Selbst, wenn es anderer Meinung ist!«

Mit der inneren Simme reden

»Sie sprechen von dieser inneren Stimme, als könnten Sie mit ihr reden, so wie wir beide jetzt miteinander reden?«

»Ja! Ich kann auf diese Weise mit meiner inneren Stimme reden. Das ist faszinierend und für Sie sicher äußerst unglaubwürdig. Dieses Gefühl der Faszination habe ich bis heute nicht verloren. Als mein tiefes Selbst zum ersten Mal zu mir und durch mich sprach, war ich erschrocken, wie dies wohl jeder Mensch sein würde. Ich wollte mir einreden, dass dies doch nur wieder mein hohes Selbst war, das da mit mir sprach. Doch in diesem Fall konnte ich es mir nicht einreden. Es war eine andere Erfahrung als die, ein Selbstgespräch zu führen. Diese tiefe und klare Empfindung gab mir die Gewißheit, dass ich nicht zu mir selbst gesprochen hatte!«

» Was hat das tiefe Selbst gesagt?«

»Es wird für Sie banal klingen. Und im Grunde genommen war es das auch. Aber es ist ein Unterschied, ob ich Ihnen davon erzähle oder es am eigenen Leib erfahre. Ich hatte eine tiefschürfende, wichtige Äußerung erwartet und auch erhofft. Doch das einzige, was die innere Stimme äußerte, war, dass sie mich auf ihre liebevolle und gütige Art fragte, was ich denn von ihr wolle.

Ich war so überrascht, dass ich nicht antworten konnte . Erst beim dritten oder vierten Mal gelang es mir, eine halbwegs intelligente Erwiderung zu formulieren. Mit der Zeit lernte ich, mit meiner inneren Stimme zu sprechen. Es war anfangs sehr schwierig. Immer wieder verwechselte ich Selbstgespräche mit inneren Dialogen. Es dauerte Monate, bis es mir gelang, sie deutlich voneinander zu unterscheiden. Die Sprache war nicht die einzige Möglichkeit, mit meinem tiefen Selbst zu kommunizieren. Ich konnte mich auch über Bilder, die in meinem Kopf plötzlich auftauchten, mit ihr verständigen oder über ein angenehmes, feines Rieseln, das durch meinen Körper zog und mir ein Gefühl von Energie, Trost oder Bestätigung vermittelte.

Dabei ist das tiefe Selbst kein gewöhnlicher Gesprächspartner. Nie würde es mit mir nur um des Redens willen sprechen oder um mir die Langeweile zu vertreiben. Seine Fragen, seine Antworten, seine Reaktionen sind sehr kurz. Es übermittelt komplexe Botschaften in Sekundenbruchteilen. Wofür zwei Menschen, die miteinander reden, vielleicht Stunden oder mehr benötigen würden, vollzieht sich im inneren Dialog mit dem tiefen Selbst oft über einen einzigen Impuls. Dieser Impuls, der Ihnen eine intuitive und umfassende Einsicht offenbart, ist beredter und zutreffender als tausend Worte.

Das heißt nicht, dass die innere Stimme sich nicht ausführlich mit Ihnen zu unterhalten vermag. Gerade am Anfang der Beziehung zwischen beiden Selbst haben die inneren Dialoge schon eine gewisse Länge. Doch auch hier antwortet das tiefe Selbst häufig sehr knapp.

Aber seine Schweigsamkeit ist kein Zeichen für Gleichgültigkeit, welche die innere Stimme dem Ich gegenüber empfindet. Sie ist immer für Sie da, doch niemals zu den egoistischen Bedingungen des hohen Selbst. Insbesondere zu Beginn der Verbindung beider Selbst geschah es oft, dass ich die Bedeutung dessen, was die innere Stimme mir mitteilte, nicht verstand. So wie die Seiten eines Instruments aufeinander abgestimmt sein müssen, damit sie harmonisch klingen, muss auch die Verständigung beider Selbst aufeinander abgestimmt werden. Dies ist ein Prozess, der Jahre dauern kann. Nicht selten kam es in dieser Zeit zu Missverständnissen. Sie haben mich oft fragen lassen, ob ich mir die Existenz einer inneren Stimme nicht doch nur einbilde, weil mir die Reaktionen der inneren Stimme häufig so abwegig und wenig sinnvoll erschienen!«

»Können Sie ein Beispiel nennen?«

»Gern! Ich war zu einem Ball geladen. Die Bindung zu meinem tiefen Selbst bestand noch nicht sehr lange. Sie währte gerade zwei Jahre. Auf diesem Ball sollte ich der Tochter einer Gräfin vorgestellt werden. Die Gräfin kannte ich, und als ich einer jungen Dame gewahr wurde, die sehr viel Ähnlichkeit mit der Gräfin hatte, war ich davon überzeugt, dass diese deren Tochter war.

Ich begann schon zu phantasieren, was für ein Mensch sie wohl sei, ob sie den Charme ihrer Mutter habe - und noch einiges mehr. Meine innere Stimme gab mir zu verstehen, abzuwarten. Ich war überrascht. Eine derartige Reaktion hatte ich nicht erwartet. Für mich stand eindeutig fest, dass es die Tochter der Gräfin war. Ich wollte wissen, warum meine innere Stimme anderer Ansicht war. Sie gab mir nur lapidar zu verstehen, dass die junge Dame nicht die Tochter der Gräfin sei.

In diesem Augenblick zweifelte ich, ob ich mir die Existenz der inneren Stimme nicht doch nur eingebildet hatte. Schließlich wurde ich zu der Gräfin geführt. Neben ihr stand eine junge Dame, die mir als ihre Tochter vorgestellt wurde. Sie war nicht die Frau, die ich zunächst für die Tochter gehalten hatte. Doch beide Frauen hatten eine verblüffende Ähnlichkeit. - Ich war sehr beschämt, dass ich an meinem tiefen Selbst gezweifelt und so wenig Vertrauen in es gesetzt hatte. Anstatt auf die Intuition meiner inneren Stimme zu hören, war ich meinem Verstand, meinem Gefühl, kurz meiner Voreiligkeit gefolgt!«

»Warum hat es Ihnen nicht vorher erklärt, dass Sie sich in Ihrer Einschätzung geirrt haben?«

»Das ist verzwickt! Die innere Stimme der Seele nutzt ab und zu solche Gelegenheiten, damit das Ich den Grad seiner Bindung an sie überprüft. Oft fühlt sich das hohe Selbst der Bindung zu sicher. Es kam in meinem Leben häufig vor, dass ich glaubte, bereits ein unerschütterliches Vertrauen zu meinem tiefen Selbst zu haben. Oft wurde ich eines Besseren belehrt, so schmerzhaft dies für mich auch war. Die geistigen Schritte, die ich auf dem Weg zur Unsterblichkeit vollzogen geglaubt hatte, mussten erneut von mir gegangen werden. Als ich die Unsterblichkeit noch nicht erlangt hatte, wollte ich natürlich wissen, was mir auf diesem Weg alles widerfahren würde. Meine innere Stimme teilte mir nur mit, dass ich Anforderungen zu erfüllen habe. Diese Antwort stellte mich natürlich nicht zufrieden. Ich wollte erfahren, was mir begegnen würde. Meine innere Stimme schwieg. Einmal gab sie mir eine Antwort, deren Sinn ich nicht verstand. Ich grübelte tagelang darüber nach, bis ich schließlich aufgab. In diesen Tagen des Nachdenkens wurde mir jedoch schmerzlich bewusst, dass ich, anstatt meinem tiefen Selbst zu vertrauen, die Kontrolle über die Entwicklung der Unsterblichkeit hatte gewinnen wollen.

Mehrere Monate später eröffnete sich mir der Sinn der Antwort, die mir meine innere Stimme gegeben hatte. Doch ich vermochte ihn nur zu verstehen, weil mein Geist offener geworden war. Mir wurde klar, dass ich die Antwort vor Monaten einfach nicht hatte verstehen können, weil sich das entsprechende Verständnis für die Antwort noch nicht entwickelt hatte. Ich schämte mich und nahm mir vor, mein tiefes Selbst nie wieder zu bedrängen. Und eine Zeitlang war mir dies sogar möglich!«

»Wie wird der Kontakt zum riefen Selbst hergestellt?«


»Das tiefe Selbst ist die Stille in uns, und das hohe Selbst muss bereit sein, sich in diese Stille hineinzubegeben. Nur so kann eine Verbindung zur inneren Stimme hergestellt werden. Das Ich muss lernen, das Zentrum der Stille in sich zu finden. Den meisten Menschen fällt es in der heutigen Zeit sehr schwer, die äußere Stille zu ertragen. Sie brauchen den Lärm und die Hektik des Alltags, um sich zu vergewissern, dass sie noch am Leben sind.

Sie ziehen sich auf diese Weise vor sich selbst zurück und vermeiden den Kontakt mit ihren uneingestandenen oder vergessenen Gefühlen. Gefühle, die sie an ihre Ängste und Unvollkommenheiten gemahnen könnten, ihnen ihre Einsamkeit und Sterblichkeit vor Augen führen würden. Stellen Sie sich vor, wenn die Menschen von einem Augenblick zum anderen taub würden. Die äußere Stille, die dann unvermeidbar wäre, würde sie auf 1 ihre ureigensten Gedanken und Gefühle zurückwerfen. Sie waren von nun an mit sich allein. Nichts fürchten die Menschen mehr als dies. Sie könnten ihren Gefühlen nicht mehr entkommen. Sie müßten den Schmerz, der die äußere Stille in ihnen auslöst, ertragen lernen.

Und erst dann, wenn es ihnen gelungen ist, die äußere Stille zu genießen, können sie damit beginnen, das Zentrum der Stille in sich aufzusuchen. Das Zentrum der Stille ist ein Ort der unendlichen Weite.

Es ist wie das Hinabtauchen in eine nicht zu erhellende Schwärze. Uns umgibt nichts anderes als eine von allen Gedanken und Gefühlen freie innere Landschaft. Je mehr wir in diese innere Landschaft hineintauchen, ihre Stille aufsuchen, sie aushalten und schließlich genießen, werden wir mit der Zeit das immerwährende Pulsieren des kosmischen Lebens in uns spüren.

Das Leben, das nichts anderes ist als eine fortwährende Bewegung, eine ständige Veränderung ohne Anfang und Ende, im Kreislauf harmonischer Energien. Dies ist die Sprache des Kosmos, die Beredsamkeit des Schweigens, das unbewegt Bewegende in der Aufhebung aller Gegensätze, die letztlich nur eine Erfindung des menschlichen Geistes ist.

Wenn Sie beginnen, dieses Leben in sich zu spüren, werden Sie erfahren, dass das Leben keine Form und kein Bewusstsein hat, sowie das Meer kein Bewusstsein hat Es fließt um des Fließens willen. Kein Gedanke, kein Gefühl, keine Erinnerung und keine Unterscheidung, sondern nur ein gewaltiger Bewusstseinsloser und in sich ruhender Strom von reiner Lebensenergie.

Dann werden Sie das Leben in jeder Ihrer Wahrnehmungen sehen und schließlich werden Sie ein Teil dieses Lebens und damit mit der Ewigkeit auf ewig verbunden sein.

In dieser Stille können wir der inneren Stimme der Seele begegnen. Hier ist der Ort ihrer Existenz. Hier ist sie zu Hause. Und wenn Sie dieses Zentrum der Stille gefunden haben, dann wird Ihr tiefes Selbst eine Kontaktaufnahme nicht verweigern. Es wird sie prüfen. Monatelang. Ihre Geduld, Ihren Eifer, Ihren Willen und die Reinheit Ihrer Absicht, die nicht durch den Gedanken, die innere Stimme zum Zweck der Unsterblichkeit zu benutzen, befleckt sein darf. Sie können die innere Stimme der Seele nicht täuschen. Sie wird sich Ihnen nur dann zu erkennen geben, wenn sie sicher ist, dass Sie zunächst nichts anderes wollen, als Ihre eigene innere Welt kennenzulernen. Alles andere wird sich mit der Zeit ergeben!«

»Das hohe Selbst will mit der Kontaktaufnahme schließlich die sogenannte Unsterblichkeit erlangen. Dieser Gedanke lässt sich doch nicht mehr aus unseren Köpfen löschen!«

»Das ist richtig! Der Wunsch, unsterblich werden zu wollen, ist für die Erweckung des tiefen Selbst auch nicht hinderlich. Doch zunächst müssen wir uns ganz auf die innere Stimme einlassen, sie kennenlernen und uns mit ihr verbinden. Die Unsterblichkeit ist das letzte Ziel, das sich aus der Verbindung beider Selbst ergeben kann, sich aber nicht zwangsläufig ergeben muss!«


Die Geschichte der Unsterblichkeit

»Ich frage mich, wie Sie überhaupt auf die Idee gekommen sind, dass ein zweites Ich in Ihnen existiert und über seine Erweckung die Möglichkeit der körperlichen Unsterblichkeit besteht!«

»Ich bin auf diese Idee nicht selbst gekommen!«

»Bitte?«

»Dass ein tiefes Selbst in mir, wie in jedem Menschen existiert, und dass seine Erweckung die Möglichkeit der Unsterblichkeit bietet, wurde mir von einem Mann eröffnet, den ich Vater nannte. Er war es, der die innere Stimme der Seele und damit die Fähigkeit der Unsterblichkeit in uns entdeckte. Er war mein Begleiter, und er war es, der mich in die inneren Welten meines Geistes einführte!«

»Wollen Sie damit sagen, dass Sie nicht der einzige sogenannte Unsterbliche sind?«

»Genau das will ich sagen, ja!«

»Übertreiben Sie jetzt nicht? Es ist schon schwer genug, an die Existenz eines tiefen Selbst zu glauben, noch schwerer bzw. unmöglich, dass Sie unsterblich sein sollen. Und jetzt kommen Sie mit einer zweiten Person, die unsterblich und sogar noch älter sein muss als Sie es sind. Wie viele Unsterbliche wollen Sie mir denn noch präsentieren?«

»Es ist völlig unerheblich, ob es einen oder mehrere Unsterbliche gibt. Bei einem ist es unglaublich? Ist es bei mehreren unglaublicher? Wohl kaum!«

»Und von diesem ominösen Vater lernten Sie die Unsterblichkeit?«

»Man kann die Unsterblichkeit nicht lernen, so wie man lernt, ein Auto zu reparieren, und man kann sie auch nicht lehren. Ihr einziger Lehrer ist die innere Stimme der Seele. Vater war derjenige, der mich dabei unterstützte, mein tiefes Selbst in mir zu erwecken und eine Bindung aufzubauen!«

»Wer ist Vater?«

»Vater ist tot!«

»Ein Unsterblicher tot?«

»Er starb im Jahre 1848 zur Zeit der deutschen Revolutionswirren. Vater wurde erschossen. Er war unsterblich, aber nicht unverwundbar. Der innere Tod kann überwunden werden. Vor dem äußeren Tod können wir uns niemals endgültig schützen. In diesem Sinne sind wirklich alle Menschen sterblich. Ein weiteres Motiv, Ihnen von der inneren Stimme der Seele und der Unsterblichkeit zu erzählen!«

»Ein einleuchtender Grund unter der Voraussetzung Ihrer prinzipiellen äußeren Sterblichkeit. Berichten Sie mir bitte von Vater. Ich bin davon überzeugt, dass Sie eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen haben!«

»Betrachten Sie es ruhig als eine unterhaltsame Geschichte, wenn es Ihnen angenehmer ist. Vater wurde im Jahre des Herrn 1709 geboren. Er war ein angesehener Bürger und reicher Kaufmann in seiner Stadt. Im Alter von etwa zwanzig Jahren hatte sich eine Geschwulst an seinem rechten Arm gebildet. Die Ärzte, die keine Möglichkeit der Heilung sahen, versprachen sich allein durch die Amputation seines Arms einen gewissen Erfolg. Vater weigerte sich und die Ärzte waren überzeugt, dass ihm dies das Leben kosten würde. Doch Vater überlebte. Zwei Wochen nachdem er die Amputation abgelehnt hatte, verschwand die Geschwulst über Nacht. Die Ärzte und die Geistlichen priesen seine Gesundung als ein Wunder und dankten Gott. Vater dankte der inneren Stimme seiner Seele, durch die ihm Gott Heilung geschenkt hatte!«

»Dies klingt nach einer Spontanheilung!«

»Und um Ihren nächsten Einwand vorwegzunehmen: Sie ist wissenschaftlich nicht abgesichert und noch nicht einmal dokumentiert!«

»Gut! Aber Sie werden jetzt sicher berichten, was die Spontanheilung Ihres Vaters mit dem tiefen Selbst und der Unsterblichkeit zu tun hat!«

»Das werde ich! Für Vater war seine Heilung Ausdruck seiner inneren Stimme der Seele. Dass er sie zu finden vermochte, und dass sie sich von ihm finden ließ, war, wie so oft in dieser Welt, das Resultat eines Zufalls oder, wenn Sie nicht an den Zufall glauben, das der Vorsehung. Ich werde Ihnen die Geschichte seines Lebens erzählen, sowie er sie mir und anderen erzählt hat.

Bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr war Vater das, was man heute wie damals einen verbitterten und von Hass erfüllten Menschen nennen würde. Und des weiteren hätte man nach heutigen Maßstäben seine Kindheit sicher als äußerst schrecklich bezeichnet. Als Vater sieben Jahre alt war, starb seine Mutter. Noch am gleichen Tag ließ ihn sein Vater auf ein weit entferntes, kleines Landgut der Familie bringen. Dort blieb er, bis sein Vater starb. Mit zwölf Jahren kehrte er schließlich in seine Heimatstadt zurück.

In der Zwischenzeit war er sich selbst überlassen worden. Der Verwalter, der das Gutversorgte, war fast taub. Den Bediensteten war bei Strafe verboten, mit Vater zu reden. Und dem Lehrer, der mehrmals in der Woche aus einer naheliegenden Stadt kam, um ihn zu unterrichten, war aufgetragen worden, kein persönliches Wort mit Vater zu reden. Obwohl dies auf Dauer nicht durchzuhalten war, wuchs Vater sehr isoliert auf.

Er streifte oft stundenlang allein durch die Wälder und redete mit Bäumen und Tieren statt mit Menschen. Sie waren seine Freunde. Er erzählte ihnen von seinen Sorgen, seiner Traurigkeit, seinen Phantasien und vor allen Dingen von seinem Hass, den er gegen die Menschen in seinem Herzen trug. In seinen Gedanken antworteten ihm die Tiere und die Bäume. In den Momenten, wo er mit ihnen sprach, unterschied er in seiner kindlichen Vorstellung nicht zwischen Phantasie und Wirklichkeit. In diesen Momenten kamen für ihn die Antworten von den Bäumen und den Tieren. Sie waren für ihn wirklich.

Heute wissen wir, dass diese Phantasien von Kindern, die ihren Stofftieren die Sorgen und Nöte erzählen, ein wichtiges Stadium in der Kindheit sind. Für Vater waren diese Phantasien in der Einsamkeit wohl von überlebensnotwendiger Bedeutung. Auf diese Weise gelang es ihm, ohne dass es ihm bewusst war, sein Leben erträglich zu gestalten.

Wenn Vater von dieser Zeit erzählte, verstand er sie im Nachhinein als den Beginn der Kontaktaufnahme zu seiner inneren Stimme. Natürlich waren die meisten Gespräche, die er mit sich führte, Selbstgespräche. Doch in ihnen äußerte sich bereits für winzige Augenblicke die Existenz der inneren Stimme der Seele. Auch wenn Vater sich an die Einzelheiten der damaligen Selbstgespräche nicht erinnern konnte, war ihm jedoch eines deutlich geblieben: Niemals hatte er sich in diesen Gesprächen in seinem Hass auf alle Menschen bestätigt und bestärkt gefunden. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr war dieser Hass von seinen imaginären Gesprächspartnern beschwichtigt worden. Ihre Reaktionen auf seine Hassgefühle waren immer durch ein tiefes und liebevolles Gefühl von Ruhe und Frieden geprägt gewesen.

Als Vater mit zwölf Jahren schließlich wieder nach Hause zurückkehrte und in den folgenden Jahren die Geschäfte seines verstorbenen Vaters übernahm, vergaß er allmählich diese Erlebnisse. Sie hatten ihren Sinn erfüllt. Seinen Hass auf das Leben und auf die Menschen vergaß er jedoch nicht. Bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr führte er ein ausschweifendes Leben.

Er hurte, fraß sich voll bis zum Erbrechen. Es war ihm eine Wohltat, Menschen zu demütigen und zu quälen. Die Geschwulst an seinem Arm veränderte abrupt sein Leben. Voller Verzweiflung und Todesangst zog er sich von der Außenwelt zurück. Der Tod bereitete ihm das gleiche Entsetzen wie eine Amputation des Armes. Er entließ seine Bediensteten und schloß sich in sein Haus ein. Er sprach mit keinem Menschen. Vater wartete auf den Tod.

Er begann wieder mit sich selbst zu sprechen, so wie er es als Kind getan hatte. Im Dunkel seines Zimmers sprach er aus alter Gewohnheit in Dialogform zu einem imaginären Wesen, das ihm zuhörte und ihm Rat gab. Er stellte Fragen und gab die Antworten. Und in diesem Sprechen, diesen Selbstgesprächen voller Selbstmitleid und Todesangst, nahm er etwas in sich wahr, was ihm gleichzeitig fremd und vertraut vorkam.

Er hörte eine Antwort, die ihn vollständig überraschte. Er hatte sich die Frage immer wieder gestellt und unzählige Male die gleiche Antwort gegeben, nämlich dass er sterben müsse, weil Gott ihn für seine Existenz und sein ausschweifendes Leben bestrafen wollte. Doch die Antwort lautete, dass er sterbe, weil er sein Leben nicht lieben würde. Die Art und Weise, wie dies gesagt wurde, kannte er nicht. Es war seine Stimme gewesen, die in seinem Inneren antwortete. Aber sie klang mit einem Male ruhig und liebevoll. Sie war voller Güte und Verständnis. Noch im gleichen Augenblick erinnerte er sich an die Kinderzeit auf dem Landgut seines Vaters zurück. Es waren nur vage Gesprächsfetzen, die ihm einfielen. Doch was ihm deutlich im Gedächtnis geblieben war, war diese ruhige und gütige Stimme in ihm, wenn er vor lauter Hass auf die Menschen fast die Beherrschung über sich verlor.

Er war erschrocken. Zunächst hielt er das Geschehene für unbedeutend, für ein Zeichen seiner überreizten Sinne. Er stellte sich weitere Fragen, und er wartete auf eine Antwort, ohne sie sich selbst zu geben zu wollen. Es geschah nichts. - Einige Tage später, als Vater an diesen Vorfall schon nicht mehr dachte, geschah es ein weiteres Mal. Vater litt an diesem Tag unter einer besonders intensiven Angst. Die Vorstellung, seinen Arm zu verlieren oder zu sterben oder bei der Amputation zu sterben, war für Vater kaum noch zu ertragen. Er fluchte, er betete, er schrie. Schließlich fragte er sich resigniert, was er tun könne, um diesen Schicksalen zu entgehen.

Als er in sich die Antwort hörte, die ihm nie in den Sinn gekommen wäre, war er weit weniger erschrocken als beim ersten Mal. Doch die Antwort erschütterte ihn so, dass er weinend zusammenbrach und mehrere Stunden bewegungslos auf dem Boden liegengeblieben war. Sie lautete:
Besiege deinen Hass!


Es mag Ihnen vielleicht übertrieben erscheinen, dass diese drei Worte einen solchen Eindruck auf Vater hinterließen. Mit diesen drei Worten war sein gesamtes bisheriges Leben beschrieben und zusammengefasst. Und Vater erkannte dies augenblicklich. Es war eine Antwort auf seine Frage und seine Erklärung für seine Krankheit. Denn sein Hass war die Wurzel seiner Krankheit. In diesen drei Worten lag aber noch mehr.

Vater erfuhr in diesem Moment eine umfassende intuitive Schau eines bisherigen Lebens: Sie beschönigte nichts, sie milderte nichts ab. Diese Schau war erschreckend und befreiend zugleich. Sie wühlte ihn bis ins Innerste auf In diesem Moment der intuitiven Erkenntnis sah Vater die Fehler seines Lebens, die Stadien und Stationen seines immer größer werdenden Hasses. Und im nächsten Augenblick fühlte er, dass er weiterleben würde, wenn er diesen Haß in sich besiegen könnte. Er fühlte eine Kraft, die sich im ganzen Körper auszubreiten begann. Diese Kraft durchfloss ihn wie ein reißender Strom. So beschrieb es Vater. Irgendwann in der Nacht schlief er ein. Als er gegen Mittag des nächsten Tages erwachte, war die Geschwulst an seinem Arm verschwunden.

Die Ärzte und Geistlichen priesen Gott für seine Güte. Auch Vater tat dies. Doch für ihn hatte Gott durch die innere Stimme der Seele gewirkt. Diese innere Stimme der Seele unterschied er von nun an von der äußeren Stimme der Seele.

Seine Heilung machte ihn nachlässig gegenüber seiner Absicht, den Hass in sich zu besiegen. Es war ein schwieriger Weg für Vater. Er wusste, wie man hasst Aber er wusste nicht, wie man liebt. Er führte sich sehr ungeschickt auf, den Menschen in seiner Umgebung Gutes zu tun und damit letztlich auch sich selbst. Er bat seine innere Stimme um Hilfe.

Sie reagierte nicht. Doch Vater verlor nicht den Mut. Immer wieder versuchte er, mit ihr in Verbindung zu treten. Er suchte die äußere Stille und die innere Stille in sich auf und irgendwann begann die innere Stimme, zu ihm zu sprechen. Er lernte, die Intuitionen seines tiefen Selbst wahrzunehmen und ihnen schließlich zu vertrauen!

»Wenn Sie sagen, dass das tiefe Selbst vom hohen Selbst erweckt werden muss, so entdecke ich in Ihrer Erzählung von Vaters Leben einen Widerspruch. Denn in Vaters Fall erweckte sich das tiefe Selbst doch von allein, indem es von sich aus den bewussten Kontakt zum Ich aufnahm?«

»Ich kann Ihnen nicht widersprechen. Vater war meines Wissens der erste, der die Existenz des tiefen Selbst in sich erfuhr. Zufall oder Vorsehung? Ganz wie Sie es wollen. In seinen Selbstgesprächen wirkte die innere Stimme in ihm. Sie beschwichtigte seinen Hass auf die Welt und auf die Menschen. Sie begleitete ihn. Sie tröstete ihn. Und sie zog sich zurück, als Vater mit zwölf Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrte und er ihre Hilfe nicht mehr brauchte.

Doch die innere Stimme war bis zu seinem zwölften Lebensjahr für ihn dagewesen. Sie hatte bewusst und dennoch getarnt mit ihm, dem kindlichen Ich Vaters, Kontakt aufgenommen. So bestand bereits eine Verbindung zwischen beiden Selbsten, bewusst von Seiten der inneren Stimme und unbewusst von Seiten des kindlichen Ich. Dies führte zu einer Bindung, die sich unter normalen Umständen zwischen beiden Selbst niemals ereignet hätte. Sie prägte beide, die innere wie die äußere Stimme. Warum die innere Stimme der Seele in seiner Kindheit zu ihm gesprochen hatte? Ich weiß es nicht. Auch Vater gegenüber hat sie sich nie dazu geäußert. Vielleicht erkannte sie, dass Vater als Kind nicht geistig überlebt hätte, wenn sie ihm nicht ihre Unterstützung gewährt hätte. Doch es ist müßig, darüber zu spekulieren.

Als Vater an der Geschwulst litt, er um sein Leben bangte und sich dabei wieder an jenes fast vergessene Verhalten seiner Kindheit erinnerte und es wiederbelebte, äußerte sich seine innere Stimme ihm gegenüber bewusst. Warum sie es tat und ihn nicht einfach den körperlichen Tod sterben ließ, die Amputation des Arms hinnahm oder ihm unbemerkt über eine Intuition half, ist nicht zu klären. Durch diese Entscheidung der inneren Stimme, sich Vater in ihrer Existenz zu eröffnen, kann vielleicht das gegenwärtige und damit das zukünftige Angesicht des Menschen vollständig verändert werden!«

»Das würde bedeuten, dass es grundsätzlich möglich ist, dass das tiefe Selbst sich unabhängig vom Ich äußern kann, wenn es dies für richtig hält?«

»Während zwischen Vater und seiner inneren Stimme eine lebenslange Bindung seit der Kindheit bestand, auch wenn sie ihm nicht von Anfang an bewusst war, so trifft dies nicht für mich und auch nicht für die zu, die vor und nach mir ihr tiefes Selbst erwecken konnten!«

»Noch mehr Unsterbliche?«


»Nein! Sie brauchen sich nicht zu beunruhigen. Ich zaubere Ihnen nicht noch weitere Unsterbliche aus dem Hut. So bedauerlich es ist, aber außer mir ist es bisher niemandem gelungen, die Unsterblichkeit zu erlangen. Aber davon werde ich Ihnen gleich berichten.

Niemand außer Vater wusste um die Existenz der inneren Stimme der Seele. Um etwas erkennen zu können, müssen wir bereits wissen, dass es da ist oder da sein könnte. Denn sonst wissen wir nicht, wohin wir sehen sollen, um etwas zu sehen. Ein Blinder, der nie gesehen hat und nie mit Sehenden in Berührung gekommen ist, wird nie wissen, was Sehen überhaupt ist. Warum sollte er also die Idee des Sehens in seinem Kopf erzeugen? Für ihn ist die blinde Welt die einzig wahre Welt. Vater konnte sehen, was andere nicht sahen, weil er es erlebt hatte. Und er brachte uns, die nichts von der Existenz des tiefen Selbstes wussten, diese Existenz näher!«

»Wie kam Vater zu der Erkenntnis, dass er unsterblich werden könnte?«

»Dies geschah mehrere Jahre nach seiner Heilung auf einem Bankett. Die Bindung zu seiner inneren Stimme war längst intensiver geworden. Er vertraute ihr völlig. Jene starke körperliche Empfindung, die er in der Nacht vor seiner Gesundung gefühlt hatte, fasste Vater als den entscheidenden Auslöser seiner Heilung auf. Seine innere Stimme bestätigte es ihm. Vater be-zeichnete diese Empfindung, diese Energie als die göttliche Kraft, die in eines Menschen Leben wohnt. Wenn Vater unter Schmerzen litt, er krank wurde oder sich unwohl fühlte, versuchte er, diese göttliche Kraft in sich wieder zum Leben zu erwecken. Manchmal gelang es ihm, eine ähnlich starke Empfindung in sich wachzurufen. Doch sie erreichte nie die Intensität, die er in jener besagten Nacht empfunden hatte. Gelang es ihm, diese Energie in sich zu erzeugen, indem er sich ihre Kraft vorstellte, so verschaffte sie bei kleineren körperlichen Beschwerden und Unpässlichkeiten manchmal Erleichterung. Von gelegentlichen Misserfolgen ließ Vater sich nicht sonderlich beeindrucken. Er versuchte es immer wieder aufs Neue.

Auf einem Empfang begegnete Vater zwei Frauen. Es waren Mutter und Tochter. Beide waren sehr schön. Er kannte sie nicht persönlich. Über viele Jahre hinweg hatte er die Mutter wegen ihrer Schönheit bewundert. Beide Frauen sahen sich sehr ähnlich. Sah man die Ältere an, so wußte man durch den Anblick der Tochter, wie sie als junge Frau ausgesehen hatte. Betrachtete man die Jüngere, so wußte man, wie sie einmal als Ältere aussehen würde. Die Frauen vergaß er, aber nicht das, was sie im Augenblick der Begegnung für ihn verkörperten: die Jugend, das Alter und den Tod. Vater begann sich zu fragen, warum der Mensch dazu verdammt sei, zu altern und zu sterben. Weil Gott es so gewollt hatte?

Diese Erklärung befriedigte ihn nicht. Hatte es Gott, wirklich gewollt? - War nicht der Mensch Gottes Schöpfung, geschaffen nach dessen Ebenbild? Warum musste der Mensch dann sterben? Konnte er nicht auch wie Gott ewig leben? War dies überhaupt möglich? Oder waren seine Gedanken Blasphemie? Sie ließen ihn nicht mehr zur Ruhe kommen. Der Gedanke der Unsterblichkeit faszinierte ihn.

Vater brachte die göttliche Kraft, die ihn von der Geschwulst geheilt und vor den Tod bewahrt hatte, mit der Unsterblichkeit in Verbindung. Hatte er nicht schon einmal mit Hilfe seiner inneren Stimme und mit der Hilfe Gottes ein Wunder vollbracht, indem er über Nacht von einer schweren Krankheit gesundete? War es vielleicht möglich, den Körper von der Krankheit des Todes zu heilen?

Und so stellte er seiner inneren Stimme die Frage, ob es möglich sei, die Unsterblichkeit zu erlangen. Die Antwort, die sie ihm gab, war ein kurzes Ja. Natürlich wollte Vater sofort wissen, wie der Tod zu besiegen sei. Seine innere Stimme reagierte nicht auf seine drängenden Fragen. Sie bedeutete ihm nur, zu warten und ihr zu vertrauen.

In den folgenden fünf Jahren durchlebte Vater einen geistigen und physischen Transformations-Prozess. Vater lernte mit und durch seine innere Stimme der Seele die Zusammenhänge zwischen Körper und Geist, zwischen der Macht unserer Gedanken und ihrer Fähigkeit, auf die Materie des Körpers einwirken zu können, kennen. Er erhielt Einblicke in die vielfältigen inneren Welten seines Ich, die weit über seine bisherige Vorstellungskraft hinausgingen. Sein Leben veränderte sich durch diese Erfahrung vollends. Sein Geist begann sich für die endlosen Weiten des Lebens zu öffnen. Je tiefer seine Bindung zu seiner inneren Stimme wurde, je mehr sich beide Selbst miteinander verknüpften, um so leichter fiel es ihm, die göttliche Kraft in sich zu nutzen, nicht nur um seinen Körper vor Krankheiten zu bewahren, sondern auch, um ihn nicht mehr altern zu lassen!«

»Wie sieht diese Verknüpfung zwischen den beiden Selbst aus?«


»Sie dürfen diese Verknüpfung - Vater nannte sie die Bindung der Seelen - nicht als eine Auflösung des hohen Selbst missverstehen. Es geht nicht darum, dass das hohe Selbst mit dem tiefen Selbst verschmilzt und sie sich nicht mehr unterscheiden lassen. Aus den zwei Selbsten soll nicht ein Selbst werden. Die Kraft des hohen Selbst liegt in seinen Gedanken und Gefühlen, die eins und nicht voneinander zu unterscheiden sind. Sie liegt in seinem Willen, seiner Phantasie, seinem Glauben und vor allen Dingen in seiner Zwiespältigkeit!«

»Letzteres verstehe ich nicht!«

»Haben Sie noch ein wenig Geduld. Ich werde es Ihnen später erklären. Die Kraft der inneren Stimme hingegen liegt in ihrer Intuition, ihrer inneren Zeitlosigkeit, ihrer vollkommenen Harmonie und Liebe. Die Unsterblichkeit des Körpers verwirklicht sich durch die gegenseitige Ergänzung beider Selbst. Ihre Einheit entsteht durch ihre Verknüpfung, nicht durch ihre Verschmelzung. Das Ich und die innere Stimme denken in gemeinsamer Ergänzung. Ihre beiden Fähigkeiten wirken in einem, obwohl sie vom Grund her verschieden sind.

Die Selbst handeln als einer, obwohl sie doch zwei sind. Sie denken auf unterschiedlichen Ebenen. Aber sie handeln als ein unverbrüchliches Wir. Sie gehören zusammen wie siamesische Zwillinge, bewusst und in gegenseitigem vollem Vertrauen. Damit sich die Verknüpfung vollziehen kann, ist es die Aufgabe des hohen Selbst, sich dem tiefen Selbst anzunähern. Es muss ihm ähnlich werden, ohne ihm gleich zu sein. Die Welt der inneren Stimme ist das Innen, nicht das Außen. Es will an der äußeren Welt nicht teilhaben. Will das Ich an der Welt des Innen teilhaben, muss es bereit sein, diese innere Stimme der Seele zu verstehen, ohne sich darin zu verlieren.

Dies ist auch der Unterschied zu den ostasiatischen Philosophien, wie etwa dem Zen-Buddhismus. Hier wird von der Überwindung der Ich-Verhaftung gesprochen, der Transzendierung des Ich in den werdenden Zustand der Selbstnatur, dem Leben in der Unterscheidungslosigkeit und der Ich-Losigkeit. Dies heißt nichts anderes als die Befreiung des Geistes aus dem Kreislauf der Täuschungen und des Leidens und damit die Auflösung des Wollens und des Begehrens, der Wünsche und Hoffnungen.

Das störende Ich muss auf dem Weg zur spirituellen Erleuchtung, zur Einheit mit Gott, dem Kosmos, dem Nirwana oder wie auch immer Sie es ausdrücken wollen, ausgeräumt werden. Auch in westlichen Philosophien wird betont, dass sich der menschliche Geist zu etwas Höherem oder Tieferem aufschwingen soll, indem er sein niederes Selbst zu etwas Wahrerem oder Reinerem erhebt, etwa einer Idee, einem Glauben, einer Kultivierung oder Zivilisierung des Ich.

In Vaters und meinem Verständnis ist das hohe Selbst jedoch nicht etwas, das überwunden und aufgelöst werden müsste. Das Irdische muss unter allen Umständen erhalten bleiben. Gedanken und Gefühle wie Liebe, Hass, Mut, Angst, Freude, Verzweiflung, Begehren, Neid, Neugier speisen sich aus einer einzigen Energiequelle. Diese Energiequelle ist die Basis für die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie. Sie läßt sich auf unterschiedliche Arten nutzen und steigern.

Um aber die Unsterblichkeitsenergie erzeugen zu können, müssen unsere Gedanken und Gefühle frei von den Anteilen der Destruktivität sein, die aus negativen Energien wie z. B. Neid, Angst, Hass besteht. Durch die Überwindung der Destruktivität erlangen wir eine Steigerung der Konstruktivität unserer Gedanken und Gefühle (wie Liebe, Freude). Andererseits lässt sich unsere Energie gerade durch das Zusammenprallen der Konstruktivität und der Destruktivität unserer Gedanken und Gefühle um ein Vielfaches steigern. Dies ist aber nur dann möglich, wenn das Irdische, - zu dem das Konstruktive wie das Destruktive gehört - in uns erhalten bleibt. Dies werde ich erklären, wenn ich Ihnen von der Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie berichte. Haben Sie also bitte noch ein wenig Geduld.

Die Kraft des hohen Selbst liegt in der Fähigkeit, widersprüchliche Gedanken und Gefühle gleichzeitig empfinden zu können. Diese Ambivalenz ist die Triebfeder der Bewegung. Bewegung und damit Veränderung sind das Prinzip des ewigen Lebens.

Es mag sein, dass es innerhalb des Zen, des Taoismus und anderer ostasiatischer Erleuchtungswege notwendig ist, das Ich mit seinen rationalen und emotionalen Begrenzungen abzustreifen, um sich auf diese Weise auf eine Vereinigung mit dem Kosmos vorzubereiten. Da jede gedankliche und emotionale Unterscheidung aufgehoben werden soll, ist letztlich auch der Körper nicht mehr von Bedeutung, auch wenn man in außergewöhnlicher Einheit mit ihm lebt.

Das Ziel ist, den Menschen von der ewigen Wiederkehr zu befreien. Der Eingang in das Nirwana befreit vom Kreislauf des Leidens und der Wiedergeburt. In allen mir bekannten östlichen Philosophien und auch den mystischen Philosophien des Westens geht es letztlich um die Unsterblichkeit der Seele, ihre Vereinigung mit Gott oder dem Kosmos.

Der Weg zur körperlichen Unsterblichkeit ist dem Weg zur Transzendierung des Ich, in einen wie auch immer zu verstehenden geistigen Zustand vor und nach dem körperlichen Tod, entgegengesetzt. Selbst dann, wenn die fernöstlichen geistigen Tugenden auch die geistigen Tugenden des physisch Unsterblichen sind. Eines darf niemals vergessen werden: Bei der Unsterblichkeit geht es nicht darum, den Körper zu überwinden und ihn hinter sich zu lassen, sondern mit ihm eine Bindung einzugehen, deren Tiefe und Intensität ihresgleichen sucht. Das Ziel ist nicht allein die Vergeistigung, sondern ebenso die Verkörperung. Der Körper ist das Gefäß, in dem die Ewigkeit vollzogen und durchlebt werden soll, wie Vater es ausdrückte.

Bisher hat sich der Mensch im Laufe von Generationen mehr und mehr von seinem Körper entfernt. Sowohl die, die ihn missachten, als auch die, die ihm viel von ihrer Zeit widmen. Denn die Gier nach der Schönheit des Körpers ist nur ein verkleideter Hass gegenüber seiner Vergänglichkeit.

Der Mensch lebt zwar in seinem Körper, mag er ihn nun missachten oder nicht, aber er lebt nicht mit ihm. Der Körper ist ihm nur ein Stück Fleisch, das lediglich sein Ich transportiert und nur eine Aufgabe hat: zu funktionieren. Doch um die physische Unsterblichkeit zu erlangen, müssen Geist und Körper in Einklang zueinander stehen. Der Mensch muss wieder lernen, seinen Körper zu lieben, ihm Gutes zu tun, ihn zu pflegen, ihn zu verwöhnen und ihm damit die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihm gebührt. Das hohe und das tiefe Selbst sind Bewusstsein. Der Körper ist lebende Materie. Er ist nicht weniger oder mehr als die beiden Selbste. Aus der Sicht des Bewusstseins ist er der schwache Bruder, der bewacht und umsorgt werden muss, da er kein Bewusstsein hat. Doch der Körper ist das Gefäß des Lebens, und wenn es das Gefäß des ewigen Lebens werden soll, dann gebührt ihm die nötige Achtung und Aufmerksamkeit. Letztlich muss das hohe Selbst, das tiefe Selbst und der Körper zu einem dreigliedrigen Wir werden.

Vater sagte dazu: "Wenn die äußere Seele ihre innere Seele zu sehen vermag und die Seelen sich als ein Wir zu fühlen beginnen, sind sie eins in ihrer Zweiheit. Wenn die äußere und die innere Seele sich als ein Wir erkennen, werden sie dieses Wir in und mit ihrem gemeinsamen Körper leben. So wird die Einheit in der Vielheit die göttliche Kraft der Unsterblichkeit in uns erzeugen. Zur höheren Ehre Gottes!" Diese Verknüpfung entsteht, indem das hohe Selbst sich mit seinem tiefen Selbst als ein Wir erlebt. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, dass jemals ein Mensch die physische Unsterblichkeit erlangen könnte, dessen Ich sich nicht nach innen gewendet hat!«

»Heißt das, dass beispielsweise ein Diktator, ein machthungriger Politiker oder ein skrupelloser Geschäftsmann niemals unsterblich werden könnte?«

»In jedem Menschen ruht die Fähigkeit, die Unsterblichkeit zu erlangen. Aber kein tiefes Selbst offenbart sich einem Ich, welches zum Schaden anderer egoistisch, machthungrig, skrupellos ist. Menschen können Menschen täuschen. Das tiefe Selbst ist nicht zu täuschen, denn es hört und fühlt, was der Täuscher zu verbergen sucht. Ein Ich kann seine innere Stimme niemals belügen. Selbst dann nicht, wenn das Ich davon überzeugt ist, die Wahrheit zu sagen.

Nachdem Vater die Unsterblichkeit erlangte, vergingen über zwanzig Jahre, bis er begann, die Existenz der inneren Stimme der Seele und die Unsterblichkeit mit anderen Menschen zu teilen. Es waren insgesamt dreiundzwanzig Männer und Frauen, denen er im Laufe seines Lebens die Geheimnisse anvertraute und die Möglichkeit bot, die inneren Welten ihres Ich zu erforschen.

Fünfzehn von ihnen gelang es,

ihr tiefes Selbst zu erwecken und dauerhaft mit ihrem zweiten Ich in Kontakt zu bleiben. Die anderen scheiterten. Es gelang ihnen nicht, einen Kontakt zu ihrem tiefen Selbst herzustellen. Sie waren letztlich zu sehr mit egoistischen Gefühlen und Gedanken verhaftet, als dass ihr zweites Ich eine bewusste Verbindung zu ihnen hätte aufnehmen wollen.

Diese acht Personen waren weder reich oder machtbesessen noch in irgendeiner Weise skrupelloser, als gewöhnliche Menschen es unter geordneten Verhältnissen sind. Wie müssen da erst Menschen scheitern, die ihr Leben egoistischen Zielen gewidmet haben, die sind, was sie tun und denen das Schicksal ihrer Mitmenschen gleichgültig ist. Das tiefe Selbst ist ein Selbst der Liebe, der Selbstliebe sowie der Nächstenliebe.

Nur diese Liebe schafft in uns die nötige Harmonie, die nötige Ruhe, den nötigen Frieden und die nötige Stille, um die göttliche Kraft, die Unsterblichkeitsenergie, in uns wirksam werden zu lassen. Von den fünfzehn Männern und Frauen, denen es gelang, eine Verbindung zu ihrem tiefen Selbst herzustellen, wurden elf älter als achtzig und hundert Jahre. Der Älteste von ihnen wurde hundertneunundzwanzig Jahre alt. Ihr Alterungsprozess konnte jedoch von ihnen nicht dauerhaft aufgehalten werden. Er verzögerte sich nur. Irgendwann funktionierten ihre Organe nicht mehr richtig und sie starben trotz ihres noch jugendlichen Aussehens.

Natürlich war auch ihr Ziel die Unsterblichkeit gewesen. Aber ihre tiefen Selbst verweigerten den hohen Selbst die Unterstützung. Dies überraschte Vater sehr. Er war der Meinung gewesen, dass es jedem Menschen möglich sei, unsterblich zu werden, wenn er erst einmal die innere Stimme der Seele in sich erweckt hätte. Doch diesen fünfzehn Männern und Frauen wurde von ihren tiefen Selbst mitgeteilt, dass sie niemals die Fähigkeit in sich entwickeln würden, ihren Geist so zu erweitern und zu öffnen, wie es für die Erlangung der Unsterblichkeit notwendig wäre. Die anderen Personen, die ihren Alterungsprozess kaum verzögern konnten, lebten mit ihrer inneren Stimme ein harmonisches Leben. Vater hörte von ihnen niemals ein Wort der Klage oder der Verbitterung, als sie die Aussichtslosigkeit erkannten, das ewige Leben zu erlangen. Sie alle hatten letztlich ihren Frieden mit der Erkenntnis gemacht, dass sie sterben würden, und waren froh, in ihrem tiefen Selbst einen lebenslangen Freund und Begleiter gefunden zu haben!«

»Wenn ich Sie richtig verstanden habe, bedeutet dies, dass das tiefe Selbst nicht unter allen Umständen daran interessiert ist zusammen mit dem hohen Selbst unsterblich zu werden! Und es würde auch bedeuten, dass die Erweckung und die Bindung zum tiefen Selbst keine Garantie für das Erlangen der Unsterblichkeit darstellt!«

»Darin gebe ich Ihnen recht! Es gibt keine Garantie für das Erlangen der Unsterblichkeit. In der intuitiven Zusammenschau unseres Lebens - von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft hinein - beurteilt die innere Stimme der Seele, ob wir die nötigen Fähigkeiten in uns tragen und entwickeln können, um den Weg der Unsterblichkeit bis zum letzten Schritt zu gehen. Die Entscheidung des tiefen Selbst, gegen den Wunsch des hohen Selbst zu handeln, ist aber keine Entscheidung gegen das hohe Selbst. Es ist eine Entscheidung für es. Denn was hätte ein hohes Selbst davon, sich jahrelang umsonst um die Unsterblichkeit zu bemühen. Dabei werden Energien vergeudet, die es lieber in die Erhaltung seiner körperlichen und geistigen Gesundheit und zumindest in die Verlangsamung seines Alterungsprozesses hätte investieren können. Der körperliche Tod ist für das tiefe Selbst ohne Bedeutung. Es stirbt mit dem hohen Selbst so selbstgenügsam, wie es mit dem Ich gelebt hat. Ohne Bedauern, ohne Angst, so unverständlich dies für ein Ich auch sein mag!«

»Wie war es bei Ihnen?«

»Wie jeder andere dieser fünfzehn Männer und Frauen hoffte ich auf die Unsterblichkeit. Ich war überrascht, entsetzt, wütend, dass die innere Stimme meiner Seele mir ihre Unterstützung versagte. Sie teilte mir mit, dass ich nicht fähig sein wurde, die nötige Energie und Ausdauer zu entwickeln, um den Weg der Unsterblichkeit beschreiten zu können. Natürlich widersprach ich. So wie alle anderen es ihrem tiefen Selbst gegenüber auch getan hatten.

Ich versuchte, meine innere Stimme davon zu überzeugen, dass ich bereit sei, alle Opfer zu bringen. Ich bedrängte sie, mich nicht im Stich zu lassen und es zu versuchen. Mein tiefes Selbst blieb bei seiner Entscheidung.
Als wir von Vater eruieren wollten, wie sich sein Weg zur Unsterblichkeit vollzogen hatte, wurde er sehr traurig.

Er erklärte uns, dass es kein Rezept oder klare Regeln für den Weg in die Unsterblichkeit gäbe. Es gäbe nicht nur einen Weg, sondern unzählige Möglichkeiten, so viele wie Menschen auf der Welt seien.

Jedes Ich müsse mit seiner inneren Stimme seinen ganz persönlichen Weg finden, der genau auf die Erfahrungen und Fähigkeiten dieses einen Menschen abgestimmt sei. Zwar sei es ihm möglich, uns einen grob geschlagenen Weg zu zeigen, doch ohne die Unterstützung der inneren Stimme der Seele sei er nicht begehbar. Nur mit ihrer Unterstützung ließe sich in unseren Körpern die göttliche Kraft erzeugen und bewegen. Und nur mit ihrer Hilfe könne jeder von uns die dunklen Seiten seines Ich erkennen, sie erforschen und überwinden, um für die Unsterblichkeit bereit zu sein.

So versuchten wir also weiter, unsere inneren Stimmen umzustimmen.

Doch durch diesen Versuch, der unsere gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, entfernten wir uns mit der Zeit nur von unserem tiefen Selbst. Für einige war dies ein Zeichen, den Drang nach dem ewigen Leben in sich zu begraben, um die Bindung zur ihrer inneren Stimme nicht zu gefährden. Sie begannen sich auf das zu konzentrieren, was für jeden einzelnen erreichbar und machbar war.

Einige andere und ich gaben jedoch nicht auf. Schließlich glaubte ich, in mir endlich ein Ja auf meine immer drängender werdenden Bitten zu hören. Ich war glücklich und wartete nun auf ein Zeichen meines tiefen Selbst. Doch es stellte sich kein Zeichen ein. Die Verbindung zu meiner inneren Stimme war abgebrochen. Ich war wütend und fühlte mich betrogen. Ich erzählte Vater davon, doch er glaubte nicht, dass meine innere Stimme mir die Zustimmung zur Unsterblichkeit gegeben hatte.

Ich lachte ihn aus und fühlte gleichzeitig, dass Vater recht hatte. Angst überfiel mich. Ich wollte die Bindung zu meinem tiefen Selbst nicht verlieren.

Die anderen beschworen mich, den Gedanken an die Unsterblichkeit aufzugeben. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Die Leere in mir und die Erkenntnis, nicht mehr mit meinem tiefen Selbst reden zu können, war schrecklich. Auch als ich längst unsterblich war, kam es manchmal vor, dass ich die Anwesenheit meiner inneren Stimme nicht mehr fühlte. Immer, wenn ich meinen Egoismen zu sehr nachgebe und in der Hektik gefangen bin, zieht sie sich vor mir zurück. Es ist nicht nötig, ständig mit ihr in Verbindung zu stehen. Doch ihre Nähe zu spüren, ist ein Labsal für meine Seele. Fehlt sie, lebt man wie in einem Vakuum. Doch sobald mein Herz wieder ruhig und still ist, steigt sie aus dem Innern empor und ich begrüße sie wie einen lang vermissten Freund.

Als mir bewusst wurde, dass das ja zur Unsterblichkeit nur meinen eigenen Wünschen entsprungen war und ich die Nähe zu meinem tiefen Selbst verloren hatte, gab ich mein Drängen, ewig leben zu wollen, auf. Ich bat meine innere Stimme um Verzeihung. Ich begann, mich mit dem Gedanken zufriedenzugeben, ein langes Leben in Jugendlichkeit führen zu können.

Es vergingen fast zwei Jahre, als meine innere Stimme mir die Frage stellte, ob die Unsterblichkeit noch mein Ziel sei. Ich hatte schon lange nicht mehr daran gedacht. Nun war ich überrascht und begriff zunächst nicht, worum es ging. Schließlich wollte ich wissen, was denn nun anders sei als vor einigen Jahren, und sie antwortete mir:

Dein Wille!

Diese kurze Antwort ließ mich erschrecken. Blitzartig erkannte ich mein ganzes Leben, und mir wurde bewusst, dass ich die Unsterblichkeit zu sehr gewollt hatte, um mich ihrer als würdig zu erweisen!«

»Das klingt, als ob sich das tiefe Selbst in Ihrem Fall geirrt hätte?«

»Das tiefe Selbst ist nicht unfehlbar. Seine Intuitionen beziehen sich auf die Gegenwart, nur selten auf die Zukunft. Die innere Stimme der Seele lebt außerhalb der Zeit, existiert aber über den Körper auch innerhalb der Zeit. Sie erfährt Veränderungen, ohne sich selbst zu verändern. Das Ich hingegen lebt in der Zeit und ist Veränderungen unterworfen. Es kann sich so weit entwickeln, dass eine Intuition des tiefen Selbst irgendwann nicht mehr zutreffend ist.

Ich erkannte meine Veränderung nicht, die mich plötzlich zur Unsterblichkeit befähigen sollte. Ich selbst fühlte mich unverändert. Als meine innere Stimme diesen kurzen Satz zu mir sagte, erkannte ich den Wandel in meinem Geist. Mein Wille zum ewigen Leben hatte sich verändert. Der grundlegende Wille dagegen war unverändert. Aber in ihm mischten sich der Gleichmut und der Friede meiner Seele.

Damals merkte ich, dass ich einen anderen Weg in die Unsterblichkeit gegangen war als Vater. Die Befriedung meines Geistes durchlief andere Stationen als die, die Vater durchlaufen hatte, auch wenn sie sich manchmal überschnitten.

Der Weg in die Unsterblichkeit ist ein individueller Weg. Der Versuch, Vaters Weg zu folgen, hätte mich vom Ziel der Unsterblichkeit nur entfernt. Der einzige Lehrer, der Ihnen wirklich helfen kann, ruht in Ihnen selbst!«

Die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie

»Ich glaube, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, um näher auf die Unsterblichkeitsenergie einzugehen.«

»Was verstehen Sie konkret unter diesem Begriff?«

»Durch die Verknüpfung der beiden Selbst sind die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, die Unsterblichkeitsenergie zu erzeugen. Wenn beide Selbst sich als ein Wir erleben können und in diesem Wir das hohe Selbst bereit ist, sich mit den dunklen und verborgenen Seiten seines Ich konfrontieren zu lassen, vollzieht sich allmählich die Befriedung des Geistes

»Diese Annäherung muss nicht vollständig vollzogen sein, um die Unsterblichkeitsenergie erzeugen zu können?«

»Nein! Die Annäherung muss nur ihren Anfang genommen haben. Die Befriedung des Geistes und die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie vollziehen, ergänzen und intensivieren sich gemeinsam. Ihr Zusammenwirken führt schließlich zur allmählichen Gesundung des Körpers, zur Verlangsamung des Alterungsprozesses, zur Unsterblichkeit des Körpers und auch zu seiner Verjüngung!«

»Ein stolzes Programm, das Sie da entwickeln!«

»Ihre Ironie verletzt mich nicht. In ihr sehe ich meine eigenen Zweifel wieder, als Vater mir von der Unsterblichkeit und der Existenz der inneren Stimme der Seele erzählte!«

»Das freut mich zu hören! Was verstehen Sie unter dem Begriff Energie

»Energie ist der Motor des Lebens. Leben ist Energie. Energie als Leben ist ein endloser Tanz von Bewegung, ein ständiges Werden im Sein. In ihrer Ursprungsform war und ist Leben immateriell, d.h. ungeformt. Leben ist außerhalb und in der Zeit, ohne Bewusstsein und ohne Unterscheidung. Es ist die Urenergie oder die kosmische Energie.

Einst gab es im kosmischen Leben einen Sprung, eine Bewegung, die sich nicht mit der ursprünglichen Bewegung harmonisieren ließ. So entstanden die Körper, die geformten Energien als anorganische und als organische Materie. Mit der geformten Energie begann die Existenz der Zeit und damit das Vorher und das Nachher. Der Unterschied, der Gegensatz war geboren.

Diese materielle Energie in ihrer organischen Form war wie die immaterielle (ungeformte) Energie zunächst ohne Bewusstsein. Doch entwickelte sich mit der Zeit das Bewusstsein heraus. Der Mensch ist in der Materialität seines Körpers Teil der geformten und in der Immaterialität seines Geistes Teil der ungeformten Urenergie. Das Bewusstsein ist das Bindeglied zwischen der Materialität des Körpers und der Immaterialität der Urenergie. Sowohl Körper als auch Geist des Menschen erzeugen ununterbrochen Energien. Die materielle Körperenergie des Menschen ist auf die Endlichkeit des Körpers ausgerichtet. Die immaterielle Geistenergie des Menschen hingegen ist Teil der kosmischen Urenergie, die unendliche Bewegung ist. Über seine Geistenergie kann der Mensch die Unsterblichkeit erzeugen und damit die göttliche Kraft in sich zur Verwirklichung bringen.

Die Unsterblichkeitsenergie wird durch die Gedanken eines Menschen erschaffen, deren Wirksamkeit aber erst über die geformte Energie möglich werden kann. Der Vorgang des Denkens spielt sich nicht nur in unseren Köpfen ab. Er ist Ausdruck des gesamten Körpers. Geist entsteht nicht aus sich selbst, seine Immaterialität ist nicht vollkommen wie die der komischen Urenergie. Geist und damit Bewusstsein bedarf des Körpers, um zu sein.

Gedanke ist immateriell


Ein Gedanke, der entsteht, ist zunächst immateriell.
Menschen können beliebig viele Gedanken und über sie Energie erschaffen. Dies zeugt von einer großen Macht des Menschen, doch nimmt er sie im Allgemeinen nicht wahr. Von der Geburt bis zum Erwachsensein fügen sich die Gedanken zu komplexen Gebilden zusammen, die schließlich zu dem werden, was wir ein Ich, eine Persönlichkeit nennen. Persönlichkeit ist nicht weniger immateriell als die Gedanken, die sie erschaffen haben.

Doch die zur Persönlichkeit eines Menschen verdichteten Gedankengebilde wirken sich auf die Materialität des Körpers aus. Unsere Hoffnungen, unsere Träume, unsere Liebe, unser Hass, unsere guten wie unsere schlechten Erfahrungen des Lebens führen uns in Krankheit oder in Gesundheit, zum Tod oder zum Leben. Das Immaterielle erzeugt das Materielle, so wie das Materielle wiederum auf die Immaterialität der Gedanken zu rückwirkt Jeder Gedanke, der ein Gefühl zeugt, so wie ein Gefühl einen Gedanken zeugt, wird in jeden Teil unseres Körpers getragen und beeinflusst ihn!«

»Damit beschreiben Sie im Grunde nichts anderes als das, was die moderne Wissenschaft zunehmend als ihr Forschungsgebiet betrachtet. Der Einfluss unserer Gedanken auf unsere Gefühle und umgekehrt sowie auf physiologische Prozesse ist nicht zuletzt seit der Entdeckung der Psychosomatik bekannt. Auch die Forschungsrichtung der Psychoneuroimmunologie zeigt diese Zusammenhänge als ein integratives Zusammenwirken psychischer, sozialer und biologischer Faktoren deutlich. In einer Reihe von psychotherapeutischen Richtungen wird Patienten die Fähigkeit vermittelt' über eine bewusste Veränderung von Gedanken auf ihre Gefühle und damit letztlich auf ihren Körper einzuwirken!«

»Auch wenn die Wissenschaft diese Zusammenhänge erst entdeckt, sind sie trotzdem fast so alt wie die Menschheit selbst. Der heutige Mensch beginnt mehr und mehr zu ahnen, dass sein altes Denken in starren Kategorien von Gut und Böse, von Wahr und Unwahr nicht mehr funktioniert und kaum noch Sinn macht. Die vermeintlichen Gegensätze beginnen sich mehr und mehr zu überschneiden und verlieren ihre klaren Konturen.

Es wird dem Menschen nichts anderes übrigbleiben, als mit diesen Auflösungen zu leben, künstliche Trennungen wie die von Gedanken und Gefühlen, von Körper und Geist, von Tod und Leben aufzugeben und von seiner vielgeliebten und gepriesenen Objektivität des Denkens Abschied zu nehmen. Oder aber er kehrt zurück zu einer Tradition, in der jeder Widerspruch bekämpft und jede Abweichung verboten wurde. Dieser Weg ist dem Menschen nicht versperrt. Er kann ihn gehen. Jederzeit. Aber er würde ihn in den Zustand geistiger Barbarei zurückversetzen.

Leben ist Bewegung

Leben ist eine ständige Bewegung, in der nichts stillsteht, sondern alles fließt. Keine dieser Dimensionen gibt es wirklich. Stillstand und Fluss sind nur Worte für das Unaussprechliche. Der Mensch kann lernen, mit dem Wechsel von Werden und Sein zu leben, ohne sich an sie binden zu müssen und ihre Endgültigkeit heraufzubeschwören. Das Vorher und das Nachher sind nur praktische Illusionen, so wie das Oben und Unten nur Phantasien unseres Gehirns sind. Dies zu erkennen, es in sein Herz zu lassen und es zu leben, gehört zum evolutionären Sprung, den der Mensch vollziehen muss, will er sich geistig weiterentwickeln!«

»Schön und gut! Wie kann ich denn die Unsterblichkeitsenergie in mir erzeugen, wenn ich dies wollte?«

»Das Prinzip ist simpel. Doch vergessen Sie bitte nicht, dass es ohne die Unterstützung des tiefen Selbst nicht wirken kann. Bevor ich es Ihnen jedoch mitteile, müssen Sie den Unterschied zwischen der Lebensenergie und der Unsterblichkeitsenergie begriffen haben.

Ein lebender Körper verfügt zunächst nur über eine zeitlich begrenzte Körperenergie. Zu Beginn eines jeden Lebens ist die Lebensenergie groß. In der Phase des körperlichen und geistigen Wachstums geht jedoch sehr viel Energie verloren. Im Laufe der Zeit wird die Lebensenergie schwächer und damit auch der Körper. Der Geist wird müde. So mischt sich in das Element des Lebens das Element des Todes. Da Menschen in dem Bewusstsein aufwachsen, dass der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens und unabwendbar ist, geben sie sich diesem Schicksal hin. Doch die materielle Körperenergie ist nicht dazu verurteilt, zu vergehen. Denn in der immateriellen Geistenergie ruht die Kraft des ewigen Lebens. Der Mensch weiß sie nur nicht zu nutzen. Die der Lebensspanne eines Menschen zugrundeliegende Lebenslinie besteht aus fünf Phasen:

Die fünf Lebensphasen

Der Phase der Geburt, der Phase körperlichen und geistigen Wachstums, der Phase der geistigen Stagnation, der Phase der körperlichen und mehr oder weniger geistigen Degeneration und der Phase des Sterbens, die zum Tod führt!«

»Vier Phasen sind mir durchaus geläufig. Aber wie beschreiben Sie die Phase der geistigen Stagnation?«

»Sie bedeutet, dass die geistige Entwicklung des Menschen nicht mehr voran schreitet!«

»Das ist eine ziemlich anmaßende Behauptung!«

»Sie missverstehen mich! Ich bestreite nicht, dass sich der Mensch geistig weiterentwickelt. Doch diese Weiterentwicklung vollzieht sich in der Regel auf der Basis seiner bisherigen geistigen Entwicklungen und Erfahrungen. Dabei begegnet er jedoch nicht grundsätzlich Neuem, sondern nur Vertiefungen und Variationen dessen, was er im Laufe seines Lebens verstehen und begreifen gelernt hat.

Zu Beginn der menschlichen Entwicklung erfährt ein Kind noch herausragende Veränderungen in seinem Denken und Fühlen. Es lernt, Dinge zu erkennen und wahrzunehmen, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen, von denen es vorher nicht die geringste Ahnung hatte. Neue Welten eröffnen sich einem Kind. Es ist wie das Erklimmen einer Leiter, wo sich Sprosse für Sprosse neue Welten auftun. Das Ende der Leiter ist aber auch gleichzeitig das Ende dieser Entwicklungen.

Alles, was danach kommt, ist eine Variation des Bisherigen. Hier gilt es, die Leiter zu wechseln und sich somit auf eine andere geistige Ebene zu begeben. Dies ist die Ebene, wo wir unsere inneren Welten erkunden können, wo wir zu lernen vermögen, mit unserem Geist die Materie unseres Körpers bewusst und gezielt zu beeinflussen, um auf diese Weise den inneren Tod zu besiegen. Auf dieser geistigen Ebene ist es dem Menschen möglich, seine ersterbende körperliche Lebensenergie wieder zur vollen Lebendigkeit zu bringen und sie kraft seiner Gedanken zur Unsterblichkeitsenergie zu transformieren.

Das ist der evolutionäre Sprung, den die Menschheit zu vollziehen hat. Die Möglichkeiten dazu liegen bereit. Dem Menschen in diesem ausgehenden Jahrtausend sind die Bruchstücke dessen, was ich über die Fähigkeiten des menschlichen Geistes sage, bereits vertraut. Die Bruchstücke müssen nur noch zusammengefügt werden. Mit Mut und mit Phantasie. Der Mensch muss begreifen, dass der Tod nur eine Variante des Lebens ist. Eine Spielart. Das Leben kennt keine Grenzen. Es gibt keine vorgeschriebene Lebensspanne, die zu überschreiten dem Menschen auf ewig verwehrt wäre, kein von Gott oder von der Biologie des Zufalls inszeniertes Selbstvernichtungsprogramm, das dem Menschen ein für alle Mal die Chance nehmen würde, den Tod in sich zu besiegen.

Wenn es dem Menschen gelingt, sich in den unendlichen Strom der Urenergie einzufügen und sich damit mit der Ewigkeit zu verbinden, wird der innere Tod seinen Schrecken verloren haben. Je mehr der Mensch der Immaterialität in sich Raum gibt, die Materialität des Körpers zu beeinflussen, umso leichter wird es ihm fallen, dem Verfall des Körpers zu trotzen. Damit durchbräche er die Lebenslinie von Werden und Vergehen und würde die Phasen der Stagnation, der Degeneration und des Sterbens durch die Phase der ewigen Erneuerung mittels Unsterblichkeitsenergie ersetzen.

Die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie ist Ausdruck unserer Gedankenmacht.


Der reine Gedanke ist reine Immaterialität. Er wird durch unseren Willen geschaffen. Der Wille ist konzentrierte Energie. Der Wille ist kein reiner Gedanke, auch wenn er durch diesen ausgelöst wird. Er ist ein Prinzip des Bewusstseins. Wille ist nur ein Wort für Konzentration, die ebenfalls eine Bezeichnung für die Bewegung des Lebens in uns ist und über Sprache nicht mehr mitgeteilt werden kann. Aus und über den Willen erzeugen wir, was letztlich Bewegung und damit Leben ist.

Ich sagte es bereits: Von der Geburt bis zum Erwachsensein fügen sich die einzelnen Gedanken zu komplexen Gedankengebilden, die wir Persönlichkeit nennen können. Dies geschieht über den Willen. Gedanken, die wie Gefühle sind und Gefühle, die wie Gedanken sind, wirken auf unseren Körper und finden dort ihre Verkörperung. Gedanken spiegeln sich in allem wider. In der Haltung unseres Körpers, in unseren Bewegungen, unseren Handlungen, unseren Gefühlen.

Ein Gedanke ist zunächst reine Imagination, reine Immaterialität. Über unsere Gefühle werden sie zu Boten, die durch unseren Körper reisen und die Nachrichten der Gedanken weiterleiten. Ein Gedanke, der uns innerlich bewegt, uns Sinn gibt und unser Leben füllt, hat eine große Macht über den Körper. Er kann ihm nutzen oder schaden. Er kann ihm Gesundheit geben oder Krankheit, Leben oder Tod.

Ein Gedanke ist Energie, wie Gefühl Energie ist. Durch unseren Willen können wir sie erzeugen und beliebig durch unseren Körper leiten. Je bewegender ein Gedanke oder ein Gefühl ist, umso stärker wirkt er auf den Körper. Je öfter sich ein Gedanke oder ein Gefühl wiederholt, umso stärker seine Wirkung. Dies ist der Weg, um die Unsterblichkeit zu erlangen.

Menschen vermögen ihre Gedanken und ihre Gefühle jedoch nur mäßig zu beeinflussen. Oft sind sie ihnen hilflos ausgeliefert. Sie vermögen sie nicht zu kontrollieren. Hass, Neid, Wut, Enttäuschung setzen je nach Intensität gewaltige negative Energien im Menschen frei. Sie schädigen oder zerstören auf Dauer den Körper. Diese negativen Energien äußern sich in Krankheiten und Beschwerden und suchen sich die Stellen des Körpers aus, die am schwächsten sind.

Positive Energien wie Liebe, Freude, Freundschaft, Zuneigung können hingegen Krankheiten heilen oder sie mindern. Negative und positive Energien, die Menschen bewusst und unbewusst erzeugen, sind im Grunde nicht voneinander zu unterscheiden: Sie sind geschaffene Energien. Sie unterscheiden sich nur in ihren Bedeutungen voneinander, die Menschen ihnen über ihre Gedanken und Gefühle geben.

Über die Verknüpfung der Selbste und über die Befriedung des Geistes können wir die von uns geschaffenen Energien zu unseren Gunsten beeinflussen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo Vater lernte, die Macht seiner Gedanken zu nutzen, war er ihnen hilflos ausgeliefert. Bis dahin ahnte er nicht einmal, dass ganz allein er es war, der über seine unbewussten Gedanken und Gefühle seine Krankheit erzeugte!«

»Sie sagen, dass Vater über seine Gedanken und Gefühle die Geschwulst an seinem Arm erzeugte. Gleichzeitig sagen Sie, dass er es unbewusst tat. Bedeutet dies denn nicht, dass es eigentlich das tiefe Selbst war, das die Geschwulst bei Ihrem Vater erzeugte?«

»Sie unterliegen einem Missverständnis. Das tiefe Selbst erschafft keine Krankheiten, unter denen das hohe Selbst zu leiden hat. Es fügt weder dem Körper noch dem Ich einen Schaden zu. Durch seine Liebe zum hohen Selbst versucht es ihm stets über seine Intuitionen mitzuteilen, wie es sich selbst heilen oder seine Beschwerden mindern kann.

Wenn das Ich auf seine Intuitionen nicht achtet oder sie nicht mehr wahrnehmen kann, weil es sich vor seinem Innern verschließt, dann drängt die innere Stimme ihre Hilfe dem Ich nicht auf. Dass Vater erkrankte, war die Folge seiner ich-bezogenen und ich-verhafteten Gedanken, die negative Energien erzeugten und die im Laufe der Zeit die Materie seines Körpers veränderten und damit zur Bildung der Geschwulst führten!«

»Zwei Fragen möchte ich Ihnen stellen. Wenn Sie sagen, dass das hohe Selbst unbewusst krankmachende Energien erzeugt, was ist dann das tiefe Selbst, wenn es nicht das Unbewusste in uns ist? Und bedeutet Ihre Feststellung, dass das hohe Selbst seine Krankheiten selbst verursacht, dass es somit schuld daran hat, wenn der Körper erkrankt?«

»Auch hier unterliegen Sie einem Irrtum. Das tiefe Selbst ist mit dem Unbewussten nicht identisch oder vergleichbar. Das tiefe Selbst ist das Innen, das verborgene zweite Bewusstsein und nicht der unbewusste Teil des Ich.

Menschen sind Wesen der Gewohnheit. Sie wiederholen ihre Gedanken und ihre Gefühle. Diese Wiederholungen geben ihnen ein Gefühl der Stabilität und vermitteln ihnen, was man im allgemeinen Persönlichkeit nennt. Nicht alles, was wir denken und fühlen, muss dabei immer bewusst vollzogen sein. Vieles davon vollzieht sich im Leben eines Menschen automatisch. Dies sind die Ergebnisse unserer Prägungen, der Erfahrungen aus der Kindheit und des Erwachsenenalters. Sie sind der Hintergrund, vor dem sich unsere bewussten und augenblicklichen Gedanken und Gefühle bewegen.

Obwohl dieser Hintergrund in unserem gegenwärtigen Bewusstsein nicht ständig präsent ist, hat er einen Ort der Erinnerung in uns und ist damit immer gegenwärtig. Ein trauriger Mensch muss nicht immer daran denken, dass er ein trauriger Mensch ist. Er ist es einfach. Er ist es aus Gewohnheit, aufgrund dieser unbewussten Gedanken und Gefühle, die ihn immer wieder in seiner Traurigkeit bestätigen und die er oft auch körperlich fühlt. Solche destruktiven Gedanken und Gefühle sind vom hohen Selbst nur schwer zu kontrollieren, wenn sie erst einmal automatisch (nicht-bewusst) ablaufen.

So weiß der Traurige meist nicht, dass er seine Traurigkeit und seine negativen Energien ständig selbst erzeugt. Er spürt nur ihre Wirkungen: Die Mattigkeit seiner Seele und die Schwere seines Körpers, die Beschwerden und Krankheiten, die ihn befallen, seine Traurigkeit verstärken und ihn körperlich und geistig für andere Krankheiten anfällig machen.

Es ist bedauerlich, dass der Mensch keinen eigenen Wahrnehmungssinn für die von ihm erzeugten Energien hat. Nur das ist für ihn wirklich, was er sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen und konkret denken kann. Unbewusst, das heißt für mich nicht bewusst, ist aber auch das, was das hohe Selbst an Erinnerungen, Erlebnissen, Wünschen und Ängsten im Laufe seines Lebens von diesem Selbst abgespaltet hat. Dies sind Teile innerhalb des hohen Selbst, die es nicht in seinem alltäglichen Denken und Fühlen integriert hat und die in einem gewissen Umfang ein Eigenleben führen können, indem sie einen Menschen dazu veranlassen, Dinge zu tun und zu sagen, die er eigentlich nicht tun oder sagen will.

Vater nannte sie die Dämonen der äußeren Seele. Ich nenne sie die Blockierungen und Abspaltungen der äußeren Seele. Hier ordnen sich Ihre multiplen Persönlichkeiten ein, bedrohliche Stimmen oder Zensoren in den Köpfen von Menschen, welche Ihnen nicht erlauben, bestimmte Bedürfnisse und Wünsche zu zeigen, oder indem sie sich in den selbstzerstörerischen Akten eines Rauschgiftabhängigen offenbaren. Diese Blockierungen und Abspaltungen der äußeren Seele sind Teile des hohen Selbst. Sie sind seine nicht-bewussten Anteile. Das tiefe Selbst hat mit ihnen nichts gemein.

Nun zu Ihrer zweiten Frage.

Auch wenn das hohe Selbst über seine Gedanken und Gefühle Krankheit zu erzeugen vermag, so gibt es genug Krankheiten auf dieser Welt, die nicht über die Erzeugung negativer Energien entstehen. Dies ist keine Frage von Schuld. Dies ist vielmehr eine Frage von Schicksal und von Zufällen, soweit man sich mit diesen Erklärungen zufriedengeben kann.

Auch wenn Menschen nicht bewusst durch ihre Lebensführung negative Energien in sich erzeugen, die Krankheiten und Beschwerden schaffen, so heißt das nicht, dass sie schuldig sind. Selbst wenn sie wüssten, dass sie zu ihrer eigenen Krankheit nicht bewusst beigetragen haben, könnten sie es nicht allein durch ihr Wissen verhindern. Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt viele Menschen gibt, die ansatzweise dazu fähig sind, die Energien, die sie ständig erzeugen, zu steuern. Niemand ist schuldig angesichts dieses Unvermögens.

Muss ich verschweigen, dass Menschen ihre Krankheiten und ihr Leid erzeugen können, nur weil sie sich dann schuldig fühlen könnten? Schuld ist nur ein Wort, geschaffen, um Macht über Menschen auszuüben, weil sie etwas nicht haben, nicht tun oder nicht unterlassen können. Der selbsternannte Unschuldige bestimmt, was Schuld ist, wenn er die Macht dazu hat. Der Schuldige nimmt Schuld an, weil er dem Unschuldigen glaubt oder glauben muss, dass jener unschuldig und er selbst schuldig ist.

Nehmen Sie die Macht von diesem Wort, und was bleibt, ist eine dumme Phrase. Etwas nicht zu können oder nicht zu haben, heißt, etwas nicht zu können und etwas nicht zu haben. Mehr nicht. Und damit vermag ein Mensch zu leben, wenn er sich nicht dem von außen gesetzten Diktat beugen will, alles können und haben zu müssen, um ansonsten ein Versager, ein Schuldiger zu sein!«

»Warum schaltet sich das tiefe Selbst nicht ein, um das hohe Selbst bei der Erzeugung dieser negativen Energien und dieser von Ihnen gerade beschriebenen Abspaltungen vom Ich zu hindern? Es könnte dies doch unbemerkt vom Ich tun, ohne dass das hohe Selbst etwas davon erfahren müsste?«

»Das tiefe Selbst hat keinen einfloss auf das Denken und Fühlen des hohen Selbst. Wenn ein Mensch an einer Krankheit leidet, ist es der inneren Stimme nicht möglich, unabhängig von der Bereitschaft des Ich, es gesunden zu lassen. Zwar weiß sie, was vonnöten ist, um das Ich zu heilen oder seine Beschwerden zu mildern. Aber um an diesem Wissen des tiefen Selbst Anteil nehmen zu können, muss es in der Lage sein, seinen Intuitionen zu lauschen und auf sie zu hören. Erst wenn dies geschieht, kann der Heilungs-Prozess beginnen. Langsam oder schnell, wie bei spontanen Heilungen!«

»Beide Selbst ergänzen sich demnach. Keines kann demnach das andere beeinflussen oder zu etwas zwingen!«

»Das ist richtig!«

»Was bedeutet dies für den Prozess der Unsterblichkeit?«

»Wie ich bereits sagte, kann ein Ich, ohne dass es in Verbindung mit der inneren Stimme der Seele getreten ist, niemals die Unsterblichkeit erlangen, denn Ihre unterschiedlichen Fähigkeiten müssen sich ergänzen. Die Fähigkeit des hohen Selbst ist sein Wille, der Gedanken und Gefühle erzeugt, sie verstärkt und ihre Energien bewusst durch den Körper fließen lässt. Ich nenne dies die Fähigkeit der Imagination.

Die Fähigkeit des tiefen Selbst liegt im unmittelbaren Erkennen dessen, was das Ich zur Erlangung der Unsterblichkeit vollbringen muss, und in der intuitiven Hinführung des Körpers zur Unsterblichkeit. Ich nenne dies die Fähigkeit der Intuition!«

»Was bedeutet das, den Körper intuitiv zur Unsterblichkeit zu führen?«

»Es heißt, dass die vom Ich erzeugten Unsterblichkeitsenergien in harmonischer Weise auf den Körper einwirken. Die innere Stimme dosiert die Energie der Unsterblichkeit derart, dass dem Körper durch diese mächtigen Energieströme kein Schaden zugefügt wird. Das hohe Selbst ist nicht dazu in der Lage, abzuschätzen und zu wissen, wie die Unsterblichkeitsenergie auf seinen Körper einwirkt. Es kennt nicht die Zusammenhänge, die sich im Innern des Körpers vollziehen, um mit diesen neuen Energien eine Bindung einzugehen.

Das tiefe Selbst kennt diese Zusammenhänge intuitiv. Es passt die Intensität der Unsterblichkeitsenergien dem natürlichen Rhythmus des Körpers an. Es überfordert ihn nicht, treibt ihn nicht zur Eile, es stimmt ihn allmählich auf die Veränderung der Körperprozesse ein!«

»Wie kann die Unsterblichkeitsenergie konkret erzeugt werden?«

»Zunächst müssen Sie Klarheit über das Ziel der Unsterblichkeit in sich schaffen. Wenn Sie ein Haus bauen wollen, werden Sie sich zunächst mit dem Aussehen des Hauses, den anfallenden Kosten, dem Arbeitsund Zeitaufwand beschäftigen. Sie werden über das passende Grundstück nachdenken. Das Haus und alles, was dazu gehört, gewinnt in Ihrem Kopf an Gestalt. Und dann werden Sie sich um die Verfeinerung dieses Hauses Gedanken machen. Welche Farbe die Fassade bekommen soll, wie die Inneneinrichtung beschaffen sein muss, die Anlage des Gartens aussehen soll. Ihre Gedanken werden um das Ereignis kreisen, dass sie erschaffen wollen.

Wenn Sie die Unsterblichkeit erlangen wollen, müssen Sie zunächst an die Unsterblichkeit denken. Sie müssen den Gedanken so klar wie möglich erschaffen, so simpel dies Ihnen auch scheinen mag. Hören Sie diesen Gedanken, sehen Sie diesen Gedanken, und fühlen Sie diesen Gedanken. Ein Gedanke, der geglaubt, gelebt, gefühlt, ständig wiederholt und intensiviert wird, hat die Tendenz, Wirklichkeit zu werden. Er wird sich früher oder später auf die geformte Energie, auf die Körpermaterie, auswirken und sie allmählich verändern.

Allein durch den immateriellen Gedanken an die Unsterblichkeit erzeugen Sie die Energie, die in diesem Gedanken liegt. Aller Anfang von Veränderungen liegt in unseren Gedanken. Indem Sie damit beginnen, den Begriff Unsterblichkeit zu denken und mit diesem Gedanken weitere Vorstellungen verbinden, die um die Unsterblichkeit kreisen, intensivieren und vergrößern Sie bereits die dafür aufgewendete Energie.

Zunächst sind diese Gedanken jedoch nur immateriell. Sie müssen sich in Körperenergie transformieren lassen, wollen sie Einfluss auf die Körpermaterie nehmen. Aus der Immaterialität des Gedankens erschaffen wir durch die Wiederholung des Gedankens seine gefühlsmäßige Entsprechung und damit einen materiellen Ort der Erinnerung in uns.

Von dort aus können wir uns ständig seiner erinnern, weil dieser Gedanke ein Teil unseres Wesens geworden ist. Wir können ihn verfeinern und verstärken, so dass der Raum, den der Ort der Erinnerung in uns hat, zunehmend größer wird. So wird der Glaube an die Unsterblichkeit, die Entschlossenheit, dieses Ziel zu erreichen, aber auch der Zweifel, das Ziel der Unsterblichkeit erreichen zu können, den Gedanken der Unsterblichkeit zunehmend an den Körper binden!«

»Sie haben es bereits zweimal angesprochen. Sie sprachen von der Bedeutung der Zwiespältigkeit und des Zweifels für die Erlangung der Unsterblichkeit. Was bitte ist darunter zu verstehen?«

»Der Zweifel ist der Motor der Unsterblichkeit und ein Synonym für die ewige Bewegung von Energie. Die Zwiespältigkeit ist der Ausdruck des Zweifels. Um die Unsterblichkeit zu erlangen, muss der Geist des Menschen in ständiger Bewegung sein, so wie der unendliche Fluss des kosmischen Lebens ständig in Bewegung ist. Der Geist darf nicht stagnieren. Bewegung bedeutet, dass der Mensch das unendliche Wechselspiel zwischen der Destruktivität und der Konstruktivität seiner Gedanken nie verlieren und aufgeben darf. Nur dann ist das Prinzip der ewigen Bewegung in uns verankert!«

»Können Sie das vielleicht an einem Beispiel deutlich machen?«

»Stellen Sie sich einen Menschen vor, der erfährt, dass er an einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit leidet. Was er denkt und fühlt, wird Verzweiflung, Todesangst, Trauer sein. Dies sind die destruktiven Anteile seiner Gedanken und Gefühle, mit deren Hilfe er nicht bewusst negative Energien in sich erzeugt. Nehmen Sie an, dass er diesen Energien nicht hilflos ausgeliefert ist. Es gelingt ihm - bewusst oder nicht bewusst -, positive Energien in sich zu' erzeugen, die sich den negativen Energien entgegenstellen. Dadurch ist er von einem sich aufbäumenden Lebenswillen, von Hoffnung und dem Glauben an seine Gesundheit erfüllt. Dies sind die konstruktiven Anteile seiner Gedanken und Gefühle.

Negative und positive Energien treffen aufeinander. Die Geburt des Zweifels findet statt, die alleinige Macht der Destruktivität in ihm wird erschüttert. Sie stößt auf den Widerpart der Konstruktivität. Und wie im Aufeinandertreffen von Materie und Antimaterie - verzeihen Sie diese vielleicht nicht ganz passende Analogie - setzt diese Berührung von negativer und positiver Energie neue, gewaltigere Energien in ihm frei. Sie ermöglicht diesem Menschen, Außergewöhnliches zu vollbringen:

Seine Heilung oder seinen schnellen Verfall, die Verstärkung der positiven oder der negativen Energien. Je nachdem, wie der Mensch beschaffen ist und inwieweit ihm sein tiefes Selbst zur Seite stehen kann, wird es geschehen. Das Destruktive in uns ist der ständige Ansporn für das Konstruktive: Ohne das Destruktive bleibt das Konstruktive schwach.

Das Konstruktive kann sich nur durch das Destruktive entfalten. Deshalb sind Destruktivität und Konstruktivität, die negative wie die positive Energie in uns unverzichtbar. Ohne das Destruktive genügte sich das Konstruktive selbst. Die Seele des Menschen hätte keinen Grund mehr, aus sich herauszuwachsen, sich zu erhöhen, sich weiterzuentwickeln.

Ich gebe Ihnen ein anderes Beispiel. Aus dem Gefühl einer seelischen Verletzung kann Empörung gegen sie erwachsen. Im Erleben der Destruktivität in Form von Wut, Hass, Trauer liegt bereits die Kraft zu ihrer Transformation. Die Implosion der Verletzung führt zur Explosion ihrer Überwindung. Negative Energie wird in positive Energie verwandelt. Wo es gelingt, wird Bewegung in Bewegung gesetzt. Erst im unaufhörlichen Zusammentreffen zwischen den destruktiven und den konstruktiven Anteilen unseres Denkens und Fühlens ergibt sich die Möglichkeit der Bewegung: im ständigen und vergeblichen Überwinden des Destruktiven. Dies entspricht der unendlichen Bewegung im Strom des kosmischen Lebens.

Was sich dort bewusstseinslos vollzieht, vollzieht sich im Menschen mit Hilfe seines Bewusstseins, in der ergänzenden Gegensätzlichkeit von negativen und positiven Energien. Nur auf diese Weise kann der Geist des Menschen ein offener Geist werden, der sich in die Bewegung begibt, um der Stagnation des Geistes zu begegnen. Der offene Geist ist der sich bewegende Geist. Davon werde ich Ihnen später noch berichten.

Die Destruktivität ist nur dort schädlich, wo sie nicht auf den Widerpart der Konstruktivität trifft. Im Leben eines Menschen halten sich die destruktiven und die konstruktiven Anteile des Denkens und Fühlens in etwa die Waage, und damit die Art ihrer erzeugten Energien. Dort, wo die Destruktivität in einem Menschen obsiegt, zerstört sie allmählich die Harmonie des Körpers und die der Seele.

Doch auch die Konstruktivität ist auf ihre Weise schädlich, wenn sie nicht auf die Destruktivität trifft. Die ostasiatischen Philosophien bringen den Geist dazu, dass er sich nicht mehr bewegt und sich von allem Irdischen reinigt. Sie entkleiden ihre Gedanken und Gefühle von der Destruktivität, und was bleibt, ist eine unterscheidungslose Empfindung, die reine unbewegte Energie ist.

Aber diese Energie entwickelt sich nicht. Sie führt in der normalen Lebensspanne eines Menschen zu einem reinen und gelassenen Leben, wie wir es bei den Meistern des Zen, des Taoismus, des Yoga erleben können. Es gelingt ihnen darüber hinaus, sogar ihr körperliches Leben zu verlängern. Diejenigen, die bewusst die körperliche Unsterblichkeit anstrebten und doch nur Langlebigkeit erlangten, haben durch die Bewegungslosigkeit ihres Geistes nur einen vorübergehenden Aufschub vom Tod erreicht.

Sie haben das Prinzip der Bewegung des Lebens nicht begriffen. So blieb und bleibt ihre Unsterblichkeit nur auf ein Leben nach dem Tode beschränkt. Für diejenigen, die den Weg der physischen Unsterblichkeit gehen, muss der Geist jedoch ständig in Bewegung sein, damit er im Leben ist und am Leben bleiben kann. Der Geist ist das Bindeglied zwischen dem sich ewig bewegenden Strom der kosmischen Urenergie und der geformten Energie des menschlichen Körpers.

Im ergänzenden Spiel der Destruktivität und der Konstruktivität gibt es eine Ausnahme. Bei der Erzeugung der Unsterblichkeits- Energie muss diese rein - d. h. von ihren destruktiven Anteilen gesäubert - sein. In diesem Moment der Energieerzeugung behindern Zweifel, Ungeduld, Angst den Fluss der Unsterblichkeitsenergie und schwächen somit seine Wirksamkeit. Dies zu vermeiden, ist eine Frage der Konzentration, in der sich die Annäherung des hohen an das tiefe Selbst vollzogen haben muss.

In dem Moment, wo sich die Energien beider Selbst vereinen, müssen sie identisch sein. Die Energie des tiefen Selbst ist zu jeder Zeit frei von Destruktivität, da es immer in sich ruht. Gelingt es dem Ich, die Unsterblichkeitsenergie rein zu erzeugen, potenzieren sich die vereinigten Energien beider Selbst. Und im Laufe der Jahre wird die auf Vergänglichkeit geordnete Körpermaterie auf die ständige Erneuerung unserer Körpermaterie umgeschrieben: In den unendlichen Fluss der Körperenergie!«

»Wie habe ich mir diese Unsterblichkeitsenergie vorzustellen?«

»Stellen Sie sich vor, wie der reine Gedanke der Unsterblichkeit sich in Energie verwandelt. Ihre innere Stimme wird Ihnen dabei helfen. Und dann schicken Sie diese Energie durch Ihren Körper, wie einen Strahl, der sich überallhin ausbreitet, um sich mit ihm zu verbinden. Die innere Stimme wird das Übrige tun. Aus Übung, Training und Gewohnheit gebiert sich der Erfolg.

Ihr tiefes Selbst wird Ihnen mit der Zeit alles mitteilen, was für die Erzeugung und den Fluss der Unsterblichkeitsenergie nötig ist. Mit der Zeit werden Sie die Energie, die Sie erzeugen, in Ihrem Körper spüren.

Manchmal werden Sie ein leichtes Ziehen oder einen Druck in sich fühlen, wenn sich die Energie in Ihrem Körper ausbreitet. Diese Empfindungen können von einem leichten oder starken Schauer begleitet sein, der sich über den ganzen Körper erstreckt. Sagen Sie sich, dass Sie für immer jung und gesund am Leben bleiben werden. Vertrauen Sie auf die Macht Ihrer Gedanken. Verspüren Sie hierbei ebenfalls einen angenehmen Schauer, befinden sich die beiden Seelen Ihres Körpers in Einklang miteinander.

Je tiefer die Bindung zu Ihrer inneren Stimme der Seele wird, je mehr der Geist des Ich sich zu öffnen beginnt, der Glaube an die Unsterblichkeit fester und fester wird und die Erzeugung der Unsterblichkeitsenergien Ihnen zunehmend leichter fällt, umso stärker wird die Energie der Unsterblichkeit sein.

Die innere Stimme der Seele wird Sie niemals überfordern. Sie wird Sie mit Geduld, aber ohne Gleichgültigkeit begleiten. Sie wird Ihnen fordernde Impulse geben, ohne Sie dabei unter Druck zu setzen. Wem es gelingt, die Seelen zu vereinen, wird immer wissen, was und wie es zu tun sein wird. Bedenken Sie dabei, dass es nicht den einen Weg zur Unsterblichkeit gibt. Jedes einzelne Ich muss den ihm gemäßen Weg finden. Zusammen mit seinem tiefen Selbst. Das Gemeinsame der Wege, die zur Unsterblichkeit führen, ist in meinen Worten enthalten.

Darüber hinaus gibt es nichts, was noch zu sagen möglich wäre. Alles andere ist das einfache Gehen des Weges in die Unsterblichkeit. Und bedenken Sie des weiteren: Es gibt keine Lehrer der Unsterblichkeit. Ihr Ich und die innere Stimme der Seele unterweisen Sie. Vater war es, der mir half, mein tiefes Selbst in mir zu finden. Seine Begleitung bewahrte mich vor allzu großer Eile, allzu großem Eifer und vor der Selbsttäuschung, meine Selbstgespräche für die innere Stimme zu halten.

Aber ich allein fand den Weg zu meiner inneren Stimme. Als ich den Weg der Unsterblichkeit zu gehen bereit war, bot Vaters Beistand eine Vorbereitung auf das Kommende, ein Orientieren an seiner Erfahrung - nicht mehr. Auch ohne ihn hätte ich den Weg gefunden!«

»Wie lange dauerte es, bis Sie das Ziel unsterblich zu sein, erreicht hatten?«

»Es dauerte acht Jahre! Vielleicht waren es aber auch nur sechs Jahre. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Denn als sich die Funktionen meines Körpers endgültig auf die Unsterblichkeit einstellten, dachte ich schon lange nicht mehr an die Unsterblichkeit. Ich spürte sie eher beiläufig, als ich an einem schönen sonnigen Tag im Mai auf ein Tal blickte. Eine Empfindung stellte sich ein, die mich mit einer großen Ruhe und Gewissheit erfüllte. Jetzt bin ich also unsterblich, dachte ich und fühlte gleichzeitig, wie meine innere Stimme mich darin bestätigte. Es berührte mich nicht weiter.

Es war schon lange nicht mehr wichtig für mich gewesen. Hätte mich in diesem Moment jemand von dem Berg gestoßen, auf dem ich stand, so hätte der Tod für mich nicht mehr Bedeutung gehabt als das Leben, sei es nun das endliche oder das unendliche Leben. Denn Leben und Tod haben keine Bedeutung. Sie unterscheiden sich nicht wirklich voneinander. Beides ist vollkommen bedeutungslos. Beides ist vollkommen leer. Und dies war es auch für mich!«

»Haben Sie in den sechs oder acht Jahren gemerkt, dass Sie sich dem Ziel der Unsterblichkeit näherten?«

»Als es mir noch wichtig war, habe ich Veränderungen an mir bemerkt, die mich sicher machten, dass ich mich auf dem richtigen Weg befand. Ich war immer ein schwächliches Kind gewesen, und auch als Erwachsener musste ich darauf achten, mich warm zu halten und mich nicht zu erkälten. Die erste Veränderung war, dass ich nicht mehr krank wurde.

Ganz sicher wusste ich es, als ich im Winter von meinem Pferd in einen Fluss stürzte. Ich erkältete mich nicht. Bei dem Sturz verletzte ich mir allerdings den Rücken. Tagelang konnte ich mich nur unter großen Schmerzen bewegen. Dann begann ich, Energie zu erzeugen und sie dorthin zu lenken, wo es mich schmerzte. Schon wenige Stunden später ließen die Schmerzen nach. Nach zwei Tagen spürte ich nichts mehr!«

»Sie haben die Unsterblichkeitsenergie dazu benutzt, um Ihren Körper zu heilen?«

»Ja und nein! Ich erzeugte diese Energie auf die gleiche Weise, wie ich die Unsterblichkeitsenergie erzeugte. Doch ihre Bestimmung war das Heilen, nicht die Unsterblichkeit. Ich lenkte sie durch meinen Willen genau an die Stellen meines Körpers, wo die Schmerzen waren!«

»Sie erzeugten demnach eine Parallelenergie?«

»So können Sie es natürlich ausdrücken. Es war eine heilende Energie. Sie wächst mit Ihrer Fähigkeit, überhaupt Energien durch den Willen zu erzeugen und sie durch den Körper zu senden. Ich nenne sie die Heilenergie. Ihre Wirksamkeit ist ein weiteres Zeichen dafür, dass Sie sich der Unsterblichkeit langsam annähern. Die Wirkung der Heilenergie spüren Sie in relativ kurzer Zeit. Krankheiten oder Beschwerden lösen sich auf oder vermindern sich entscheidend. Die Wirkung der Unsterblichkeits-Energie hingegen können Sie nicht wahrnehmen. Sie können nur darauf vertrauen, dass sie den inneren Tod aus Ihrem Körper herausschneidet.

Eine weitere wichtige Veränderung auf dem Weg zur Unsterblichkeit betraf meine geistige Verfassung. Ich wurde ruhiger, bedachtsamer und gelassener, mein Verstand flexibler, meine Gefühle inniger und reiner, meine Geduld und die Toleranz gegenüber den Menschen nahm zu. Ich spürte das, was man mit Worten nur ungenügend ausdrücken und grob mit dem Begriff Liebe umschreiben kann. Sie erfüllte mich, und mein ganzes Fühlen und Denken wurde von ihr geprägt.

Ich begann, mich voller Energie zu fühlen. Ich erlebte diese Kraft in meinen Bewegungen, in meinen Gedanken und Gefühlen. Es war ein vollkommen neues Lebensgefühl. Der Jugendliche spürt in der Regel die Energie, die in ihm steckt, nicht bewusst. Sie ist ihm natürlich gegeben. Er lebt durch sie. Aber man sieht sie ihm an.

Der Ältere spürt, dass diese Energie ihm fehlt, obwohl er sich schwach daran erinnern kann. Man sieht es ihm an, dass er sie nicht mehr besitzt. Aber wenn er sie wiedergewinnt, wenn er sie zum ersten Mal bewusst in seinem Körper spürt, ihre Lebendigkeit ihn fast rasend vor Glück macht, dann weiß er wieder, wie es ist, jung und voller Energie zu sein. Doch von nun an wird er sie bewusst genießen.

Nach mehreren Jahren wurde mir die Unsterblichkeit zunehmend gleichgültiger. Viel wichtiger wurde mir der Friede, der in mir war, und natürlich die Verbindung zu meinem tiefen Selbst. Nur noch das Leben im Augenblick zählt!«

»Wie alt waren Sie, als Sie die Unsterblichkeit erlangten?«

»Soweit ich mich erinnere, etwa fünfzig Jahre alt!«

»Ich hätte Sie auf nicht älter als vierzig Jahre geschätzt! Eher noch ein wenig jünger!«

»Das glaube ich Ihnen! Ein Nebeneffekt bei der Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie ist, dass der Alterungsprozess nicht nur gestoppt, sondern bis zu einem gewissen Grad auch umgekehrt wird. Ihr Körper wird über Jahre mit der Unsterblichkeits-Energie durchzogen. So regeneriert er sich mit der Zeit. Die Gesichtszüge werden straffer. Falten verschwinden oder bleiben nur noch als leichte Andeutung bestehen. Die Bewegungen Ihres Körpers werden geschmeidiger. Ihr Haar wird fülliger. Ein gewisses jugendliches Aussehen kehrt zurück!«

»Kann man den Prozess der Verjüngung beeinflussen, ihn beschleunigen oder intensivieren?«

»Ich habe es nie ausprobiert. Dass ich nun jünger aussehe, als ich es zum Zeitpunkt meiner Unsterblichkeit war, lag nicht in meiner Absicht. Es stellte sich ein. Wenn ich jünger aussehen wollte, glaube ich nicht, dass dies ein Problem wäre. Es würde seine Zeit in Anspruch nehmen. Aber warum sollte ich es tun? Warum sollte ich das Menschliche in Äußerlichkeiten verlegen, wo es sich doch im Innern befindet. Das Innen ist meine Welt und dieses Innen lebe ich in der äußeren Welt der Menschen. Die äußere Welt hat nur dann eine Bedeutung, wenn sie zu einem Ort der Begegnung zwischen Menschen wird, die sich näherkommen, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Das Aussehen eines Menschen hat dabei nicht die geringste Bedeutung!«

»Wir leben in einer Zeit, wo die Jugend und das jugendliche Aussehen zum Ideal des Menschen geworden ist!«

»Ich bedauere das sehr. Eine derartige Welt ist flach und leer. Wenn dem Menschen das Geschenk der äußeren Schönheit mehr gilt als die durch Anstrengung gebildete innere Schönheit, dann ist dies für mich ein Zeichen, dass die Menschen von sich selbst und von den anderen nichts mehr erwarten. Wer die Masken des Äußeren begehrt, flieht vor dem Reichtum seiner Seele. Die äußere Form ist nur die Hülle für das Pulsieren des Lebens in uns.

Der Reichtum, der in uns verborgen liegt, den jeder Mensch in sich birgt, ob schön oder hässlich, ob reich oder arm, ob klug oder dumm, ist das Geschenk des Lebens. Die Entwicklung unserer Seele, die Öffnung des Geistes für die unendlichen Möglichkeiten in uns, das ist die wahre Bestimmung des Menschen. Ein stetiges Voranschreiten zu immer höheren und tieferen Sichten!


Die Befriedung des Geistes

»Bisher haben Sie von der Erzeugung der Unsterblichkeitsenergie gesprochen. Dabei haben Sie betont, dass neben diesem Vorgang auch der Prozess der Befriedung des Geistes eine wesentliche Rolle spielt, um die Unsterblichkeit erlangen zu können. Was verstehen Sie darunter?«

»Die Befriedung des Geistes ist die Vorbereitung des Geistes auf ein Leben in Unsterblichkeit. Es ist seine Transformation von der Endlichkeit des Seins in die Unendlichkeit des Werdens. Denn wer ewig leben will, muss mit der Ewigkeit leben können! Ein Traum von der Unsterblichkeit ist nur wie ein Feuer ohne Hitze. Es ist die Einbildung dessen, was in Wahrheit ganz anders ist. Denn alles, was wir tun und sind, hat seine Vor- und Nachteile. Die Unsterblichkeit hat ihren Preis. Und wer immer sie will, muss bereit sein, diesen Preis zu zahlen!«

»Das klingt sehr geheimnisvoll. Als müssten wir uns erst ein Bein oder einen Arm abschneiden, bevor wir in den Genuss der Unsterblichkeit kommen könnten. Aber ich sehe an Ihnen, dass Sie noch alle Ihre Körperteile haben. Demnach muss es also etwas anderes sein.«

»Es sind eine Reihe von Anforderungen, denen sich das hohe Selbst stellen muss. Das tiefe Selbst wird das Ich nur dann mit diesen Anforderungen konfrontieren, wenn es intuitiv sicher ist, dass das Ich ihnen gewachsen sein wird. Erst dann wird die innere Stimme der Seele das hohe Selbst mit den Blockierungen und Ablagerungen der äußeren Seele konfrontieren. Es wird ihm seinen verborgenen Hass zeigen, seine Eitelkeiten und Schwächen, seine Ängste, seine Selbsttäuschungen, seine Lügen. Es wird keine Filter der Beschönigung, der Verdrängung und der Täuschung mehr geben. Die verschütteten Kammern der äußeren Seele werden vollständig freigelegt!«

»Wie zeigt sich das?«

»Bei allem, was Sie denken, fühlen und sagen, werden Sie in jedem Augenblick Ihres Lebens wissen, was hinter Ihren vordergründigen Gedanken, Gefühlen und Worten verborgen liegt. Kaum ein Augenblick wird vergehen, wo Sie nicht in den Spiegel Ihres ungeschminkten Ich blicken, von allen Selbstlügen entblößt. Sie werden Hass und Ekel gegen sich selbst verspüren, Scham und Trauer. Als ich in die verschütteten Kammern meiner äußeren Seele blickte, wünschte ich mir, zu vergessen, was ich sah. Denn nur sehr wenig entsprach dem, was ich glaubte, zu sein. Ich sah meinen Neid, meine Begierden, meine Geltungssucht und vieles andere. Es schmerzte mich, mich so sehen zu müssen. Doch ich konnte und wollte nicht vor mir fliehen. Denn mir war bewusst, dass die Freilegung der verschütteten Kammern meiner äußeren Seele ein unerlässlicher Schritt auf dem Weg zur Unsterblichkeit war.

Meine innere Stimme konfrontierte mich mit diesen verdeckten Seiten meines Ich. Sie tat es kompromisslos und dennoch liebevoll. Wenn sie spürte, dass ich die Belastung nicht mehr zu ertragen meinte, fragte sie mich auf zärtliche Weise, ob sie aufhören solle, mich mit mir selbst zu konfrontieren. Manchmal tat sie es einfach. Manchmal nahm ich ihr Angebot an.

Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, meine ganze Blöße zu sehen und mir über meine Gedanken und Gefühle jederzeit im Klaren zu sein. Ich lernte, diese Seiten meines Ich zu akzeptieren und mich von der Vorstellung zu befreien, dass ein Mensch niemals zu sich im Widerspruch stehen dürfe. Der Widerspruch, die Zwiespältigkeit oder besser noch die Vielspältigkeit der Seele, der Zweifel sind die Grundelemente eines Lebens mit Bewusstsein. Diese Fähigkeiten ermöglichen dem Geist, sich zu bewegen und sich weiterzuentwickeln. Ich lernte, die Spaltungen meiner Seele in Destruktivität und Konstruktivität zu akzeptieren und zu lieben.

Die innere Stimme der Seele konfrontiert uns auch mit unseren verdrängten oder vergessenen Ängsten. Die größte Angst des Menschen ist der Tod. Sie ist die stärkste negative Energie, die ein Mensch in seinem Leben erzeugt. Sie kann uns lähmen, indem wir den Tod als ein unabwendbares Schicksal betrachten. Sie kann uns bewegen, indem wir das Sterben hinauszuzögern trachten, den Tod in Gefahren bewusst suchen oder ihn bei anderen bewusst hervorrufen.

Wer seine Angst vor dem Tod aus dem Bewusstsein drängt, wird die Unsterblichkeit nicht erlangen können. Wer den Tod überwinden will, muss sich ihm jeden Tag aufs Neue stellen. Auch wenn der innere Tod überwunden ist, bleibt der äußere Tod ein ständiger Begleiter. Der äußere Tod kann niemals überwunden werden. Das Ausrutschen auf einer Treppe, ein Unfall auf der Straße, ein Überfall - er ist überall. Seine ständige Anwesenheit bedarf unseres Respekts, unserer Akzeptanz und unserer Demut. Wer die Unsterblichkeit erlangen will, muss den Tod für immer in sein Herz lassen. Doch darf ihn das Wissen um den äußeren Tod nicht mehr berühren als das Wechseln eines Kleidungsstücks.

Versuchen Sie sich vorzustellen, unsterblich zu sein und gleichzeitig Angst vor dem Tod zu haben. Wie wurden Sie sich an Ihr Leben klammern, allen möglichen Risiken auszuweichen versuchen. Sie wären schließlich blind vor Angst, dass der Tod Sie irgendwann ereilen könnte. Die Gewohnheiten und Eigenheiten eines Menschen werden mit fortschreitendem Alter intensiver.

Oft werden diese Gewohnheiten und Eigenheiten nicht als Begrenzung des Geistes erkannt. Stattdessen werden sie oftmals als Stärken verkannt. Der Geizige wird geiziger und fühlt sich wohl dabei. Der Ängstliche wird ängstlicher und leidet immer mehr. Der Eifersüchtige wird eifersüchtiger und kann sich seiner Eifersucht immer weniger erwehren.

Ein unsterblicher Geiziger? Ein unsterblicher Ängstlicher? Ein unsterblicher Eifersüchtiger? Eine unmögliche Vorstellung. Wenn die innere Stimme der Seele nicht davon überzeugt ist, dass wir unsere Schwächen erkennen und sie immerfort überwinden, wird sie uns den Weg in die Unsterblichkeit verwehren.

Zur Befriedung des Geistes zählt auch, dass sich der Geist für die Vielfalt der inneren und äußeren Welten öffnet und offenhalten kann. Er muss sich bedingungslos dem unendlichen Strom der Bewegungen und den sich daraus ergebenden Veränderungen ausliefern und anvertrauen. Ständig muss sich der Geist von diesem Strom berühren und bewegen lassen.

Alles, was mir in meinem Leben wichtig und heilig war, löste sich mit der Zeit auf. Die klaren Konturen verblassten. Mein Geist begann, sich für das Erwartete wie für das Unerwartete, für das Mögliche wie für das Unmögliche zu öffnen. Alles war in Bewegung. Begrenzung liegt nur in den Gewohnheiten des Denkens.

Zug um Zug verlor ich die Befangenheit und Schlichtheit meiner Seele. Sie entfaltete sich in alle Richtungen. Die Möglichkeit des Heiligen offenbarte sich mir wie die des Mörders, die sexuelle Abstinenz wie die der vielfältigen Formen der Wollust. Alle Möglichkeiten, zu der je ein Mensch fähig war oder sein könnte, eröffneten sich mir in einem einzigen Augenblick. Nichts war mir mehr fremd und nichts war mir mehr vertraut. Ich spürte und sah mich zu allem fähig. Es gab keine Begrenzungen mehr, und doch legte ich sie mir selber auf, getragen und gegründet vom Willen zur Harmonie und damit zur positiven Energie in mir. Sie würden dies Liebe nennen, die Liebe zu mir selbst und zu den anderen. Liebe in ihren unzähligen Facetten. Denn jeder Gedanke, den ich denke, jedes Gefühl, dass ich erschaffe, jede Tat, die ich vollbringe, berührt die Energie in mir, und sie schlägt aus zur einen oder zur anderen Seite. Ich spreche nicht von der absoluten Reinheit der äußeren Seele.

Mir selbst ist alles gut, solange ich mich im Einklang zu mir befinde und meinem Nächsten nicht schade. Mit Hilfe meiner inneren Stimme der Seele lernte ich, mich selbst zum Maßstab meines Denkens zu machen und mich dennoch nicht vor dem Denken der anderen zu verschließen.

Die Verwirrung,
die mich angesichts der unendlichen Möglichkeiten des Lebens erfasste und die jede Klarheit in mir verwischte, war nur von kurzer Dauer. Schon bald lebte ich in und mit dem Bewusstsein, dass nur die Öffnung des Geistes der Unendlichkeit des Lebens gerecht werden kann. Der Preis dafür ist der Verlust aller Klarheit. Denn im Leben bleibt nichts, wie es ist, sondern es geht auf ewig weiter.

Es gab noch einen Preis, den ich für die Unsterblichkeit des Körpers bezahlen musste. Er lautet, für immer den kleinen Tod der Seele zu sterben und ihm niemals entrinnen zu können. In der physischen Unsterblichkeit liegt die Einsamkeit der äußeren Seele. Auch wenn ich den inneren Tod nicht mehr sterben kann, die Menschen, die mich umgaben, starben ihn. Menschen, die ich liebe, werden ihn sterben. Ihr Lachen und Weinen verstummt, ihre Gesichter, ihre Stimmen verblassen in meinen Erinnerungen.

Menschen, die ein Jahrhundert prägten, ihre Lebensweisen, ihre Gedanken, ihr Lebensgefühl, hören auf zu existieren. Ein Jahrhundert endet, Städte verändern ihr Gesicht, Landschaften ihr Aussehen. Man verliert die gewohnte Vertrautheit. Und ich stehe auf einer Insel, die niemand mehr mit mir teilen kann. Meine Erinnerungen sind nur noch meine Erinnerungen. Der kleine Tod ist der Tod der Vertrautheit, der Tod der Teilbarkeit von Erinnerungen, der Tod der kleinen Sicherheiten und des noch kleineren Wissens von der Welt und den Menschen.

Was auf ewig bei mir bleibt und mir die Kraft zum Leben gibt, ist meine innere Stimme der Seele. Ohne sie wäre ich einsam. Sie begleitet mich überall. Sie beschützt mich, teilt ihre Gedanken mit mir, freut sich mit mir und tröstet mich.

Wenn ein Mensch Teil der unendlichen Bewegung des Lebens werden will, bedeutet das für ihn, dass er sich von der Endlichkeit seiner Gedanken und Gefühle auf ewig trennen muss!«

»Ist damit die Befriedung des Geistes abgeschlossen?«

»Nein! Zur Befriedung des Geistes gehört ebenfalls, dass es dem hohen Selbst gelingt, die Unsterblichkeit zu wollen, ohne sie wollen zu müssen, an sie zu glauben, ohne an sie glauben zu müssen!«

»Das klingt nun doch nach ostasiatischer Philosophie!«

»Ist die Erkenntnis, dass unsere Sprache die Gegensätzlichkeit unseres Denkens über Worte erschafft, für Sie weniger akzeptabel, weil sie auch Teil des ostasiatischen Denkens ist? Ich hoffe es nicht. Die Ähnlichkeit, die Sie zu sehen glauben, ist nur eine oberflächliche Ähnlichkeit. Wenn wir eine Idee erschaffen, erschaffen wir auch gleichzeitig das Gegenteil davon. Gibt es Wahrheit, gibt es auch Unwahrheit. Gibt es das Gute, gibt es auch das Böse. Gibt es Liebe, gibt es auch Hass.

Das kosmische Leben, das ohne Bewusstsein ist, kennt diese Unterscheidungen nicht. Der unendliche Fluss der Lebensenergien ist Anfang und Ende zugleich. Hier gibt es keine Trennung. Für den Menschen, der Bewusstsein hat, sind Unterscheidungen ein Teil seines Lebens. Es gibt keinen Grund, Gegensätze zu überwinden, da sie das reine Menschliche in uns verkörpern. Es gilt, sie zu nutzen, wo sie für uns hilfreich sind, sie beiseite zu schieben, wo sie uns schaden könnten, sie zu verbinden, wo sie uns über Grenzen erheben und sie zu zügeln, wo sie uns in Abhängigkeit von ihnen bringen. Verfestigen wir die Unterscheidungen, die wir täglich treffen, zu Dogmen, zu Ideologien, zu absoluten Wahrheiten, die ihr Gegenteil verdammen und bekämpfen, dann begrenzen wir unseren Geist. Die Folge ist Stagnation. Die Folge der Stagnation ist der Tod.

Wenn wir etwas wollen, dann denken wir oft, dass wir gleichzeitig das Nichtwollen nicht dürfen. - Dies entspricht dem Muster unseres Denkens und Fühlens, dass nämlich Unterscheidungen Gegensätze beinhalten, die sich ausschließen. Das ist ein Irrtum. Zu jeder Unterscheidung gehören mindestens zwei Seiten, wenn nicht mehr. Sie sind durch ein unsichtbares Band miteinander verknüpft. Treten wir zwischen das Wollen und das Nichtwollen, zwischen Glaube und Nichtglaube, so offenbart sich uns eine neue geistige Welt in all ihrer Vielfältigkeit. In ihr ist die Bewegung, das ständige Suchen und Finden einer Balance, welche das Resultat des absichtslosen Wirkens unseres Willens ist.

Die Konzentration unseres Willens
ist nötig, um die Unsterblichkeitsenergie zu erzeugen. Dies ist der absichtsvolle Wille. Doch wenn sich in diesen reinem Willen zur Konzentration der Wille zur Unsterblichkeit derart mischt, dass er mich zum absoluten Muss der Unsterblichkeit verführt, dann wirke ich ihm entgegen. Ein Zuviel behindert das Ziel. Ein Zuwenig behindert es auch. Aus der Balance entsteht die Harmonie der Gegensätze, die Aufhebung der Trennung, ohne sie ganz aufzuheben!«

»Und wie soll diese Balance entstehen? Woher weiß ich, das etwas zuviel oder zuwenig ist?«

»Missachten Sie bitte nicht die innere Stimme der Seele! Das Bilden der Balance liegt im Vertrauen zum tiefen Selbst und in der Geduld des hohen Selbst, dass die Unsterblichkeit durch sie ermöglicht wird. Auf diese Weise können wir die Transformation unseres Körpers von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit ganz der inneren Stimme der Seele überlassen!«

»Ich habe das noch nicht verstanden! Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir noch einmal erklären würden, worin der Unterschied zwischen dem Läuterungs-Prozess des Ich in den ostasiatischen Philosophien und der von Ihnen propagierten Läuterung des Ich besteht!«

»Die Verknüpfung der Selbste und die Befriedung des Geistes führen nicht zur Ichaufgabe. Sie dürfen es auch nicht. In den ostasiatischen Philosophien ist es das Ziel, alle Gegensätzlichkeit zu überwinden, sie auf die Ebene des Geistes zu transzendieren, um ein unterscheidungsloses, unmittelbar erkennendes Ich zu werden. Hierbei erzeugen sie bereits eine Gegensätzlichkeit, indem sie das alte Ich dem neuen Ich gegenüberstellen.

Das Gegenteil der Ichlosigkeit ist das Ich in seiner Behaftetheit an den Kreislauf des Leidens, wie es die Buddhisten nennen. Sie suchen das Menschliche in uns zu überwinden und etwas Übermenschliches zu werden, obwohl doch das Menschliche zu uns gehört wie der Kopf zu unserem Körper. Mein Ziel war es, zwischen den Gegensätzen den Weg des Sowohl-als-auch zu gehen, das Menschliche zu wahren und dabei die geistigen Möglichkeiten des Menschen zu erhöhen. Niemals sollten wir abhängig von unseren menschlichen Begierden sein. Denn die Abhängigkeit von ihnen ist der Tod der Seele. Hier offenbaren sich ohne Zweifel die Abgründe des Menschlichen. Ihr prinzipieller Nutzen übersteigt bei weitem ihre prinzipielle Überwindung.

Lassen Sie mich zu dem zurückkehren, was ich über die Bedeutung des Vertrauens und der Geduld für den Prozess der Unsterblichkeit erwähnt habe. Der Mensch kann die Balance nicht erlangen, wenn er sie kontrollieren will. Dafür sind die Prozesse, die die Unsterblichkeitsenergien in uns auslösen, zu umfangreich. Das Vertrauen bezieht sich nicht nur auf das Einsetzen der Unsterblichkeitsenergien. Es bezieht sich ebenfalls auf die Schritte, die wir bei der Verknüpfung der Selbst und bei der Konfrontation mit unseren Blockierungen und Ablagerungen der äußeren Seele gehen müssen.

Als die Bindung zu meinem tiefen Selbst sich intensivierte, gab es Zeiten, wo ich keinen Kontakt zu meiner inneren Stimme hatte. Ich wollte diesen Kontakt erzwingen. Aber ich konnte und kann den Kontakt zu meinem tiefen Selbst nie kontrollieren. Je tiefer die Verknüpfung beider Selbst zueinander wird, umso weniger wird der Kontakt zueinander abreißen. Ich sagte es bereits: Nur, wenn das hohe Selbst zu sehr in der äußeren Welt verhaftet ist, sich von ihr verunsichern und gefangennehmen lässt, dann unterbricht die Verbindung für eine kurze Zeit.

Die Leere, die dann in mir entstand, ist, als wäre ein guter Freund von mir gegangen. Und ich warte lange, bis sich der Kontakt plötzlich wieder einstellte. Früher dauerte es manchmal mehrere Tage. Dies ist schon lange nicht mehr vorgekommen. Wenn überhaupt, fehlt der Kontakt vielleicht einen Tag. Vertrauen Sie Ihrem tiefen Selbst. Es lässt sie nicht im Stich. Es kann zu Anfang Ihrer Beziehung sehr lange dauern, bis es sich wieder meldet. Denn es lebt zwar durch den Körper in der Zeit, aber gleichzeitig auch außerhalb von ihr.

Kontrolle loslassen


Es mag schwer sein, den Gedanken aufzugeben, alles, was wir tun, um jeden Preis kontrollieren zu müssen.
Es war nicht leicht, die Spuren des Alterns an mir wahrzunehmen und dennoch darauf zu vertrauen, dass ich eines Tages nicht mehr altern würde. Denn der Alterungsprozess stoppt erst dann vollständig, wenn sich genügend Unsterblichkeitsenergie an unseren Körper gebunden hat. Dies ist ein Prozess, der Jahre andauert. Das hohe Selbst vermag niemals den Zeitpunkt seiner Unsterblichkeit zu bestimmen. Es kann nur hoffen und warten und tun und auch alles drei wiederum unterlassen.

Alle Impulse, die zur Befriedung des Geistes und damit zur Weiterentwicklung der äußeren Seele führen, kommen vom tiefen Selbst. Manchmal sind es gleich mehrere Blockaden, die dem hohen Selbst bewusst werden. - Manchmal geschieht wochenlang oder monatelang überhaupt nichts. Sie sind bereit für die Veränderung Ihrer Seele, aber in Ihnen herrscht Schweigen. Die innere Stimme fordert Sie nur dazu auf, zu warten, sich in Geduld zu üben und darauf zu vertrauen, dass etwas in Ihnen geschieht, was Ihnen den weiteren Weg weisen wird.

Kennen Sie die Geschichte vom unfehlbaren Lotsen? Nein? Ich werde Sie Ihnen erzählen:
Ein Schiff wollte durch nebelige Gewässer fahren, in denen sich gefährliche Riffe befanden. Es gab nur einen Lotsen, der bisher alle Schiffe unbeschadet durch den dichten Nebel geführt hatte. Natürlich wollte der Kapitän des Schiffs diesen Lotsen haben. Und er bekam ihn. Der Lotse wurde von seinem persönlichen Begleiter zum Bug des Schiffes geführt und gab von dort aus Anweisungen, wie das Schiff durch den Nebel zu steuern sei. Es dauerte Stunden. Die gesamte Besatzung wurde immer ungeduldiger. Denn sie kannte die tödliche Gefahr, die von den Riffen ausging. Als das Schiff glücklich den Nebel hinter sich hatte und an den Riffen vorbei gefahren war, fragte der Kapitän den Lotsen, wie er in dem Nebel die Riffe habe sehen können. Da antwortete der Lotse, dass er blind sei und mit seinen Augen nichts habe sehen können. Aber wie habe er dann die Riffe ausmachen können, wollte der Kapitän verwundert wissen. Ganz einfach, erklärte der Lotse. Er habe seinem inneren Auge vertraut und darauf gewartet, dass es ihm den Weg weise.

Einmal wurde der Begleiter des Lotsen krank und ein Matrose des Schiffs führte den Lotsen zum Bug. Da fiel ihm auf, dass sich der Lotse seltsam benahm. Er meldete dies dem Kapitän des Schiffes, der feststellte, dass der Lotse blind war. Sofort wies er seine Mannschaft an, nicht mehr auf die Anweisungen des Lotsen zu hören. Stattdessen versuchte der Kapitän, die Riffe in der Nebelwand zu sehen und das Schiff unbeschadet hindurchzusteuern. Was weiter geschah, werde ich Ihnen kaum erzählen müssen. Das Schiff lief auf ein Riff auf und sank! Mehr ist nicht zu sagen, deshalb lassen Sie mich bitte schließen.

Mit der Erweckung der inneren Stimme der Seele und der Verknüpfung beider Selbst ist der Weg in die Unsterblichkeit vorbereitet. Ein jeder Mensch muss seinen eigenen Weg in die Unsterblichkeit finden und in der Lage sein, ihn zu gehen. Es gibt kein Rezept, keine auf jeden übertragbare sichere Methode. Nur grobe Hinweise, wie ich sie hier aufgeführt habe. Es gibt keine Führung von außen. Die Führung kommt ganz allein vom Innen, von eines jeden tiefem Selbst!«


III. DIE ERWECKUNG DES TIEFEN SELBST

Im ditten Kapitel ....
Diese Seite wird weiter bearbeitet. Wer den Schluss lesen möchte, bitte auf den Link im Vorwort klichen: Huna.


Der eigene Weg


Ich, Emilion-Ra, habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Unsterblichkeits-Energie zu entwickeln. Zu diesem Zweck habe ich Bruno Gröning um Beistand und Hilfe gebeten für meinen Weg zur Unsterblichkeit und zur Befriedung des Geistes. Zumindest im letzten Punk spüre ich deutliche Fortschritte in meiner Befindlichkeit. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe aus der geistigen Welt.

Ich nehme einmal an, dass es heute leichter ist als noch zu Zeiten des Reimund Cremer, weil sich die Erdenergie bzw. die Schwingung von Mutter Erde erhöht hat. So gibt es mehr Spielraum für ein Individuum, um den eigenen Weg herauszufinden und beschreiten zu können, vorausgesetzt, man hält sich aus den Diskussionen über die verwirrenden Tagesereignissen heraus.

Eine starke Motivation, um den Weg aus der Begrenzung zu gehen hin zur Öffnung für unsterbliche Energie, waren mir die Darlegungen auf 9 CD von Secilia Sifontes in Verbindung mit dem Rat der Schöpfung: "Göttliche Manifestation I" Fülle und Göttlichkeit in der neuen Aera.
Diese Vorträge ließ ich über mehrere Jahre tröpfchenweise in meine Psyche einsickern, so dass sich neue Bezugspunkte für mein Dasein bildeten, die eine Eigendynamik entfalteten, was dann als Zufälle wahrgenommen wird.

Mein Wunschtraum ist es wieder Posaune oder Klarinette spielen zu können und auch wieder am Tanzsport teilnehmen zu können. So erklärt sich mein Engagement für die Unsterblichkeit.

Allein nur durch die tägliche Beschäftigung mit der Unsterblichkeit ist mein Geist weiter geworden, zugänglicher für die Eingebung, dass doch das meiste an mir die Schwingung ist, in der ich lebe, mehr noch als das körperliche Empfinden. So erlebe ich mich zunehmend als ein Bewohner des mich umgebenden Raumes oder dessen Energiefeldes. Meine Gedanken und Gefühle wirken auf dieses Feld ein und es beeinflußt sogar meinen Computer, weil es eine viel höhere Frequenz hat als diese Kiste.

Eine gute Hilfe zur Manifestation der Unsterblichkeitsenergie scheint mir die Zirbeldrüse zu sein, welche lichtempfindlich ist. Sie sortiert das Gleichgewicht von Yin und Yang, den Zwillingskräften in unserer 3D-Welt. Ich konnte sie einmal mit Hilfe einer 30-minütigen Intensivatmung zum Leuchten bringen. Es wurde ganz hell in mir, dass ich dachte, sie hätten das Licht im Saal angeschaltet. Ich öffnete die Augen und wußte: das Helle ist in meinem Kopf!

Da mir die Intensivatmung jedoch zu anstrengend ist für den täglichen Gebrauch, fand ich eine leichtere Methode: eine starke LED-Taschenlampe für 10 bis 20 Minuten auf die Stirn gehalten hat einen ähnlichen Effekt: es stellt sich - wie von alleine - eine tiefere Atmung ein, die sehr gleichmäßig läuft. Auch die Befriedung meines Geistes macht mit Hilfe der Zirbeldrüse Fortschritte. Ich glaube nicht an Gewaltaktionen, sondern an den steten Tropfen, welcher den Fels aushöhlt. Wenn die Gedanken sortiert sind, dann fällt mir manches leichter. - Zünden wir die Sonne in uns an!

Children Develop Cool SuperPower (Third Eye) Blindekuh
An diesen Kindern können wir es sehen, dass es nichts mit Mystik zu tun hat, um das dritte Auge zu öffnen.

Meditation

Ich sitze als 8-jähriger am Berghang und schaue nach dem Weideplatz meiner Herde - Kühe, Schafe, Ziege.
Die Schule hier im Hochschwarzwald ist geschlossen wegen der Frontnähe. Überall ist Krieg in der Welt. Die Allierten werden bald einmarschieren.
Doch hier ist jetzt Frieden. Die Sonne wärmt meinen Körper. Ein Sonnenstrahl dringt tief in meine Zirbeldrüse und regt sie an, die Unsterblichkeits-Energie hervorzubringen und diese überall in meinem Körper zu verteilen. Gefühle kommen auf:
Ich liebe. Ich glaube. Ich vertraue. Ich bin mutig. Ich bin dankbar. Ich bin reich. Ich bin hier. Ich bin in mir. Ich bin das Licht in allen meinen Körperzellen. Ich bin ewig.
Ich wurde beim Leben in dieser Gegend in 1944/45 gesund, die Nieren heilten wie von allein ohne irgendwelche Medikamente.

Laut Drunvalo Melchizedek müssen es 17 tiefe Atemzüge durch den Kopf und die Körpermitte sein, gefolgt von einem 18. zur Umstellung der Wahrnehmung im rechten Winkel zur üblichen Ausrichtung. Er beschreibt im Video die Prana-Atmung durch die Zirbeldrüse ab 20. Minute.

Es scheint nicht schwierig zu sein, die Wahrnehmung grundsätzlich zu erweitern, wie dieses Kind mit verbundenen Augen beweist. Denn diese lebendige kleine Person würde wohl kaum stundenlanges Stillsitzen üben.

Um jedoch bei meiner Meditationspraxis nicht einzudösen oder in die Sackgasse von Gewohnheit und Selbstherrlichkeit - manche nennen es Erleuchtung - zu geraten, suche ich die Konfrontation, z.B. mit verstorbenen Genies. Da war es in diesen Tagen Sir Georg Solti, den ich einfach einmal näher kennen lernen wollte. Das gelang mir bei einem seiner Konzerte. Hier dirigierte er erst ungarische Volksweisen und Tänze, dann ab der 52. Minute Beethovens 7. Synfonie.

Gerade diese Kombination löste in mir erhebliche Anstrengung in der Energie-Arbeit aus. Beethoven schuf diese Synphonie im Anbetracht der Bedrängnis durch die französische Besatzungsmacht und die schroffen Töne zeugen vom Aufbegehren gegen Napoleon. Als das Werk dann im Dezember 1813, zwei Monate nach der Völkerschlacht, in München uraufgeführt wurde, war der Jubel groß, wurde so stürmisch gefeiert wie nie bisher, der zweite Satz (bei 1:06:45 bis 1:15:15) mußte wiederholt werden. Napoleons Macht war gebannt. Er mußte sich aus Deutschland zurückziehen, verlor auch darauffolgende Schlachten und wurde auf die Insel Helena verbannt.
Die Sanftmütigen werden erben, was die Diktatoren aufgeben müssen!


Das Resonanzgesetz


Was ich mit ansteckender Gesundheit  meine, bezieht sich auf das Resonsnanzgesetz, wenn Menschen auf die Schwingung von ALL-EINS-SEIN eingestimmt sind.

Guiseppe Verdi - La Traviata - Brindisi: Feierndes Quartet

Wie hier zu sehen ist, hebt ein Glas Sekt die Stimmung an. Menschen werden lustiger und freuen sich gemeinsam viel stärker als alleine. Das liegt daran, daß ein paar Schluck auf ganz besrtimmte Gehirnzellen einwirken und diese zu mehr Bewegung anregen. Nachdem ich Antialkohliker bin und für mich jegliche Drogen ablehne, kommt nur der meditative Weg in Betracht, um über die Kraft der Vorstellung auf das Gehirn einzuwirken, denn jeder ist der Schmied seines eigenen Glücks. Damit kann ich den Energie-Level anheben, denn als Trauerkloß werde ich keine Unsterblichkeit erlangen.

Auch sieht man im ferneren Verlauf der Szene, daß die gute Laune ansteckend ist und schließlich der ganze Saal im Baden-Badener Festspielhaus mitfeiert. Und das, obwohl all diese keinen Schluck Sekt getrunken haben. Sie sind voll eingeschaltet auf Hochstimmung. - Was liegt also näher als anzunehmen, daß auch im eingenen Körpersystem solch eine Ansteckung gelingen könnte?
Wenn einige Gehirnzellen in Freude vibrieren, sollten es auch die anderen Zellen erfahren. Ich brauche also lediglich dem Gehirn die Anweisung geben: Auf, umschalten auf höhere Frequenz!
Dann lernen die anderen Zellen im Zellenstaat des Körpers von diesen und machen mit. Und das alles geschieht ohne üble Folgen eines Alkohlrausches!

Ich übte jahrelang das "Lächeln nach Innen" - Organ für Organ nach Tao-Yoga. Der hier vorgeschlagene Weg hängt mit meiner Geburtsvision (innerer Auftrag) zusammen, und ich würde deshalb anderen davon abraten, das so genau zu übernehmen. - Es ist doch wichtig zu beachten, womit sich ein Mensch sein Leben lang beschäftigt hatte. Bestehen Grundlagen in der Energie-Arbeit wie z. B. Tai-Chi oder QiGong? - In Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Lehrer könnte man Fortschritte mache, um die eigene Lebensernergie anzuheben.

Was ich mit doppelter Unsterblichkeit  meine, ist symbolich in diesem Bild ausgedrückt.

Unsterblich ist jede Seele. Nun geht es darum, dass mein Körper diese Qualität von der Seele lernt, um ebenfalls unsterblich zu werden.
Nach meinem Empfinden ist diese Unsterblidhkeitsnergie nicht polarisiert, kann also sowohl dem Mann oder der Frau zugeordnet werden.
Die Reproduktionsorgane bekommen dann einen ganz anderen Sinn oder Aufgabe: die ewige Zeugung neuen Lebens im eigenen System.

In Ergänzung zum Thema "Unsterblichkeit" haben mir die Ausführungen des Nithyananda gut geholfen, die als Buch in deutsch vorliegen und kostenlos heruntergeladen werden können:
Die gelebte Erleuchtung / Das höchste Bewusstsein leben

Ferner sind seine belebenden Unterweisungen zu nennen, die im Internet als youtube-Videos abgegriffen werden können.
Er sag, wenn seine Schüler nur 50 % dieser Erleuchtungsenergie, die er darstellt, ins eigene System integrieren können, dass sich dies als grosse Wohltat in ihrem Leben auswirken würde. Und ist somit in meinem Fall als Unterstützung des eigenen Weges zur Unsterblichkeit gut brauchbar.



Lebenskraft


Hier folgen einige Beispiele für eine Kraft stärker als ich.
Es gibt viele Namen für diese Kraft, die das Leben ermöglicht:
Od, Orgon, Prana, Chi, Vitalkraft oder einfach Energie, die ich habe am Morgen nach einem gesunden Schlaf.

Wunder der Lebenskraft (1) Gewinner Publikumspreis 2015 Cosmic Cine Awards Trailer 1

Wunder der Lebenskraft (2) Gewinner Publikumspreis des Cosmic Cine Festival 2015 Trailer 2

Die Heilkraft des geistigen Heilens: Das Mystische Feuer

Hier wird gezeigt wie die Lebenskraft der beiden sitzenden Personen von Andreas Händen aktiviert wird.

Kraftladung aus den Händen



Es gibt auch einen meditativen Weg, um Lebenskraft bewußt anzuheben. Der hier gezeigte Weg über das Singen von Mantras erscheint mir nicht für jedermann zugänglich zu sein, wenn solche Liebe nicht bereits im Kindesalter angelegt ist. Dennoch bewirken die vielen Videos, die es im Netz gibt, dass einem schläfrigen Geist auf die Spünge geholfen wird. Hier singt Deva Premal, 1970 in Nürnberg geboren, ein hinduistisches Mantra. Om Namo Bhagavate

Es zeigt sich in vielen ihrer Videos, dass sie die wilden Kräfte der Natur beherrschen gelernt hat. Gayatri Mantra

Ganz wichtig erscheint mir auch Musik zu sein, um Lebenskraft bei mir zu zünden.

Ein sehr natürlicher Auftritt von Elina Garanca zusammen mit Mariss Jansons, Dirigent. Beide kommen aus Riga hier in diesen Amsterdammer Saal.
Al Pensar: Las Hijas de Zebedeo (die Töchter des de Zebedeo): Ruperto CHAPI Elina Garanca

Hier ist der Dirigent Karel Mark Chichon, ihr Mann; auch er strotzt vor Lebenskraft "Canción de Paloma" El barberillo de Lavapies Elina Garanca

Die Prima Donne wirft ihre Schuhe ab, tanzt aus Herzenslust, will Lebenskraft nicht nur mit Gesang ausdrücken - Meine Lippen, sie küssen so heiß (Franz Lehar) Anna Netrebko

Eine fröhliche Schar bringt Lebenskraft hervor: Dennie Christian Rosamunde

Er kam aus Kuba und brachte seine Musik nach Mexiko. Sie schwappe nach Spanien und Frankreich und dann nach hier. Ich lernte diesen Tanz 1955 durch französische Studentinen in der Mensa in Frankfurt. Ersten Anfängen mit Perez Prado and orchestra

Alles andere als leise und bescheiden: DAMASO PEREZ PRADO el ruletero

So lockt diese Musik die Lebendigkeit hervor: PACHUCO BAILARIN

Begeisterung pur im Berliner Konzerthaus! • New Year's Eve Concert 2007 from Caracas Mambo!

Ein modernes Jugend-Orchester tanzt und singt und so schlank bleibt eine Dirigentin mit einer bewegenden Idee: Popurrí Pérez Prado

Solche Bewegungsenergie zeigt Lebenskraft an - teils wild - teils sehr kultiviert:
BOOGIE WOOGIE

Immer wieder diese blitzartige Drehungen: Feelings - Rumba

Die Pforzheimerin ist buchstäblich in ihrem Element: Bryan Watson & Carmen - Samba

Brassessoires - ein Mädchenquintet beim Woodstock der Blasmusik 2012, Musik macht, dass sie alle in freudiger Bewegung sind: Alte Kameraden

Wo kommt die Lenbenskraft her? Hier sicherlich von der Heimaterde, Das Alpenbrass Tirol zeugt davon: Dem Land Tirol die Treue

Am Anfang und am Ende dieses Filmes wird die Lebenskraft modern geübt: Secunda Donna on Rollerskates

Die Wiener Sängerknaben drücken mit ihrer Stimme aus wie lebendig die Lebenskraft sie macht. Tritsch-Tratsch-Polka

Aus einem Neujahrskonzert 2011 tanzen diese 3 Paare Lebenskraft pur. Nach Josef Strauss: Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust

Ich habe viele Jahre all diese 67 Figuren mitgetanzt. Die Bewegungsenergie bringt Lebenskraft hervor: Square Dance mit Schwung

Square Dance Demonstration: in 3 Squares

2012 National Square Dance Competition: erhöhter Schwierigkeitsgrad

Das Gegenteil von Lebenskraft ist die Erstarrung im Frost des Winters. Wegen des Polaritätsgesetzes lößt diese Kälte dann in uns einen Energieschub aus - Fotoaktion von Bremen Eins am 22.1.2016 klirrende Kälte

Ich tat diese Zeichnung der Blume des Lebens unter eine Pflanzschale für meine Radieschensprossen. Die Schale ist aus durchsichtigem Material. Und siehe da: die Sprossen keimten viel schneller auf und wuchsen deutlich kräftiger heran. Somit ist es für mich der Beweis, dass auch eine Grafik die Lebenskraft anregt.
Änlich aufhellend wirkt das Bild ganz oben auf mich wie ja auch die Musikgruppen und Darsteller.

Seit Ende 2015 gibt es eine neue Möglichkeit um Lebenskraft technisch zu erzeugen und durch Freigabe von Patenten allgemein zugänglich zu machen für jedermann. Dieses Angebot des Erfinders Keshe an die ganze Welt löste einen Sturm aus für eine neue Bewegung. Überall sprießen nun neue Gruppen, die an der Umsetzung arbeiten. Sehr realistisch sieht das schon in Rumänien aus, auf den Phillipinen und bei dieser Gruppe in Wien. In Holland ist sowieso schon eine Produktionsstätte neben Italien.
Plasma Energie Team Wien am 12.1.2016 - Mag. Dr. Klaus Priller Vortrag
Haupseite der Wiener Gruppe plasma-energie-team Hauptseite

Letztlich geht es um die Liebe. Liebe erzeugt Lebenskraft. Lebenskraft erzeugt Liebe. Der Zeugung verdanke ich mein Leben indem daß die pränatale Energie der Ahnen das eigene Leben auf der körperlichen Ebene möglich machte.

Ein schönes Beispiel für die Macht der Liebe fand ich in diesem Film. Er ist realistisch genug weil er Tod und Anfeindung mit einbezieht. Am Ende triumphiert die Liebe. Ohne die polaren Gegenkräfte wäre der Zauber der Liebe eher blaß. Das ist wie mit den obigen Bildern vom Wetter: klirrende Kälte, daß die negativen Temperaturen die größte Lebenskraft hervorlockt. Im Film geht es um einem Neuanfang, denn schließlich ist Lebenskraft in Hülle und Fülle vorhanden und will das Leben gestalten.

Die Bücher "Prophezeiung von Celestine" von James Redfield hatten mir viele Erkenntnisse über die Lebenskraft vermittelt. Kritische deutsche Rezension.
Dann kam der Film dieser Einsichten nach Bremen und setzte noch eins drauf, wie sinnvoll Leben laufen kann unter Einbezug der Sychronizitäten. Aber dieser Film ist in Englisch und sowieso eine sehr gedrängte Fassung. Nur die Bücher 1 bis 10 der Celestine Prophezeiungen geben den Schlüssel. Sehr typisch für den Wahrheitsgehalt fand ich die geschlossene Einheit bei der Herstellung des Filmes zwischen Darstellern, Technikern, Behörden und Finanzies. Alle erlebten glückliches Leben. Das zeigt mir wie wichtig es ist, auf die Befriedung des Geistes zu achten. - Reimund Cremer sieht darin eine Grundvoraussetzung zur Erlangung der Unsterblichkeit.

Die Lebenskraft hatte für Willhelm Reich so etwas wie Lebenssinn. Er nannte sie Orgon und konnte sie technisch herstellen bzw. akkumulieren. - Im folgenden Gespräch erzählen zwei junge Männer wie sie das verstehen. Orgonite



Disclaimer


Hier wurden meine persönlichen Vorstellungen dargelegt als Anregung für einen eigenen Weg zur Unsterblichkeit - freibleibend für eigene Experimente. Neue Ideen braucht die Welt, keine neuen Vorschriften. Aber solche Ideen mit hohen Chancen auf ihre Realisierung sollten es schon sein.
Die oben wiedergegebenen Texte stehen unter dem Zeichen der Meinungsvielfalt und sind in keiner Weise verbindlich.
Das Maß der Wahrheit muß jeder Mensch für sich selbst abchecken.
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